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Kanton Zug lanciert Lernflügel für Flüchtlinge

Um Flüchtlingen und Asylsuchenden die Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, wurde im Kanton Zug ein neues Förderprogramm lanciert. Die Pilotphase war erfolgreich, wie die Verantwortlichen mitteilen.
Vanessa Varisco
Afghanische und eritreische Flüchtlinge lernen gemeinsam mit einem Lehrer und Schüler der ISZL. (Bild: PD)

Afghanische und eritreische Flüchtlinge lernen gemeinsam mit einem Lehrer und Schüler der ISZL. (Bild: PD)

Mit dem «Lernflügel» startet am 1. Mai offiziell ein neues Förderprogramm für Flüchtlinge und Asylsuchende. Freiwillige Helferinnen und Helfer, darunter Studenten, Jugendliche und Pensionäre sowie deutschsprachige Schülerinnen und Schüler der International School of Zug and Luzern (ISZL) unterstützen dabei junge Zuger Flüchtlinge bei deren Hausaufgaben und beim Deutsch lernen.

«Die Idee für dieses Projekt ist entstanden, da wir immer wieder Anfragen von Schulen und Lehrbetrieben erhielten. Sie meldeten, dass die Flüchtlinge sich in den Asylunterkünften teils zu wenig konzentrieren können beim Lernen», führt Andy Tschümperlin, Leiter Soziale Dienste Asyl, aus. Die Integrationsagenda des Bundes, welche am 1. Mai in Kraft tritt, beinhaltet zudem das Ziel, dass sich zwei Drittel der Flüchtlinge und vorläufig aufgenommenen Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren fünf Jahre nach ihrer Einreise in einer postobligatorischen Ausbildung befinden sollen. «Und das nehmen wir ernst», erklärt Tschümperlin.

Teilweise sieben bis acht Helfer pro Abend

Der neu eröffnete «Lernflügel» in der Asylunterkunft auf dem Areal des alten Kantonsspitals an der Artherstrasse richtet sich also an junge Erwachsene mit Bleibeperspektive, die dort ein Zimmer bewohnen. «Wir wollen Menschen abholen, die schulisch oder beruflich weiterkommen und ein bestimmtes Lernziel erreichen wollen», betont der Leiter Soziale Dienste Asyl. Aktuell sind es 32 Personen. «Anfangs mussten wir das Projekt bewerben. Doch inzwischen sind die Flüchtlinge überzeugt vom Lernflügel und merken, dass er ihnen weiterhilft.» Kapazitäten für weitere Interessenten des Angebots seien vorhanden.

Lanciert wurde der «Lernflügel» als Pilotprojekt bereits im vergangenen Januar. Nach einer viermonatigen Testphase wird er nun offiziell implementiert. Andy Tschümperlins Fazit zur Pilotphase fällt sehr positiv aus: «Wir haben ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Die jungen Menschen auf beiden Seiten sind sehr engagiert.» Die Fortschritte seien Woche für Woche erkennbar. Die jungen Freiwilligen haben ausserdem oft weniger Berührungsängste gegenüber Menschen aus einem anderen Land oder Kulturkreis. Er ist überzeugt: «Vom Austausch profitieren beide Seiten.» Die betreuten Flüchtlinge sind motiviert und bereit, auch zusätzliche Arbeit in ihre Ausbildung zu investieren.

Betreut werden die Jugendlichen von freiwilligen Helferinnen und Helfern. Teils wurden Lehrpersonen angeschrieben, ob sie Interesse hätten mitzuwirken. Andererseits haben sich auch viele Helfer von sich aus gemeldet, beispielsweise Menschen mit einem Teilzeitpensum. «Grundsätzlich kann sich bei uns jeder melden», versichert Andy Tschümperlin. An den fünf Abenden in der Woche, an welchen das Förderprogramm von 18 bis 20 Uhr angeboten wird, sind teilweise sieben bis acht freiwillige Helfer vor Ort. «Manchmal auch nur jemand. Das variiert», gibt Tschümperlin Auskunft. Je nach dem hätten die Flüchtlinge entsprechend entweder Einzel- oder Gruppenbetreuung.

Fortschritte motivieren

Die Betreuung der einzelnen Flüchtlinge ist unterschiedlich intensiv. «Eine Herausforderung ist natürlich, dass der Bildungsstand sehr verschieden ist», weiss Tschümperlin. Einige kommen als Analphabeten in die Schweiz und lernen nun das Lesen und Schreiben im Alter von 20 Jahren. Und das nicht in ihrer Sprache, sondern auf Deutsch. Andy Tschümperlin findet: «Umso motivierender ist es, wenn die Flüchtlinge Fortschritte verzeichnen.»

Der Lernflügel – so haben die Flüchtlinge und Asylsuchende das Programm übrigens selbst benannt – soll das bestehende Angebot ergänzen. «Er ist ein weiteres Puzzleteil im Integrationsprogramm», wird Regierungsrat Andreas Hostettler in einer Medienmitteilung zum Förderprogramm zitiert. «Es orientiert sich am Grundsatz, der auch für Schweizer Jugendliche in Ausbildung gilt – nämlich fordern und fördern», betont der Vorsteher der Direktion des Innern Hostettler weiter. So gibt es im Kanton Zug bereits die Kompetenz- und Potenzialabklärung, Sprachkurse, das Integrations-Brücken-Angebot, die Integrationsvorlehre und die berufliche Grundausbildung via eidgenössischem Berufsattest. «Diejenigen, die den Lernflügel besuchen, sind bereits in den Regelstrukturen eingegliedert und werden nun gecoacht», resümiert Andy Tschümperlin. Der Lernflügel sei auch das Resultat der vom Kanton seit Sommer 2015 verfolgten Strategie, gezielt Freiwillige im Asylwesen einzusetzen, heisst es weiter in der Medienmitteilung zum Programm.

Der Kanton übernimmt eine Koordinations- und Vermittlungsaufgabe. Viele Gemeinden organisieren sich aber auch selbstständig und haben ihrerseits Angebote geschaffen.

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