Leserbrief
«Augen zu und durch»

Zum Handeln des Bundesrats

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Die strategische Führung (Bundesrat/Bundesversammlung) ist für die Wahrung nationaler Interessen zuständig. Sie bestimmt die staatspolitischen Ziele. Führen heisst, das Handeln der Unterstellten auf das Erreichen eines gemeinsamen Zieles ausrichten. Der Mensch bleibt in allen Aktionen der bestimmende Faktor für den Erfolg. Führung ist daher nicht nur durch Zeitdruck und Ungewissheit der Lage, sondern auch durch den psychischen und physischen Zustand der Menschen beschränkt, sowie von der Entschlossenheit und dem Handeln des Führers bestimmt.

Führung besteht in der Fähigkeit, aufgrund verfügbarer Informationen und Nachrichten, Kräfte beziehungsweise Mittel räumlich und zeitlich koordiniert zur Auftragserfüllung bestmöglich einzusetzen. Führung bedingt frühzeitiges Erkennen von Entwicklungen durch vorausschauende Beurteilung, um rechtzeitig Massnahmen zu ergreifen. Dies sollte zumindest jedem Offizier aus der FSO 17 (Führung und Stabsorganisation der Armee 17) vertraut sein. Von alledem ist aber beim Bundesrat nicht viel zu spüren! Richtigerweise hätte der Bundesrat seine «Aktionsplanung» nach dem Schema Problemerfassung, Sofortmassnahmen, Zeitplanung, Beurteilung der Lage, Entschlussfassung, Planentwicklung und Befehlsgebung machen müssen – und zwar schon lange vor dem Einsetzen der zweiten Welle!

Infolge einer ungenügenden Problemerfassung am Ende der ersten Welle, keinerlei Sofortmassnahmen im Sommer 2020 sowie fehlender Zeitplanung im Spätsommer 2020 fand in logischer Konsequenz im Herbst 2020 auch keine zeitgerechte und umfassende Beurteilung der Lage statt. Somit fehlt bis heute eine nachvollziehbare Entschlussfassung mit anschliessender Planentwicklung und Befehlsgebung. Nun stehen wir vor dem Scherbenhaufen der aufgegebenen Verhältnismässigkeit und sind dem «Hüst und Hott» des in Panik verfallenen Bundesrates nach Gedeih und Verderben ausgeliefert.

Anstatt die verletzlichen Personen sowie die Risikogruppen konsequent zu schützen, werden Existenzen aufs Spiel gesetzt und wirtschaftliche Kollateralschäden verursacht, welche noch lange nachhallen werden. Die Begehrlichkeiten bezüglich den «Härtefall-Finanztöpfen» steigen. Diesbezüglich wäre verhältnismässiges Agieren angebracht, denn man sollte nur diejenigen Unternehmen finanziell unterstützen, welche über jahrelange sowie ausgewiesene Leistungsausweise verfügen und nach diesem harten Lockdown mit hoher Eintretenswahrscheinlichkeit wieder an frühere Erfolge werden anknüpfen können. Allen helfen zu wollen wäre Planwirtschaft und Sozialismus pur – und wir alle wissen, wohin das in Osteuropa nach dem 2. Weltkrieg geführt hat. Also schliessen wir uns dem Bundesrat an mit «Augen zu und durch».

Daniel Gruber, Zug