LESERBRIEF
Covid-Zertifikat: Neue Freiheit oder das Ende der wirklichen Freiheit?

«Covid-Zertifikat: Noch viele Fragen offen», Ausgabe vom 25. Mai

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Im März 2020 habe ich in einem Zeitungsbeitrag verlangt, dass die Exekutive bei der Pandemiebekämpfung unterstützt werden soll und dass sich die Parlamentarier mit Vorstössen zurückhalten sollten. Das war damals richtig. Nun ist es aber höchste Zeit, dass sich die Parlamente und die Zivilgesellschaft in Bezug auf die Covid-Massnahmen zu Wort melden und aus der beklemmenden Lethargie erwachen. Anlässlich der letzten Kantonsratssitzung fand die Interpellation «Ordnungspolitisch zurück zur Eigenverantwortung – auch mit Corona» im Rat eine Mehrheit, womit dem Regierungsrat aufgetragen wurde, sich für schnelle Lockerungsschritte einzusetzen. Auch die ca. 5000 Menschen auf dem Arenaplatz haben in Bezug auf den Umgang mit den Coronamassnahmen ein klares Zeichen gesetzt. Diese Menschen auf dem Arenaplatz waren nicht schwachsinnige Hockeyfans, sondern Bürger, welche die Gefahren im Umgang mit Covid kennen, sich aber im Bewusstsein der eigenen Verantwortung so verhalten haben. Sie haben sich die Freiheit genommen, die unverhältnismässige Einschränkung der Freiheit nicht weiter zu dulden. Wenn sich so viele Menschen «gesetzeswidrig» verhalten, muss dies ein Weckruf für die Regierungen sein.

Nachdem das Schreckgespenst der Spitalüberlastung und das moralische Argument der Solidarität mit den Alten nicht mehr taugt, werden noch immer neue Gründe für die Aufrechterhaltung der Covid-Bekämpfungsmaschinerie gesucht. Das vorgesehene Covid-Zertifikat bedroht langfristig unsere Bewegungsfreiheit im eigenen Land, welche erstmals vom Vorweisen eines Gesundheitsausweises abhängig gemacht werden soll. So wird uns der Staat in Zukunft vorschreiben, was wir tun und lassen sollen und was die Folgen von empfehlungswidrigem Handeln sind. Dieses neue Instrument will man der covidmüden Bevölkerung mit der Aussicht auf eine etwas schnellere Lockerung verkaufen. Die Pandemie geht zurück und die Covid-Massnahmen stehen seit langem in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen und Folgen, welche vor allem auch unsere Jungen ertragen müssen.

Jeder soll nun selber entscheiden, ob er sich impfen lassen will oder nicht und sich so in Eigenverantwortung einem allfälligen Risiko aussetzt. Diese Freiheit müssen wir uns bewahren und unsere mündigen Bürger brauchen deshalb keine Nachteilsandrohung oder moralisierende Impfwerbung des BAG.

Adrian Moos, Kantonsrat FDP, Oberwil