Leserbrief
Der Ast, auf dem wir sitzen

Zur Abstimmung vom 13. Juni über die Agrarinitiativen

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Hören sie das Knacksen im Ast, auf dem Gegner wie Befürworter der Agrarinitiativen sitzen? Vom Ast grüssen auch unsere Nutz- und Wildtiere, ebenso die kleinen und kleinsten Bodenorganismen… Wie lange hält er noch? Bricht er schon, bevor er durchgesägt ist? Wir alle sollten den Initianten dankbar sein: Sie setzen sich für die Rettung und den Erhalt unserer Lebensgrundlage ein, und sie wollen die Erwerbsgrundlage der Landwirte, den gesunden Boden vor dem Kollaps bewahren. Was werden wir tun, wenn wir vor lauter Produktion und leider auch Ausbeutung unser Trinkwasser nicht mehr trinken können, Insekten, wenn überhaupt noch vorhanden, keine Futterpflanzen mehr finden und Fische tot obenauf treiben? Alles nur halb so schlimm, meint unser Bundespräsident; für ihn ist die Wasser- und Trinkwasserqualität in der Schweiz ja unbedenklich.

Korrigieren sie die Produktionsmethoden unserer Landwirtschaft und die Zielsetzung unserer Landwirtschaftspolitik mit einem Ja. Dann kann die Wasserqualität auch im Mittelland wieder beispielhaft sein, sich Wiesen nicht nur grün, sondern bunt präsentieren und so für Insekten eine reichhaltige Nahrungsquelle sein. Seen beatmen wäre dann Geschichte. Wann kreuzte sich ihr Weg letztmals mit einem Feldhasen? Irgendwann nach der Abstimmung vom 13. Juni werden wir dann erst im Jahr 2022 über den neuen Problemstoff Trifluoracetat (TFA), ein Pestizid-Abbauprodukt, informiert. TFA kann bei der Gewinnung von Trinkwasser aus Seen problematisch werden.

Ueli Fritsche, Zug