Leserbrief

Die Massnahmen rund um Covid-19 geraten in die Kritik

Zur aktuell herrschenden Coronapandemie und der Bewältigung derselben

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Einfach zur Klarstellung. Ich bin kein Armeegegner! Die Frage sei jedoch trotzdem erlaubt, wieso junge Leute in den WK müssen, obwohl der ursprüngliche WK-Zweck, Aufgaben rund um das WEF in Davos wahrzunehmen, weggefallen sind.

Macht es in diesen Coronazeiten wirklich Sinn, «sinnlose» Übungen zu organisieren, damit ein WK trotzdem durchgeführt werden kann? Wenn schon in den WK einrücken, dann nur, wenn man die Truppen einsetzen könnte um «Anti-Covid-Aktivitäten» zu unterstützen. Ich denke da an die Covid-Engel, die wir in gewissen Kantonen kennen, an Kontrollen, ob der Maskenpflicht nachgekommen wird, Hilfe bei Covid-Testzentren oder gar in Altersheimen oder in Spitälern. Aber, einfach Hunderte von WK-Teilnehmern aufzubieten, die sich in Gruppen völlig BAG-unkonform verhalten müssen, sich allenfalls gegenseitig anstecken und die Krankheit in ihren Familien und in ihrem Umfeld weiterverbreiten; ist das wirklich ein kluger Ansatz? Ich wage das wirklich zu bezweifeln ...

Mark Grüring, alt Kantonsrat FDP, Oberägeri


Mit den aktuellen Covid-Massnahmen wird nun mein 94-jähriger, halbseitig gelähmter Schwiegervater nach jedem Besuch ausserhalb des Altersheims für fünf Tage im Zimmer eingesperrt. Die Ausflüge und Ausfahrten waren bis anhin der einzige Lichtblick in seinem Dasein.

Zusehen, wie ein paar Äpfel beim Bauern gekauft werden, mit einigen Bekannten plaudern. Das ist, was er noch liebt. Sonst sitzt er nur noch im Rollstuhl. Ich habe erst vor einigen Wochen erstmals gehört, dass auch er mal laut werden kann. Er war immer die Ruhe, Geduld und Freundlichkeit in Person. Doch als er letzte Woche angeherrscht wurde, das Zimmer nicht mehr zu verlassen, sagte er der Pflegerin, dass sie ihm einen Revolver bringen solle, damit er sich erschiessen könne, so mache er nichts mehr falsch. So eine Aussage passt überhaupt nicht zu ihm, und er meinte es auch nicht im Spass.

Er selbst hat keine Angst vor Covid, und ist bereit zu sterben. Er möchte seine verbleibende Zeit noch nutzen und nicht in Isolation verbringen.

Bei meiner Mutter, 92-jährig und im Kopf noch ganz fit, aber körperlich sehr geschwächt, stellt sich der Fall anders dar. Auch sie hat keine Angst, zu erkranken und zu sterben. Bis im März war für sie das tägliche Abendessen mit ihren fünf Freundinnen im Altersheim der Höhepunkt des Tages.

Sie verbringt den Tag nur sitzend und mit immer schwächerem Augenlicht. Seit den Schutzmassnahmen im März sitzt sie nun jeden Abend isoliert im Essraum. Mit den lieb gewordenen Kolleginnen hat sie keine Möglichkeit mehr, sich zu unterhalten. Bei jedem Besuch sagt sie uns, dass sie nun lieber aus dieser Welt scheiden möchte.

Ist es nicht ein absolutes Grundrecht, nach draussen an die frische Luft zu dürfen? Das wird einem nicht einmal in Haft verweigert.

Gönnen wir den Alten doch noch die wenigen Freuden, die ihnen bleiben. Die Ethik-Kommission darf mit der Zustimmung vieler Senioren in diesem Sinne rechnen.

Muss ein alter Mann, der sich immer korrekt verhalten hat, das über sich ergehen lassen? Kratzen wir nun also an absoluten Grundrechten?

Mein Schwiegervater ermahnte alle beim letzten Familienbesuch, niemals in ein Altersheim zu wechseln. Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir uns daran erinnern.

Urs Voegeli, Cham