Leserbrief
Dystopien sind unglaubwürdig

Zu eidgenössischen Abstimmungen am 13. Juni

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Es gibt in der Literatur viele Dystopien («1984», «Brave New World» und ein paar kürzlich erschienene). Ich mag sie nicht. Utopien sind mir lieber. Thomas Morus hatte dem Traum von der Rückkehr ins Paradies den Namen Utopia gegeben und damit den Glauben des Fortschritts in eine bessere Zukunft beflügelt. Platons «Politeia» wird im Wikipedia als Utopie bezeichnet, aber hier zeigt sich das Problem, für mich als politisch Liberaler (nicht Neoliberaler) ist die Vision Platons ein Albtraum, den wir uns im Moment scheinbar als erstrebenswert angeeignet haben. Sonst bestünde nicht die Gefahr eines Ja zum Covid-19-Gesetz und zum PMT.

Aber man muss doch feststellen, dass alle Dystopien bisher nicht eingetroffen sind. Utopien zwar auch, nicht aber die Realität liegt oft näher bei der Utopie. Trotzdem sind Dystopien wichtig, denn sie warnen uns vor einem falschen Schritt. Momentan sind wir auf dem besten Weg, eine negativ konnotierte Zukunft zu entwerfen, eine Zukunft, in welcher der Einzelne bevormundet wird, der Eigenständige Nachteile in Kauf nehmen muss, wenn er nicht wie alle mitmacht.

Hört auf die Warnungen, bevor unsere Gesellschaft völlig unmenschlich wird. Hoffen wir, dass die Utopien siegen.

Michel Ebinger, Rotkreuz