LESERBRIEF
Ein Pyrrhussieg der Frau?

«Reformierte Kritik am Churer Bischof», Ausgabe vom 25. Mai

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Lächerlich, um nicht den gröberen Ausdruck «pathologisch» zu verwenden, mutet es allmählich an, wie Frau auf der Lauer liegt, um irgendwelche Grenzverletzungen von Seiten des Mannes unverzüglich zu massregeln. Spätestens seit der Psychologie von Carl Gustav Jung weiss man – und auch frau – dass es den Mann, das Weib nicht gibt, ausser man reduziert den Begriff auf das rein Anatomische. «Als Mann und Weib schuf er ihn», steht in der Genesis. Würden auch Theologen und Theologinnen richtig lesen, fänden sie Jungs Lehre schon in diesen Schriften.

Jeder Mensch hat sowohl weibliche wie männliche Beschaffenheit, mit unterschiedlichem Anteil zwar, und gemäss Jung gehört es zur Persönlichkeitsentwicklung eines jeden, das je andere in ihm zur Reife zu bringen, die Anima beim Mann, den Animus bei der Frau.

Sehr richtig definiert Bischof Bonnemain die eher weibliche Eigenart – Gefühl, Intuition – gegenüber der eher männlich verstandenen Ratio. Wer hier zu werten beginnt, hat nicht begriffen, dass nur die Synthese von beidem der Wahrheit nahezukommen vermag, genau das was Bischof Bonnemain in seinem Interview tut. Jeder von uns kennt Frauen mit männlich dominierender rationaler Eigenart und Durchsetzungsvermögen, wiewohl auch unter Männern gefühlsbetonte Handlungsweisen zu finden sind.

Dass mit dem quantitativen Engagement der Frau in kirchlichen Belangen auch eine verheerende Verkindlichung, eine gefühlsdominierte Verkündigung einsetzte, sei als leise Kritik zusätzlich hier eingeflochten. Ein Umstand übrigens, der nicht wenige Männer veranlasste, sich von Religiösem abzuwenden nach dem verruchten Motto: Religion ist für Kinder und Weiber. Ein Pyrrhussieg der Frau in der Kirche, aber immerhin ein Sieg, ist Mann versucht zu spotten. Kuriert endlich ihr lieben Frauen diese Hyperempfindlichkeit gegenüber Männlichem, ein Prozess, der Bewusstheit und eine Portion Ratio verlangt, aber gleichzeitig Beweis dafür wäre, dass Rationalität nicht ein Exklusivgut des Männlichen ist.

Hans Arnold-Bürgi, Rotkreuz

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