Leserbrief
Es geht um eine kulturelle Grundsatzfrage

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 7. März über die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot»

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Am 7. März entscheidet der Souverän über das Verhüllungsverbot. Insbesondere das dabei von den Initianten angestrebte Burkaverbot sorgt für einen zum Teil heftigen Diskurs.

Dieses Für und Wider um die Burka wirft eine kulturelle Grundsatzfrage auf. Wie viel Islam die Schweiz noch zu tolerieren bereit ist.

Selbst wenn das Tragen einer Burka als keine unmittelbare gesellschaftliche Herausforderung erscheinen mag, ist die Gefahr der Ausbreitung des radikalen Islam allgegenwärtig. Ein Burkaverbot könnte hier vorbeugend wirken, denn durch die stetig steigende Zahl muslimischer Einwanderer steigt auch der Anteil potenzieller Burkaträgerinnen.

Hier greift das Argument der Gegner dieser Initiative zu kurz, welche behaupten, dieses Volksbegehren sei auch deshalb abzulehnen, weil die Anzahl von Burkaträgerinnen in der Schweiz verschwindend klein sei und sich im Wesentlichen auf Touristinnen aus dem arabischen Raum beschränke. Ganz verschwiegen wird dabei von Gegnerseite, dass Frauen aus dem Westen im Orient den örtlichen Gegebenheiten entsprechend eine Kopfbedeckung zu tragen haben.

Vor allem eine solch restriktive Auslegung des Islam ist mit der christlich-abendländischen Prägung der Schweiz unvereinbar. Hier tritt ein kulturell-religiöser Gegensatz zutage, der sich auch nicht mit integrativen Massnahmen beheben lässt. Eine Tatsache, welche sich an Beispielen aus anderen europäischen Ländern klar ableiten lässt.

Otto Rölli jun., Menzingen


Ich hatte das Vergnügen, viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Überzeugungen und Kulturen zu treffen. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir alle nur einer «Rasse» angehören – der Menschheit. Ich bin eine Frau und Mutter, und als solche versuche ich mein Bestes, um meine Kinder zu Liebhabern der Menschheit zu erziehen, ohne Rücksicht auf Rasse oder Glauben. Aus diesem Grund finde ich das Plakat für die bevorstehende Abstimmung über das Verhüllungsverbot schockierend. Warum musste dieser Frau ein derart wütender, bedrohlicher Blick verpasst werden? Ich bin keine Muslimin. Aber ich bin der Meinung, dass dies eine Fehlinterpretation von Frauen ist, die den Niqab tragen.

Ich schätze den Wert der Meinungsfreiheit und erkenne, dass mit diesem mächtigen Recht eine grosse Verantwortung verbunden ist. Daher bin ich der Meinung, dass die Nutzung dieses Rechts, um Angst zu erzeugen oder Hass zu fördern, seinem grundlegenden Zweck zuwiderläuft. Ich lebe fünf Jahre in Zug und liebe es, wie multikulturell wir sind. Wie die Mischung aller Kulturen diesen Ort einzigartig macht und zu einem reicheren Ganzen beiträgt. Für mich haben solche Plakate keinen Platz in unserer Community.

Trotz des Abstimmungskampfs im März wird jeder Mensch mit dem Recht geboren, mit Würde und Respekt auf dieser Erde zu leben, ohne Angst vor Gewalt oder Vergeltung aufgrund unbegründeter Vorurteile. Ich möchte die zuständigen Personen hinter diesen Plakaten auffordern, eine Änderung des Bildes zu erwägen, um eine gerechtere Darstellung ihrer Botschaft zu gewährleisten, und nicht eine, die Angst und Stereotypen hervorruft. Vielen Dank!

Azarnoush Dooki, Baar