Leserbrief
Kontroverse Lesermeinungen zum Verhüllungsverbot

Zur Abstimmung über das Verhüllungsverbot am 7. März

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Mich ärgert die schäbige, kleinkrämerische Initiative gegen Frauen, die ein gesichtsverschleierndes Kleid tragen. Ich habe bis jetzt erst zwei Familien am Quai von Lugano flanieren sehen, bei denen die Frauen eine Burka trugen. Die Initianten bemühen bei ihrem Reden das Argument, sie würden einen Beitrag gegen die Unterdrückung der Frau leisten. Wie können sie diese Behauptung beweisen, wenn sie die wenigen in Burka auftretenden Frauen nicht nach den wirklichen Gründen ihrer Kleidung befragt haben? Es könnte sich ja auch um starke Frauen handeln, die selbstbestimmt aus ihrem kulturellen Hintergrund die Wahl getroffen haben. Wenn der Tatsachenbeweis nicht vorliegt, handelt sich um eine blosse Behauptung, die den Unsinn dieser Abstimmung veredeln soll. Sie erscheint mir wie eine Polit-Propaganda, die den Verschwörungstheorien ähnelt. Um die Initiative schmackhaft zu machen, richtet sie sich auch gegen die Gesichtsverhüllung von Schlägern und Bankräubern. Aber was nützt dies, wenn die Verbrecher nicht erwischt werden und sich nicht an das Verbot halten? Werden sie aber verhaftet, ist ihnen ohne diese Initiative die Strafe sicher. Das aktuelle Plakat, das mit Verhinderung des «Extremismus» ein Ja propagiert, ist in dieser Hinsicht eine schlichte Lüge. Wir zerstreiten uns wegen eines klitzekleinen, unechten Problems, das für unser Land angesichts der schwierigen Situation mit ihren Aufgaben bedeutungslos ist. Die Annahme der Initiative würde unsere Verfassung mit einem Artikel belasten, wie einst jener gegen die «grüne Fee», den heimlich produzierten Absinthe. Er wurde bei der letzten Verfassungsrevision als belangloser Ballast aus der Bundesverfassung gekippt.

Andreas Iten, ehemaliger Ständerat, Unterägeri


Die Verhüllung einer Frau hat nicht mit Kultur oder Religion zu tun. Es ist reine Schikane vom Mann gegenüber der Frau, um ihr Gesicht zu verhüllen, damit sie nicht fremdgeht oder mit einem anderen Mann liebäugelt. Das Verbot gehört für mich zur Gleichberechtigung und deshalb ein klares Ja zum Verhüllungsverbot. Auch geht es nicht um den Burka oder Niqab, sondern auch um die Verhüllung zum Beispiel bei Demos. Ohne die Gesichtsverhüllung bei einer Demo erleichtert es der Polizei, die Strafverfolgung einer Person aufzunehmen. Für mich ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Deshalb ein klares Ja am 7. März.

Katharina Büttel, Präsidentin Junge SVP Zug, Baar


Nur zu gut kennen wir die Bilder aus dem Fernsehen oder haben es schon live miterleben müssen: Vermummte Krawallbrüder schlagen im Umfeld von Fussball- oder Eishockeyspielen alles kurz und klein, beschädigen Privateigentum und verletzen Unbeteiligte oder Polizisten. Und fast jedes Jahr verwüsten, ebenfalls vermummt, aggressive Linksextreme jeweils pünktlich am 1. Mai halbe Innenstädte. Dies geschieht oft ohne wirkliche Konsequenzen, weil die Täter unerkannt bleiben. Da wir alle keine solchen Bilder mehr sehen wollen, empfehle ich ein beherztes Ja zum Verhüllungsverbot, denn so können sich diese Randalierer nicht mehr so einfach aus der Verantwortung stehlen und die Strafverfolgung behindern.

Roman Küng, SVP, Mitglied Grosser Gemeinderat, Stadt Zug


Grundsätzlich kann ich keine weiteren Verbote und Gesetzte mehr unterstützen. Das Vertrauen in die Politik, dass anschliessend der Volkswille korrekt und nach der Vorlage umgesetzt wird, ist doch eher klein. Braucht es ein weiteres Gesetz? Genügt der Menschenverstand nicht mehr im Jahr 2021? Hat die ganze Einwanderungspolitik, die Einbürgerungen in den Bürgergemeinden kläglich versagt? Es wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach gewarnt, dass die Schweiz bald überbevölkert und mit diversen Kulturen konfrontiert wird. Heute können und dürfen wir sagen, ja, das Volk, die Politik und der Menschenverstand sind doch nicht so grossartig, wie wir das noch vor einem Jahr zu glauben meinten. Die Dummheit der Menschheit, der Egoismus und die Überheblichkeit haben keine Grenzen mehr. In der Landwirtschaft ist es so, die Samen, welche Sie in den Boden geben, dass dürfen Sie anschliessend auch ernten. Wir wollten die Schweiz, so wie sie jetzt ist, haben Sie Freude daran und geniessen Sie die Politik von heute, unsere Kinder werden auf uns vermutlich sehr stolz sein.

Matthias Werder, SVP Kantonsrat, Rotkreuz