Leserbrief

Lesermeinungen zur Corona-Pandemie und zur Handhabung derselben

Verschiedene Artikel und Leserbriefe

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Verabscheut oder vorbehaltlos geglaubt: Verschwörungstheorien etwa zur Entstehung von AIDS oder jetzt wieder zur Entwicklung des Coronavirus zirkulieren noch und nöcher. Obwohl ich mich keineswegs als Mystiker fühle, gibt es aber mindestens doch zwei Verschwörungstheorien, welchen ich eine recht hohe Wahrscheinlichkeit zubillige.

Seit 14 Jahren bin ich Witwer. Im Sinne eines materialisierten ewigen Lebens finde ich aber in meinem Briefkasten immer noch Reklamepost, welche an meine Frau sel. adressiert ist – manchmal sogar von Absendern, welche es zur Zeit ihres Todes noch gar nicht gegeben hat.

Schon mehrmals habe ich nachgehakt, immer mit dem gleichen Resultat: Zunächst sind die innerhalb der Firma dafür zuständigen Leute mit hartnäckiger Regelmässigkeit «momentan nicht erreichbar». Wenn ich lange genug insistiere, wird schliesslich offen zugegeben, die Wege für die Adressen-Acquisition würden grundsätzlich nicht bekannt gegeben. Offensichtlich besteht da ein «Darknet» einer mafiösen Organisation, welches dafür sorgt, dass ich nie aus der Dauerberieselung durch adressierte Reklame herauskommen soll.

Noch mehr als Verschwörungstheorie empfinde ich einen zweiten, gerade im Kanton Zug sehr geläufigen politischen Prozess: Am Anfang steht der Wunsch einer besonders einflussreichen Gruppe auf ein paar Dutzend Sekunden Zeitgewinn für den Motorverkehr, häufig gekoppelt mit fetten Gewinnen durch Landverkäufe und Bauarbeiten. In der Vorlage für die weitere Landschaftszerstörung wird der Stimmbürgerschaft zum x-ten Mal wohnliches und verkehrsberuhigtes Siedlungsgebiet versprochen. Sobald die Bauarbeiten ausreichend fortgeschritten sind (ja nicht vorher!) drohen ein paar «Gewerbetreibende» über Einsprachen emotional mit dem Konkurs, wohl ausserhalb des Protokolls mit der Regierung und vielleicht sogar mit den Gerichten von Anfang an so abgesprochen. Über Nacht und ohne weitere Mitwirkung des Souveräns werden die flankierenden Massnahmen liquidiert und – alles weitere siehe Zuger Realität! Die Gerichte halten am Schluss seelenruhig fest, die Abstimmungsfrage habe nur zonenrelevante und finanzielle Aspekte beinhaltet. Alles andere sei unverbindliches Beiwerk gewesen.

Oder, kurz gefasst: Nicht jede Verschwörungstheorie ist aus Prinzip unglaubwürdig!

Jürg Röthlisberger, Cham


Es gibt sicher auch noch Menschen, welche die Coronapandemie als Gottes Strafe anschauen, da gehe ich jedoch mit Kardinal Kurt Koch einig, welcher sagt, dass Gott die Menschen auch die Konsequenzen ihres eigenen Fehlverhaltens erfahren lässt. Die Coronapandemie ist eine hausgemachte «Katastrophe», welche nur zeigt, dass unsere Gesellschaft einen «Point of no Return» erreicht hat, wir müssen praktisch alles ändern, um wieder eine menschlichere Gesellschaft zu werden. Wir müssen die Wirtschaft völlig umbauen, unser Menschenbild ändern und wieder echte Prioritäten des Lebens setzen, statt die Gesundheit zu vergöttern, wir müssen leben und nicht funktionieren und vor allem brauchen wir endlich mehr Demut vor dem Schicksal. Wir müssen uns vor der todbringenden Irrlehre Rationalität verabschieden, welche uns die Aufklärung gebracht hat. Die Wissenschaft ist nicht das Mass aller Dinge und wir sind nicht allmächtig und nicht die Herrscher der Welt,wirsind bloss Gäste auf dieser Welt.

«Gott ist der erste Grund der Dinge.» Im Sinne von: Gott hat die Welt sinnvoll geschaffen. Was hier unten passiert, ist per se vernünftig. Der Mensch ist bloss zu dumm, es zu verstehen».

Vielleicht sollten wir uns diesen Gedanken von Gottfried Wilhelm Leibniz vermehrt zu Herzen nehmen.

Michel Ebinger, Rotkreuz


Das Corona-Tohuwabohu, Punkt 1: Ich war, wurde, könnte sein, und bin nun tatsächlich ein Covid-19-positiv-Kandidat. Aber ich weiss es bald selbst nicht mehr. Bei diesem katastrophalen Durcheinander der ständig wechselnden Zuständigkeiten. Einmal ist es das BAG, dann wieder sind es medizinische Stellen (Ärzte, Spitäler etc.), dann der Bundesrat und schliesslich (aber sicher nicht endlich) die kantonalen Behörden. Zum Beispiel, was das wirkliche Ende einer Quarantäne betrifft. Sind es 10 Tage netto oder 10 + 1 Tag oder vielleicht sogar 2 Tage. Kommt darauf an, ab wann man wie rechnet. Und niemand weiss es, bei unserem hochgelobten föderalistischen System. Aber das ist ja alles Schnee von gestern. Der Hype zurzeit ist die Impferei, die alles ins Lot bringt. Aber auch hier ist das Tohuwabohu vorprogrammiert. Wer mit welchem Produkt kann wen und wann impfen?

Punkt 2: Wie wäre es eigentlich, im Zusammenhang mit Corona, mit einem Fachwörter-Flyer gewesen? Ständig gibt es neue Begriffe, meist in Englisch. Wenn man diese verständlich übersetzt hätte, wäre das auch für die «Wenigen» nicht Englisch sprechenden Bünzli, eine Art von Service public?

Punkt 3: Interessant, dass der arg strapazierte Begriff der Eigenverantwortung praktisch verschwunden ist. Logisch, man hat gemerkt, dass dies eine elegante Umschreibung für Egoismus ist. Ich mache genau das, was für mich richtig ist. Aber Pauschalverantwortung wäre eben gefragter.

Charles Maag (84 Jahre, Risikopatient), Unterägeri