Leserbrief

Verschiedene Gedanken zur Weihnachtszeit

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Bald geht ein ereignisreiches Jahr vorbei und wird zu lange Spuren in unseren Leben hinterlassen. Jeder von uns ist irgendwie davon betroffen, die einen mehr die anderen weniger. Einige haben geliebte Menschen verloren im Wissen, dass das Leben immer tödlich endet und die meisten an etwas anderem als einem Virus verstarben. Die meisten haben gelernt, mit Einschränkungen zu leben, die einen besser, die anderen weniger. Einige folgen gehorsam den Anordnungen von oben, ohne viel zu überlegen, andere lehnen sich dagegen auf. Ich kann beide Seiten verstehen. Selbst gehöre ich zu jenen, die versuchen, und sei es nur in Worten und mit der Überzeugung, dass vieles unüberlegt und falsch ist, die Geschehnisse auf beiden Seiten der Medaille anzusehen. Etwas, was unsere Beamten und Politiker wohl nicht tun (können oder wollen).

Aber, egal auf welcher Seite du stehst, alle sollten das Leben so leben dürfen, wie sie es geplant haben und es kann nicht sein, dass andere sich deines Lebens habhaft machen. Selbstverantwortung und Rücksicht auf jene, die jeweils gefährdet sind, sind selbstverständlich, nicht nur in dieser merkwürdigen Zeit. Und es hat nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun, wenn man immer wieder Fragen stellt, auf die man keine, oder nicht zufriedenstellende Antworten erhält. Der Mensch ist die Kreatur, die wohl als einzige einerseits dazu fähig ist, etwas in Frage zu stellen und andererseits leider auch dazu in der Lage ist, mit anderen Leben zu spielen wie im Monopoly. Die Entfremdung auch in Familien zeigt auf, was mit Angst angerichtet werden kann. Die sozialen Kontakte werden technisiert und die Kontrolle des eigenen Lebens externalisiert. Das ist kein menschliches Leben mehr. Wir haben in den letzten neunzig Jahren nicht viel gelernt, ausser, dass man ausgegrenzt wird, wenn man der Obrigkeit nicht traut und Anordnungen hinterfragt. Schade um ein verlorenes Jahr, das mehr genommen als gegeben hat und mehr Schaden als Nutzen hinterlassen wird, ohne dass die Schuldigen wohl je dafür sühnen müssen. Schade.

Mit merkwürdigen Gefühlen wünsche ich allen, die bis hierher gelesen haben, ein besseres Jahr, als es dieses war und dass das Leben lebenswert, der Mensch wieder menschlich wird und erkennt, dass seine Sterblichkeit einfach zum Leben gehört; und Lebensfreude auch.

Silvio Zimmermann, Unterägeri


In Allenwinden wird anlässlich der Weihnachtsgottesdienste traditionell zur Kollekte für das Kinderspital Bethlehem aufgerufen. Eine sehr noble und schöne Geste, die stets auf lebhafte Resonanz stösst. Wegen der Krise werden dieses Jahr bekanntlich die Anzahl der Besucher in den Kirchen beschränkt bzw. Gottesdienste werden gar ganz abgesagt.

Das wird sich unterm Strich negativ auf das Spendenaufkommen wohl in der ganzen Schweiz auswirken, mit traurigen Folgen für diejenigen, die bisher auf diese bestimmt hochwillkommene Unterstützung zählen durften. Es sind dies in der Regel Menschen in Ländern fernab der Schweiz, die durch die Coronaverwerfungen ebenfalls arg gebeutelt werden.

Auch wenn viele in unserem Land selbst mehr als üblich für ihr wirtschaftliches Wohlergehen kämpfen müssen, öffnen Herr und Frau Schweizerin regelmässig ihre Herzen und Portemonnaies, um Leid hier und anderswo in der Welt lindern zu helfen. Die Weihnachtsaktion der einschlägigen Zentralschweizer Zeitungen spricht hier Bände.

In Form eines kleinen Stupsers möchten wir die Leser dieser Spalten ermuntern und erinnern, dass Solidarität im beschriebenen Sinn im Jahr 2020 auch ohne Gottesdienstbesuch möglich ist – wie das angestellt werden kann, ist das kleinste Problem, das wir in den letzten Monaten zu lösen hatten, der Kreativität sind auch hier wie schon das ganze Jahr über keine Grenzen gesetzt. Und bei Bedarf helfen einem die Pfarrämter bestimmt weiter.

Bei den Empfängern werden unsere Zeichen der ungebrochenen Solidarität und des Miteinanders dieses Jahr wohl ganz besonderen Dank und gute Gefühle, dass sie nicht allein und nicht vergessen sind, auslösen. Dies ist eine der wenigen Gewissheiten in diesem so komplizierten und von Ungewissheit geprägten annus horribilis.

Werner und Susanne Gerber-Meier, Allenwinden


Die heutige schwierige Zeit erinnert mich an die Vierzigerjahre. Als der Grafische Betrieb Benziger Einsiedeln keine Bücher mehr druckte, hatten viele Arbeiter Angst die Arbeit zu verlieren oder sie hatten sie verloren. Ich war in der Sekundarschule und wir mussten einen Aufsatz mit dem Titel «Das Schweizerbuch» schreiben.

Am Schluss des Aufsatzes schrieb ich noch ein Gedicht.

Es gibt so viele Leute/Die lesen fast nichts mehr. Das Buchregal ist heute/ beinahe öd und leer.

Wozu soll ich noch lesen/Bin nicht dazu bereit.
Im Kino seh’ ich’s besser/verlier nicht so viel Zeit.

So sagen heute alle/Die Leut’ aus Dorf und Stadt.
Und unser gutes Schweizerbuch/Wird nicht gekauft wie schad.

Drum auf ihr lieben Schweizer/Verhütet diese Not. Denn viele Leut’ verdienen/am Buch ihr täglich Brot.

Geschrieben im Jahre 1945.

Cäcilia Wiser, Baar


Laut Schweizer Post stieg die jährliche Menge von Paketen innert 10 Jahren von 108 Millionen auf heute ca. 160 Millionen an. Eine gewaltige Flut, wobei: Diese Steigerung lösten nicht nur der explodierende Onlinehandel und verrückte Rabattage aus. Innert desselben Jahrzehnts betrug die Netto-Zuwanderung in die Schweiz fast 1 Million Menschen auf heute 8,6 Millionen. Und die Summe der kantonalen und gemeindlichen Sozialhilfe stieg um ca. 1 Milliarde Franken! Im Weiteren wurden unzählige Schulhäuser, Altersheime, Spitäler, Freizeitparks und Strassen erweitert oder neu gebaut. Jede Sekunde wird 1 Quadratmeter Boden zubetoniert! Wir zerstören dauernd zu viel fruchtbaren Boden und damit unsere Lebensgrundlage. Die Schweiz kann sich schon längst nicht mehr selbst ernähren: Bezüglich Lebens- und Futtermitteln sowie vielen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas, Uran, Metallen, Kunststoffen, Chemikalien usw. sind wir in hohem Masse vom Ausland abhängig. Von Asien (Made in China, Made in Taiwan etc.), von Europa und Amerika.

Denken Sie in den kommenden ruhigen Tagen mal über diese Fakten nach. Oder wenn Sie das nächste Mal ins Flugzeug steigen oder am TV Autorennen ansehen. Und werden Sie sich über die zwingenden Grenzen des Wachstums bewusst. Und darüber, dass die Schweiz schon lange zu den am dichtest besiedelten Ländern der Erde gehört. Ungebremstes Bevölkerungswachstum lässt Fortschritte in der Technik (Energieeffizienz) gleich wieder verpuffen, und das Modewort «Nachhaltigkeit» wird sinnleer. Mir scheint, gewisse Leute wollen Wachstum um jeden Preis.

Aber der Preis ist definitiv zu hoch: Ohne intakte Natur, sauberes Wasser, saubere Luft und saubere Böden kann niemand überleben. Nirgendwo.

Ueli Krasser, Hagendorn