Leserbriefe
Hofnarr oder Musterschüler?

«Leserbrief Hofnarr?», Ausgabe vom 20. März

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Thomas Aeschi wurde vom «Tages-Anzeiger» zum Hofnarren erkoren. Der übertrieben Umtriebige könnte aber auch als Musterschüler gesehen werden. Beide bemühen sich, jeweils ihren Zielen folgend, akribisch um die treffende Wortwahl. Es kommt immer auf die Wirkung an.

Nach der Berichterstattung über die vergangene Session dürfte der Fraktionschef der SVP kaum diesen Bildern entsprechen. Er wirkte oft von blindem Eifer getrieben. Mit seinen unablässigen Schuldzuweisungen, beispielsweise den perfiden Angriffen auf die Vizedirektorin des BAG, der Unterstellung einer Diktatur – hinterher behauptet er, seien diese ohne Wirkung auf Fanatiker, weil in unserem Lande dafür keine Gefahr bestehe – sowie dem fundamentalen Verzicht auf konstruktives Mitarbeiten verfolgt er offensichtlich nur ein Ziel: Man kämpft nicht um die Sache, sondern gegen Personen.

Hofnarr und Musterschüler pflegen meist auch eine Profilierungssucht. Und trotzdem: Ein Hofnarr ist der Wahrheit verpflichtet und kann nicht nur auf Personen zielen – sonst wird es für ihn gefährlich. Ein Musterschüler hat ein erkennbares Ziel und folgt nicht unablässig nur seinem übermässigen Eifer, will der erfolgreich sein. – Beide profilieren sich nicht nur bloss zu Lasten anderer, oder wollen gar andere fertigmachen. Sie folgen erkennbar anderen Zielen.

Volksvertreter sollten eigentlich das Wohl des Volkes mehren. Unerlässlich ist dabei, auch unangenehme Ziele und Fakten beim Namen zu nennen. Aber immer mit dem Ziel vor Augen, Lösungen voranzubringen oder Nachteile zu mindern. War dieses wirklich das Ziel der SVP in den vergangenen Wochen? – Vom Urvater eingeimpft, wird mit – andere verletzenden Behauptungen – gefochten. Sie bezichtigen – unablässig, mit fraglichen Beweisen – alle anderen als allein Schuldige für ein hochstilisiertes Malaise. Aktuell vorab den Bundesrat und die Experten, die reklamierte Diktatur. Holzschnittartig einseitig, obschon eine sich immer verändernde, nicht fassbare Pandemie zu Vorbehalten mahnen müsste. Herabmachen steht vor dem Verstehen.

Vertrauen ist angezeigt, selbst wenn die Nachweise zu Fakten und Recht bzw. der Angemessenheit noch diskutiert werden müssen, wenn erfahrbar ist, dass das Handeln aus einer Verantwortung heraus erfolgt ist. Ich bin dafür dankbar, dass es in Kanton und Bund Behörden und Experten gibt, die unablässig für unser Wohl sorgen und dazulernen. Der Blick über die Grenzen zeigt uns wie erfolgreich.

Wenn in der letzten Session eine von dem «Hofnarren» und seiner Truppe ausgelöste Gehässigkeit überhandnahm, wurden diese Volksvertreter nicht den Problemen, den Optionen des Bundesrates und schon gar nicht dem Wählerauftrag gerecht.

Jean-Paul Jäger, Baar


Alain Berset hat Thomas Aeschi abkommandiert. Er wird seine Gründe haben. Ist ihm das jemand zu nahe getreten? Und flugs schlüpft er in die Rolle von Vater Staat. Offensichtlich fühlt er sich dazu ermächtigt. Ermächtigt leitet sich ab von mit der entsprechenden Macht ausgestattet. Nur: Wer verleiht ihm diese Macht? Er selber. Da kommt doch ein Unflat wie Thomas Aeschi und erdreistet sich, stopp zu sagen. Noch schlimmer: Er erkennt im bundesrätlichen Walten diktatorische Tendenzen und spricht es auch aus. Er beruft sich auf die Meinungsfreiheit und nimmt seine Verantwortung wahr. Bersets Akt ist ein willkürlicher. Und genau das ist es, was Menschen charakterisiert, die zu diktatorischen Allüren neigen. Dem aufmüpfigen Thomas Aeschi sollen die Leviten gelesen werden. Zu diesem Zweck zitiert Berset den vorlauten Zögling ins Bundeshaus. Mutet mich alles ziemlich schräg an und bestätigt, was ich empfinde.

Daniel Wirz, Zug