Leserbriefe
Lesermeinungen zu den Agrarinitiativen

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 13.Juni

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Wir alle wollen die Umwelt schützen und die negativen Effekte minimieren. Die entsprechenden Massnahmen sind aufgegleist. Die extremen Agrarinitiativen schiessen weit über das Ziel hinaus. Die Schweizer Landwirtschaft würde komplett auf den Kopf gestellt.

Immer mehr importierte Nahrungsmittel auf unseren Tellern, die nicht mit den in der Schweiz geltenden Vorschriften produziert werden, und zunehmende Abhängigkeit vom Ausland, das wäre die Konsequenz bei Annahme der Agrarinitiativen die am 13.Juni zur Abstimmung kommen.

Darum zweimal Nein zu diesen Initiativen.

Josef Murer, Landwirt, ehemaliger Präsident Zuger Bauernverband und Zentralschweizer Bauernbund, Baar


Genauer betrachtet ist der Präsident des Zuger Bauernverbandes mit seinen rührigen Leserbriefen gegen den Gewässerschutz gar kein richtiger Landwirt. Auf seinem Agrarland betreibt Thomas Rickenbacher hauptberuflich seit vielen Jahren einen Pferdehof, was mit landwirtschaftlicher Produktion herzlich wenig zu tun hat. Erst wenn die nicht mehr reittauglichen Tiere in den Schlachthof gelangen, entsteht als Nebenprodukt noch Fleisch – ein Thema, das die (meist weibliche) Kundschaft allerdings wohl kaum interessiert.

Immerhin sei dem «Landwirt» zugutegehalten, dass er für das Gras seiner Tiere kaum das Grundwasser mit verbotenen Chemikalien vergiftet, sodass ihn die beiden Initiativen der Umweltverbände persönlich eigentlich nicht betreffen. Im andern Fall wäre es umso schlimmer!

Nicht vergessen ist aber der Deal zwischen der rechtsbürgerlichen Hochfinanz und dem Bauernverband: Aus eigenen marktwirtschaftlichen Interessen hätten die Bauern die Konzernverantwortungsinitiative eigentlich unterstützen müssen, was angesichts des knappen Abstimmungsresultats möglicherweise den Entscheid in die andere Richtung gekippt hätte. Im Gegenzug wurde aber von der Agrarlobby die Unterstützung im Kampf gegen ausreichenden Gewässer- und Bodenschutz erkauft, sowohl in der direkten Bekämpfung der Initiativen wie bei der Verhinderung eines griffigen Gegenvorschlags.

Mit viel Werbung betonen die Schweizer Landwirte die gesundheitliche und ökologische Überlegenheit ihrer Produkte gegenüber der ausländischen Importware. Aber die aktuelle Kampagne schneidet ins eigene Fleisch: Je mehr die Vorteile der einheimischen Produktion ausgehöhlt und abgebaut werden, umso weniger ist der Konsument bereit, einen höheren Preis für «Produkte aus der Region» zu zahlen.

Jürg Röthlisberger, Cham