Leserbriefe
Lesermeinungen zu den Agrarinitiativen

Zur eidgenössischen Volksabstimmung vom 13. Juni

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Die Befürworter der beiden extremen Agrarinitiativen zielen nach wie vor ausschliesslich auf die Bauernfamilien! So auch Claus Soltermann GLP Cham. Viele scheinen die Wirkung dieser Initiativen, in Bezug auf die Trinkwasserqualität, massiv zu überschätzen.

Gemäss Bundesamt für Umwelt fliessen jährlich 65 Tonnen Industrie- und Haushaltschemikalien, 20 Tonnen künstliche Lebensmittelzusatzstoffe, 20 Tonnen Arzneimittel und knapp 1 Tonne Pflanzenschutzmittel den Rhein hinunter. Diese knapp eine Tonne kommt nicht allein aus der Landwirtschaft, sondern auch vom Gartenbau, der SBB, von Golf und Rasenplätze, von Gemeinden und Kantonen. Der effektive Anteil der Landwirtschaft schätze ich auf maximal 2 Prozent. Was bewirkt die Trinkwasserinitiative bei den übrigen ca. 98 Prozent? Nichts, rein gar nichts.

Thomas Rickenbacher, Präsident Zuger Bauernverband, Cham


Für uns Bäuerinnen und Bauern würde eine Annahme der Trinkwasserinitiative, auch Biobetriebe, unsere Existenzen in Frage stellen, weil nur noch Betriebe Direktzahlungen erhalten, die deren Vorgaben erfüllen würden. Davon sind über 90 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe betroffen. Ich zitiere hier die entscheidendsten Forderungen der Initiative.

Unter dem Absatz 3a des Initiativtextes steht Folgendes: «Der Bund ergänzt das bäuerliche Einkommen durch Direktzahlungen zur Erzielung eines angemessenen Entgelts für erbrachte Leistungen, unter der Voraussetzung eines ökologischen Leistungsnachweises, der die Erhaltung der Biodiversität, eine pestizidfreie Produktion und einen Tierbestand, der mit auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann, umfasst.» Das heisst im Klartext: Es bekommen nur noch Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen, die ihre Nutztiere mit ausschliesslich betriebseigenem Futter versorgen. Kein Heu-, Silo- oder Ergänzungs-Futterzukauf wäre mehr erlaubt. Selbst Nebenprodukte aus Müllereien, Brauereien, Käsereien, die sonst nicht mehr weiter verwertet würden, dürften nicht mehr verfüttert werden. Diese müssten in Biogasanlagen entsorgt werden.

Im Acker-, Reben-, Obst-, Gemüse- und Beerenbau dürften weder natürliche- noch chemische Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten eingesetzt werden, weil natürliche wie chemische Pflanzenschutzmittel unter dem Begriff Pestizide verankert sind.

Die Befürworter der Initiative weichen nun plötzlich vom Originalinitiativtext ab und interpretieren grosse Abweichungen. In den Abstimmungsunterlagen vom 13. Juni liegt aber der Originalinitiativtext zur Abstimmung vor. Und dieser ist verbindlich.

Eine Annahme dieser Initiative würde unseren Selbstversorgungsgrad allgemein, speziell aber bei den Spezialkulten um über 50 Prozent senken, was mit Importen kompensiert würde. Auch die Pestizidfrei-Initiative beinhaltet extreme Forderungen. Die gesamte Schweizer Landwirtschaft müsste auf den Biolandbau umsteigen. Dies ist nicht realistisch, weil der Biomarkt in der Schweiz erst 11 Prozent beträgt.

Darum «herzlichen Dank, liebe Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, für zwei Mal Nein am 13. Juni gegen die extremen Agrarinitiativen.

Roger und Andrea Frei, Menzingen