Leserbrief

Lesergedichte betreffend den Umgang mit der Coronakrise

Urs Perner, Allenwinden
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Niene isch Chilbi u niene isch Tanz / deheime ums Hus um versuret me ganz. I ha mer scho mängisch der Chopf fasch verheit / was ächt no wär zmache, dass Zyt umegeit. Wär gwanet isch z’gumpe und z’tanze, o je / däm düe halt die Süche- Verordnige weh. E jede muess säge, churzwiligs isch’s nit / no bsunders für ledigi, lustigi Lüt. Grad äbe der Sunndig wird eim eso läng / s’Furtgoh isch verbote, u nämlech no sträng. Gsiech eim deno öpper, o weisch de häts gfählt / do müesst me schwär buesse – u-ni ha kes Gäld! Drum blieb i doheime. Ich schicke mi dry / u hoffe dä Jammer gang öppe verby. I bi ja nid einzig, s’trifft anderi o / s’isch ume es gwane – mi zahmet de scho!

Irene Wisler, Zug, mit einem Gedicht ihrer Grossmutter, das diese zur Zeit der Maul- und Klauenseuche vor 100 Jahren verfasst habe.

Was bisher keinem noch gelungen, weder Hitler oder Stalin gar! / Kein böser Feind hat je die Schweiz bezwungen, Helvetien war uneinnehmbar. Dem Gessler trotzten tapfre Mannen, den Habsburgern hielten Helden stand / geschlagen zog der Feind von dannen, keiner je ein Mittel fand. Als Bube hab ich stolz gesungen: Heil dir Helvetia, hast noch der Söhne ja / wie sie Sankt Jakob sah, freudvoll zum Streit. Letzteres wollt’ mir zwar nicht recht gefallen , doch sang ich ‘s laut mit grosser Lust. / Von den Bergen hörte man es widerhallen, wir sangen alle mit geschwellter Brust. Nun kommt ein Winzling angeschwirrt und greift uns an ganz ungeniert. / Hat der Teufelskerl sich wohl verirrt? Sonst hätte er Helvetien doch respektiert! Geschwollen stellt der ungebet’ne Gast sich vor, «Corona» heiss er, sagt er unbescheiden / er weiss wohl nicht, der dumme Tor, Könige können Schweizer schon gar nicht leiden. Zuschlagen tut jedoch und hinterhältig leise, so brutal erlebten wir das noch nie / der China Sprössling auf fatale Weise und zwingt den stärksten Mann jetzt in die Knie. Einen Feind, den man von Auge gar nicht sieht, der in unserem Körper hockt und uns verhöhnt / der das Tageslicht scheut und flieht, nein, das sind wir Schweizer nicht gewöhnt. Man fühlt sich wie das Mäuslein vor der Schlange, oder wie ein Sünder vor Gericht / jedem ist es Angst und Bange: «Hoffentlich erwischt das Biest mich nicht!» Wie könnt’ ich mich am besten schützen? Setz ich eine Maske vors Gesicht? / Würde eine Flucht was nützen? Oder hilft auch das mir nicht? Ja, verzwickt ist unsre Lage, Was ist zu tun? fragt man sich in einem fort / die Antwort ist nicht leicht, ganz ohne Frage, da ergreift der Bundesrat das Wort. «Hört gut zu, ihr Eidgenossen, es ist mein Befehl», so ruft er aus / «seid nicht verzagt oder gar verdrossen, vor allem aber: «Bleibt zu Haus!» Unsere Antwort lautet, und dies nicht nur so von ungefähr, denn Gemeinschaftssinn ist doch im Schweizerherz vorhanden / wenn der Befehl noch so einschneidend wär, militärisch knapp: «verstanden!» So hockt nun jeder halt in seinem Bau, draussen kann man ja nicht viel versäumen / eindringlich ermuntert mich drum meine Frau, die Zeit zu nutzen, um mein Büro aufzuräumen. Kein Zyschtigsstamm, kein Freitagsjass soll mich vom Werk abhalten / auf die Dauer macht’s jedoch nur mässig Spass, könnt meine Zeit auch anders noch gestalten. Die Bude räumen, das ist schön und gut, doch zwischendurch muss auch mal Pause sein. / Auch hab ich Freiheitsdrang in meinem Blut, brauch frische Luft und Sonnenschein. Unser Reduit ist das Hürital, weit weg und abgeschieden. / Erholungswert dort optimal – vom Virus (hoffentlich) gemieden. Gegen Abend fahren wir dorthin. Ja, heimlich, ganz verstohlen / Gemäss Bundesrat liegt das knapp noch drin, «Das Virus aber soll der Teufel holen!»