Leserbriefe
Lesermeinungen zu den Agrarinitiativen

Zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 13. Juni

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Auf unserem Landwirtschaftsbetrieb betreiben wir vorwiegend Vieh- und Milchwirtschaft sowie Ackerbau. Unser zweites Standbein ist der Verkauf von verschiedenen Produkten ab unserem Hofladen. Die Nachfrage ist enorm, und wegen Corona sogar noch zunehmend. Unsere Devise, frisch, gesund und beste Qualität, wird von unserer Kundschaft geschätzt. Mit den Vorgaben der Trinkwasserinitiative würde unser Betrieb massiv eingeschränkt, beim Pflanzenschutz wie auch beim Futterzukauf. Beides wäre nicht mehr möglich, um Direktzahlungen zu erhalten. Unsere Freiland-Legehennen-Haltung, in die wir viel Geld und Idealismus investiert haben, müssten wir aufgeben. Damit unsere Milchkühe gesund bleiben, brauchen sie eine ausgewogene Fütterung. Mit einem angemessenen Anteil Ergänzungsfutter, das wir zukaufen müssen, können wir dies ausgleichen.

Ohne Direktzahlungen ist unser Betrieb in seiner Existenz bedroht. Die Pestizid­verbotsinitiative würde uns zwingen, auf Bio umzustellen, was gesamtbetrieblich eine grosse Herausforderung ist, zudem ist der nötige Markt nicht vorhanden. Der Biomarktanteil beträgt lediglich 11 Prozent.

Wir danken euch für ein doppeltes Nein.

Vital und Sandra Bircher, Hünenberg


Für uns Bäuerinnen und Bauern würde eine Annahme der Trinkwasserinitiative unsere Existenzen – auf Biobetrieben– in Frage stellen, weil nur noch Betriebe Direktzahlungen erhielten, die deren Vorgaben erfüllen würden. Davon sind über 90 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe betroffen.

Wir zitieren hier die entscheidendsten Forderungen der Initiative. Unter dem Absatz 3a des Initiativtextes steht Folgendes: «Der Bund ergänzt das bäuerliche Einkommen durch Direktzahlungen zur Erzielung eines angemessenen Entgelts für erbrachte Leistungen, unter der Voraussetzung eines ökologischen Leistungsnachweises, der die Erhaltung der Biodiversität, eine pestizidfreie Produktion und einen Tierbestand, der mit auf dem Betrieb produziertem Futter ernährt werden kann, umfasst.» Das heisst im Klartext: Es bekommen nur noch Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen, die ihre Nutztiere mit ausschliesslich betriebseigenem Futter versorgen. Kein Heusilo oder Ergänzungsfutterzukauf wäre mehr erlaubt. Selbst Nebenprodukte aus Müllereinen, Brauereien, Käsereien, die sonst nicht mehr weiter verwertet würden, dürften nicht mehr verfüttert werden, sie müssten in Biogasanlagen entsorgt werden.

Im Acker-, Reben-, Obst-, Gemüse- und Beerenbau dürften weder natürliche noch chemische Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten eingesetzt werden, weil natürliche wie chemische Pflanzenschutzmittel unter dem Begriff Pestizide verankert sind.

Die Befürworter der Initiative weichen nun plötzlich vom Originalinitiativtext ab und interpretieren grosse Abweichungen. In den Abstimmungsunterlagen liegt aber der Originalinitiativtext vor. Und dieser ist verbindlich.

Eine Annahme dieser Initiative würde unseren Selbstversorgungsgrad allgemein, speziell aber bei den Spezialkulten, um über 50 Prozent senken, was mit Importen kompensiert würde. Auch die Pestizidfreiinitiative beinhaltet extreme Forderungen. Die Landwirtschaft müsste auf den Biolandbau umsteigen. Dies ist nicht realistisch, weil der Biomarktanteil in der Schweiz erst 11 Prozent beträgt.

Darum herzlichen Dank für zweimal Nein.

Roger und Andrea Frei, Menzingen