Leserbrief

Lesermeinungen zu den Massnahmen in Sachen Covid-19

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Als einziger Kanton der Schweiz sieht die bürgerliche Mehrheit in Zug die Antwort auf die drohende Wirtschaftskrise in einer Steuersenkung. Dabei profitieren natürlich diejenigen überproportional, welche am wenigsten unter der aktuellen Krise leiden, finanziell jedoch sehr gut dastehen. Gerade in Zeiten der Krise sollten wir über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Viele Kantone und Gemeinden erwarten Mindereinnahmen aufgrund der Coronakrise. Ein angeheizter Steuerwettbewerb schadet hier noch zusätzlich. Aber auch den Zuger KMU’s nützt diese Steuersenkung wenig. 63 Prozent der Zuger Unternehmen bezahlen heute keine Steuern und sparen somit auch keine weiteren Steuergelder. Ökonomisch sinnvollere Massnahmen wie ein Gewerbegutschein für alle Zugerinnen und Zuger von 120 Franken lehnte der Kantonsrat jedoch ohne tief greifende Diskussion ab. Auch für anständige Löhne des Pflegepersonals gibt es kein Geld. Bleibt wenigstens zu hoffen, dass immerhin der Antrag auf eine Volksabstimmung eine Mehrheit findet, denn die Bevölkerung sollte das letzte Wort haben.

Luzian Franzini, Kantonsrat ALG, Zug


Die Zuger Regierung konnte für das Jahr 2019 einen Überschuss von über 175 Millionen Franken ausweisen. Für das laufende Jahr wird mit einem Rekordergebnis gerechnet. Und trotz dieser komfortablen finanziellen Situation verweigern Regierung und Kantonsrat finanzielle Beiträge, um Menschen zu unterstützen, welche von der Coronapandemie überaus hart getroffen wurden. Die Schaffung eines Pandemiefonds wurde zurückgewiesen und einem Beitrag an die Glückskette für die Bewältigung der Pandemiefolgen wurde ebenfalls nicht zugestimmt. Hingegen wurde eine Steuersenkung von 2 Prozent für die nächsten 3 Jahre bewilligt. Die Reichen und Superreichen werden es mit Freude zur Kenntnis genommen haben.

Für die Mehrheit der Zugerinnen und Zuger sind diese unsensiblen politischen Entscheide nicht nachvollziehbar und lassen jegliche Solidarität vermissen.

Bei der Rückweisung des Antrags, dem Pflegepersonal einen Bonus für die hervorragenden Leistungen zu bezahlen, entziehen sich bürgerliche Politikerinnen und Politiker in Regierung und Kantonsrat ihrer Verantwortung. Schliesslich ist der Kanton für die Spitalversorgung zuständig und könnte z. B. als Aktionär des Zuger Kantonsspitals auch Einfluss nehmen auf entsprechende Entscheidungen.

Josef Kaufmann, Rotkreuz


«Des Bürgers erste Pflicht, ist zu brauchen, was vorhanden ist» – so fabulierte vor ziemlich genau 40 Jahren ein Cabaret unter der Leitung von Cäsar Rossi, damals Chefredaktor der Zuger Nachrichten. In Bezug auf die Maskenpflicht könnte diese Aussage aktueller kaum sein. Nennen wir die Vorteile des Masken-Obligatoriums im öffentlichen Verkehr: Die Einhaltung lässt sich leicht kontrollieren; es entsteht ein solider Absatzmarkt für die nach dem anfänglichen schweizweiten Mangel angehäuften riesigen Vorräte; ausserdem trifft es vor allem die Schwächeren und nicht jene Leute, die am liebsten von den Restriktionen reden. Schon etwas anders sieht es dann allerdings aus, wenn man das Vorhandensein von Schutzmaterial und die Qualität der Toiletten im Bereich des ÖV unter die Lupe nimmt.

Nichts gegen die Anwendungen im Medizinal- und Kosmetik-Bereich, wo man schon in Vor-Corona-Zeiten oft mit Masken gearbeitet hat. Auch war wohl die Einführung der Maskenpflicht bei unvermeidlichen engen Massenansammlungen richtig. Aber daneben bezweifelt der Titelkommentar von Patrik Müller den effektiven Nutzen einer pauschalen Maskenpflicht völlig zu Recht. Das «Grundsätzliche» (Zitat) müsste sich viel mehr in andern Bereichen stellen. Dazu nur ein Beispiel: Seit wenigen Tagen wissen wir aus direkter Erfahrung, dass erste Erfolge bei der Coronabekämpfung im Inland durch Neu-Importe aus ausländischen Krisengebieten gleich wieder zunichtegemacht werden. Eigentlich wollen wir doch aus der Dauerkrise wieder hinauskommen. Warum vergeuden wir dann die Steuergelder für einen Flugverkehr, den es in der Vor-Corona-Form wohl nie mehr geben wird?

Es mag sein, dass der Mundschutz die Mitfahrer veranlasst, sich weniger ins Gesicht zu greifen, beispielsweise, um in der Nase zu grübeln, an den Fingernägeln zu kauen oder die Mitesser auszudrücken. Aber das gilt genau so gut für jene, welche im Strassenstau oder in der VIP-Lounge über Gott, die Welt, den Verkehrsdienst und die Polizei schimpfen. Da redet interessanterweise niemand von einem obligatorischen Mundschutz. Und mindestens gleich weit davon entfernt sind erst recht jene Politiker, welche nicht viel mehr als heisse Luft zum Mund herauslassen.

Jürg Röthlisberger, Cham