Leserbrief

Lesermeinungen zum Gegenentwurf zur Velo-Initiative

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 23. September über die Velowege sowie die Fuss- und Wanderwege

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Verkehrsforscher Alexander Erath stellt im Interview («Zuger Zeitung» vom 3. September) fest, dass die Schweiz noch ein Veloentwicklungsland ist. Es fehlen lückenlose Velowegnetze, welche Komfort und Sicherheit bieten und auch die Pendler animieren, kurze Strecken per Fahrrad zurückzulegen. Velofahren ist effizient, gesund und umweltfreundlich. Ein hoher Anteil von Velos am Verkehr ist ein wichtiger Beitrag für lebenswerte und attraktive Siedlungsgebiete im Kanton Zug und eine konkrete Massnahme, um die steigende Mobilität mit konkreten Massnahmen in die richtigen klimapolitischen Bahnen zu lenken. Mit der Zuger Velonetz-Initiative fordern die Alternativen-Grünen im Kanton Zug eine Verbesserung der heute ungenügenden Situation. In der Gemeinde Risch stehen im Rahmen der Umsetzung des Gesamtverkehrskonzeptes ebenfalls Massnahmen an, die den Langsamverkehr für Fussgänger und Velofahrer fördern sollen, jedoch nur mit untergeordneter Priorität. Hingegen soll mit einem neuen Autobahn-Halbanschluss bei der Buonaserstrasse die Situation für den motorisierten Verkehr verbessert werden. Unsere Petition mit bereits gegen 500 Unterschriften steht diesem Vorhaben entsprechend kritisch gegenüber. Wir wollen keine Attraktivitätssteigerung für den Fahrzeugverkehr und keinen Mehrverkehr, der das Dorfzentrum zusätzlich belastet. Schade, verpasst es die sich als innovativ gebende Gemeinde Risch, hier konkret in nachhaltiger Weise einen Beitrag zu leisten, damit klimapolitische Ziele auch auf lokaler Ebene besser gefördert werden. Auch Sie als Wählerin und Wähler entscheiden, wie die Zukunft in diesen Sachthemen gestaltet werden soll.

Roger Gwerder, Gemeinderatskandidat Grüne, Rotkreuz


Am 23. September stimmen Volk und Stände darüber ab, ob Velowege in der Verfassung verankert werden sollen oder nicht. Der Ursprung des Anliegens findet sich in der sogenannten Velo-Initiative, welche zu Gunsten eines direkten Gegenvorschlags zurückgezogen worden ist. Die Vorlage ist aus zwei Gründen abzulehnen.

Erstens sind bis heute Velowege grundsätzlich Sache der Gemeinden und Kantone. Dies soll auch so bleiben. Die Gemeinden und die Kantone kennen die Bedürfnisse der Bevölkerung am besten und sind viel eher in der Lage, die richtigen Lösungen vor Ort zu erarbeiten.

Der Bund müsste neu bei seinen Aktivitäten Rücksicht auf die Velowege nehmen, die Grundsätze der Velowege regeln, und kann die Massnahmen finanziell unterstützen. Und genau da liegt das zweite Problem der Vorlage. Mit dem Veloartikel wird eine neue Grundlage geschaffen, welche völlig unvorhersehbare Kosten nach sich ziehen wird. Der Berner Verwaltungsapparat wird vergrössert werden – lustig für eine kleine Armee neuer Beamter – weniger lustig für den Steuerzahler.

Ein Nein zu dieser Vorlage soll überhaupt nicht als Nein zum Velo an sich verstanden werden, sondern als Votum für eine vernünftige Kompetenzregelung. Bern hat schon genug Beamte.

Roman Küng, Gemeinderatskandidat SVP, Zug


Sind Sie auch schon mit dem Velo Richtung Uri gefahren? Auf den beiden nationalen Routen 3 und 4, welche beide der Axenstrasse entlang führen. Sie haben richtig gelesen: Es gibt nationale Velorouten. Sie werden aber nicht wie die Nationalstrassen oder nationale Wanderrouten vom Bund geplant und koordiniert, sondern von den Kantonen.

Daher ist es auch möglich, dass vor einer Weiterfahrt von Brunnen nach Flüelen mit einem Schild gewarnt wird, da diese als sehr gefährlich eingestuft wird. Man rät den Velofahrern, den Zug zu nutzen. Der Grund: Es gibt zwischen Brunnen und Sisikon weder einen Radweg noch einen Velostreifen. Da zwischen Brunnen und Sisikon der Kanton Schwyz für die Planung zuständig ist, Sisikon aber keine Gemeinde des Kantons Schwyz ist, wird auf eine Veloverbindung verzichtet. Die Folge ist, dass eine der schönsten Routen für die Velofahrer nur unter grossen Gefahren befahren werden kann.

Mit der Annahme des Gegenvorschlags zur Velo-Initiative würde dieser Planungsnotstand behoben, da neu mit der Planung nicht zwischen den letzten Dörfern zu den Kantonsgrenzen mit der Velonetzplanung aufgehört wird, da die Routenplanungen national koordiniert werden.

Dass es für das nationale Velonetz etwas bringt, zeigt das Beispiel Wanderwege. Diese werden auch auf Bundesebene geplant.

Daher stimme ich am 23. September Ja zum Gegenvorschlag der Velo-Initiative, damit ich auch zwischen Walchwil und Arth meine Seerundfahrt sicher geniessen kann.

Philipp Kissling, für den Vorstand des VCS Kanton Zug, Zug