Leserbrief
Lesermeinungen zum neuen Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur kantonalen Abstimmung vom 24. November in Zug

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Der Abbruch des Hotels Hirschen 1959 war nicht einfach ein Unfall, sondern er sollte der Anfang einer zeitgemässen «Sanierung» der ganzen Zeughausgasse sein. Die zum Teil namhaften, an der Idee beteiligten Zuger Persönlichkeiten erschraken dann aber ab der heftigen Reaktion der Bevölkerung, als diese das neue Haus Zentrum zum ersten Mal richtig wahrnahm. Nicht etwa den Respekt vor dem gewachsenen organischen Kern der Altstadt von Zug hat die Siedlung bis heute mehr oder weniger sehenswert erhalten, sondern ihre topografische Lage am See. Die Entstehung der Neugasse ab 1478 und in der Folge der Ausbau des Stadtgrabens zur Grabenstrasse im 19. Jahrhundert bestimmten die bis heute wichtigste Verbindung Nord-Süd bergseits, ausserhalb der inneren Altstadt.

Hätten die Zuger ab 1478 diese neue Strasse von der damals immer noch wichtigen Vorstadt via Landsgemeindeplatz in die Altstadt zum Kaufhaus und der Sust an der heutigen Altstadt Untergasse geführt, wären als sofortige Folge, aber auch noch später, reihenweise Bauten in der alten Stadt abgebrochen worden. Ein Hauptgrund der 1478 ausgeführten Strasse war sicher der Standort des Zytturmtores und des Zollgebäudes sowie das unbebaute Gelände nördlich vor der Stadt. Auch das Geld dürfte damals schon eine Rolle gespielt haben, denn die ausgeführte Lösung war sicher viel billiger als eine Streckenführung quer durch die alten Gassen. Immerhin existiert aber eine Projektskizze von nach 1900, die eine schräg von der Vorstadt/Seestrasse zum Kolinplatz führende Strasse vorgesehen hätte. In den 1960er-Jahren entstand zudem die Idee, eine neue Häuserzeile seeseitig vor der Altstadt am Seeufer zu bauen und noch zuvor, noch im 19. Jahrhundert, wurde kurzzeitig die Trassenführung der Gotthardbahn an derselben Stelle, am Seeufer entlang, studiert.

Noch in den 70er- und frühen 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurden in der inneren und äusseren Altstadt Häuser abgebrochen und durch totale Neubauten ersetzt, oder dann komplett ausgehöhlt. Erst die erstarkende Denkmalpflege konnte allmählich eine potemkinsche Kulissenstadt verhindern. Wer nun glaubt, unsere Altstadt sei nicht mehr gefährdet, der liegt falsch. Es ruhen durchaus massive Projekte in verschiedenen Schubladen, wie zum Beispiel über mehrere Häuser durchgehende Luxuswohnungen und Ähnliches, die bloss darauf warten, dass die Denkmalpflege zur zahnlosen Zuschauerin degradiert wird. Deshalb ein klares Nein zum neuen Gesetz, das genau diese «Entmachtung» des Amtes gesetzlich verankern will.

Toni Hofmann, Zug


Der Kanton Zug hat einige Baudenkmale, die unumstritten geschützt sind und der Nachwelt so erhalten bleiben. Der Charakter unserer Heimat hängt aber nicht nur von ein paar wenigen Denkmalen ab, sondern ist ein Gefüge von verschiedenen erhaltenswerten Gebäuden, auch solchen aus der Nachkriegszeit. Wenn wir für die Zukunft möglichst energieeffiziente Gebäude bauen und unterhalten wollen, dürfen wir den Bestand nicht vergessen. Nachhaltigkeit widerspiegelt sich in verschiedenen Faktoren wie Energieverbrauch, Herstellungsenergie und guter Gestaltung, welche einem Gebäude ein langfristiges Bestehen gewährleisten kann. Damit dies auch in Zukunft sichergestellt bleibt, brauchen wir den Dialog mit einer gestärkten Denkmalpflege, den Dialog mit der Denkmalkommission und die Möglichkeit, auch in Zukunft gute Architektur zu schützen. Darum braucht es ein klares Nein.

Judith Kneubühl, Energieberaterin Kanton Zug, Maschwanden