Leserbrief

Lesermeinungen zum Vaterschaftsurlaub

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 27. September

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Es ist offenkundig, die Veränderungen in unserer Gesellschaft führen auch zu einem Strukturwandel der Familie. Als Beispiele sind zu nennen die Arbeitsteilung der Eltern in Beruf, Kinderbetreuung und Haushaltführung, das Entstehen neuer Familienformen, das aktuelle und immer wieder diskutierte Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf etc. Dieser Entwicklung ist durch die Schaffung entsprechender Strukturen – wie durch Unterstützung der Kinderdrittbetreuung und Gewährung eines Vaterschaftsurlaubes – Rechnung zu tragen. Die Familie– als Gemeinschaft – wird dadurch gestärkt, erhält einen Mehrwert.

Die höheren Steuerabzüge für die Kinderkosten (Abzug für die Drittbetreuung und der allgemeine Kinderabzug) bringen für die Mehrheit der Familien in der Schweiz eine finanzielle Entlastung, insbesondere für den Mittelstand. Den Eltern steht vom Einkommen mehr für die familiären Aufgaben zur Verfügung. Bei der Annahme der Vorlage über den Vaterschaftsurlaub haben alle erwerbstätigen Väter nach der Geburt ihrer Kinder Anspruch auf zehn freie Arbeitstage. Durch die Mitwirkung des Vaters werden die Mutter und das Kind gut betreut und erholen sich schneller von der Geburt. Es ist eine zeitgerechte und massvolle Lösung.

Der Vorstand CVP60+ Kanton Zug hat Vertrauen in die jungen Familien und empfiehlt der Stimmbürgerin und dem Stimmbürger, am 27.September ein Ja bei diesen zwei Vorlagen einzulegen.

Maria-Pia Kuhn-Schelbert, Präsidentin CVP60+ Kanton Zug


Die Kinderbetreuungskostenvorlage ist kein Etikettenschwindel, wie das die Grünliberale Tabea Estermann behauptet. Der Etiketten- schwindel liegt eher bei den Grünliberalen, die rein etatistisch argumentieren. Es ist irritierend, dass eine selbst ernannte liberale Partei sich primär um die Steuerausfälle des Staates sorgt.

Der Nutzen der Vorlage liegt doch darin, dass durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie unsere Volkswirtschaft profitiert, wenn es beiden Elternteilen ermöglicht wird, zu arbeiten. Familie und Zufriedenheit im Job und bei der Kinderbetreuung sollen im Vordergrund stehen, nicht eine abstrakte Zahl mutmasslicher Steuerausfälle. Ich stimme überzeugt Ja zur Vorlage.

Roland Staerkle, Präsident Gewerbeverband Kanton Zug


Mir fällt eine etwas merkwürdige Logik bei den Befürwortern des Vaterschaftsurlaubes auf: Eine «gute Beziehung zum Kind aufzubauen», steht ganz vorne bei den Argumenten für eine Annahme der Vorlage, und eine grosse Zahl der Befürwortenden ist sich zudem einig, dass der Vaterschaftsurlaub sogar noch länger dauern sollte.

Gleichzeitig gibt es seit Jahren – von gleicher Seite– den Ruf nach einem staatlich bezahlten Krippenplatz für jedes Kind. Behauptet wird auch, dass nach einer längeren Abwesenheit vom Arbeitsplatz eine Integration in den Arbeitsprozess kaum mehr möglich sei. Ja was denn jetzt? Zwei Wochen oder länger eine gute Beziehung zum Neugeborenen aufbauen und dann «ab in die Krippe», um diese Beziehung gleich wieder (staatlich finanziert) abzubauen?

Integration in den Arbeitsprozess ist nach Abwesenheit im «traditionellen» Familienmodell kaum möglich, nach einem Monate dauernden «Elternzeitmodell» aber problemlos machbar? Überzeugend ist eine solche Denkweise nun wirklich nicht.

Ausserdem steht es jedem frisch gebackenen Papi frei, zwei Wochen Ferien zu nehmen, wenn das der Familie wichtig erscheint. Oder ist das Baby nur dann Ferien wert, wenn jemand anderes dafür zahlt?

Dazu stehen wir in Zukunft (erst recht nach Corona) vor der grossen Herausforderung, AHV, IV, sowie die Arbeitslosenversicherung zu sanieren. Da wird jeder Arbeitnehmer bluten müssen.

Ziehen wir also der arbeitenden Bevölkerung nicht noch mehr Geld als nötig aus der Tasche und sagen Nein zum unnötigen Vaterschaftsurlaub!

Roland Küng, Gemeinderat SVP, Zug