Leserbrief

Lesermeinungen zum Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur kantonalen Abstimmung über das Gesetz über Denkmalpflege, Archäologie und Kulturgüterschutz vom 24. November

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Es gibt Gesetzesvorlagen, bei denen man als Berufsmann sofort weiss, dass sie im Alltag funktionieren werden. So ergeht es mir mit dem neuen Zuger Denkmalschutzgesetz. Ich sage als Unternehmer im Bereich Haustechnik Ja zu dieser Vorlage, weil sie schlicht und einfach vernünftig ist.

Als Baufachmann setze ich mich mit meinem KMU dafür ein, dass die Eigentümer eines geschützten oder schützenswerten Gebäudes bei Sanierungen energetisch sinnvolle und benutzerfreundliche Lösungen ausführen dürfen. Dies fällt besonders ins Gewicht, wenn grosse und im Auge des Normalbürgers hässliche Überbauungen aus den 60er- und 70er-Jahren geschützt werden sollen, was im Kanton Zug von der Denkmalpflege gefordert wird.

Aber halt! Keine rechte Isolation, kein Lärmschutz und dann wird Optimierung quasi verboten? Das kann ich nicht verstehen, und die Wähler, welche sich vor 10 Tagen für eine so viel grünere Schweiz aussprachen, müssten mir zustimmen!

Hausbesitzende sollen möglichst frei über ihr Eigentum entscheiden können. Ich bin froh, dass das neue Gesetz da mehr Sachlichkeit schafft.

Zudem werden die Eigentümer im neuen Gesetz viel früher in den Prozess der Unterschutzstellung eingebunden als bisher.

Schützen wir, was für die Bevölkerung nachvollziehbar schützenswert ist – mit einem Ja zum verbesserten Zuger Denkmalschutzgesetz.

Emil Schweizer, Kantonsrat SVP, Neuheim


Ich möchte erwähnen, dass die Vorlage zum Denkmalschutz mich überzeugt, weil:

Schützenswertes wird wirklich geschützt und langfristig erhalten, die Anliegen der betroffenen Eigentümerinnen und Standortgemeinden respektiert werden, ein massvoller Umgang hinsichtlich des Denkmalschutzes im Kanton Zug sichergestellt wird, eine angemessene Lösung für Betroffene und Behörden geschaffen wird und genügend finanzielle Mittel für die echten Denkmäler zur Verfügung stehen.

Ich finde Schützenswertes schützen, aber mit Mass:

Das neue Gesetz ermöglicht, an geschützten Gebäuden Anpassungen an die heutigen Wohn- und Lebensformen sowie die aktuellen Baunormen vorzunehmen und gleichzeitig den historischen Charakter beizubehalten. Themen sind behindertengerechtes Wohnen, heutige Innenraumkonzepte, Energiestandards und Brandschutznormen.

Die direkt Betroffenen sollen mitsprechen können:

Mit der Vorlage wird das Instrument des öffentlich-rechtlichen Vertrages im Zuger Denkmalschutzgesetz verankert. Dieser Vertrag zwischen Amt und Eigentümerschaft ermöglicht es, betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern ihre Anliegen, Bedürfnisse und Interessen von Anfang an einzubringen und zusammen mit den Behörden und Baufachleuten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen eine optimale Lösung zu realisieren. Der öffentlich-rechtliche Vertrag wird bereits im Kanton Zürich mit positiven Erfahrungen praktiziert.

So wird sichergestellt, dass geschützt wird, was schützenswert ist.

Eine faire Lösung für alle: Die Vorlage ist ein ausgewogener Mittelweg, welcher sowohl die Bedürfnisse der betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer, der Standortgemeinden als auch das öffentliche Interesse optimal abdeckt.

Mario Reinschmidt, Kantonsrat FDP, Steinhausen


Mir fällt auf, dass in der laufenden Diskussion zum revidierten Denkmalpflegegesetz für dessen Annahme unter anderem zwei Argumente herhalten müssen: Die Reduktion des energetischen Verbrauchs und eine hindernisfreie Zugänglichkeit sollen die Nichtunterschutzstellung von Altbauten legitimieren. Beide Anforderungen sind sehr lobenswert und von mir unbestrittene Ziele in einem Planungsvorhaben.

Erst unser heutiger Anspruch an den Wohnkomfort bringt die Energiebilanz denkmalgeschützter Bauten in Schieflage. In absehbarer Zeit können wir den Energieverbrauch der Häuser statt mit dicken Wärmedämmungen reduzieren neu mit CO2-neutralen Wärmeerzeugern, z.B. Eiskernspeichern (welchen wir demnächst bei einem Objekt realisieren werden) ausstatten.

Warum kann in einem Denkmalschutzobjekt nicht auch der Kachelofen oder Einzelofen wieder aktiviert werden und dem Bewohner ein haptisches Wärmeerlebnis vermitteln?

Der Kanton Zug verfügt über ein schwaches Gesetz zum hindernisfreien Bauen. Bevor wir mit der erforderlichen Hindernisfreiheit von Altbauten dessen Abbruch argumentieren wollen, sollten wir besser sämtliche Neubauten konsequent rollstuhlgängig planen.

Es wäre zielführender und deutlich wirksamer die 96,7 Prozent nicht denkmalgeschützten Bauten sowie sämtliche anstehenden Neubauten CO2-neutral und hindernisfrei zu sanieren und zu bauen!

Deshalb empfehle ich ein Nein zum unnötig strapazierten revidierten Denkmalpflegegesetz.

Patrick Röösli, dipl. Architekt FH SIA, Zug


Nach dreissig Jahren schickte man das Denkmalschutzgesetz zum Zahnarzt. Statt ihm die Zähne zu pflegen, riss ihm dieser alle aus. Schlechter Zahnarzt! Armes Gesetz! Deshalb: Nein zum Denkmalschutzgesetz.

Josef Grünenfelder, Cham