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Leserbrief

Lesermeinungen zum Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur kantonalen Abstimmung über das Gesetz über Denkmalpflege, Archäologie und Kulturgüterschutz vom 24. November

Man hört dieser Tage immer wieder, dass das neue Zuger Denkmalschutzgesetz den Denkmalschutz abschafft. Dies ist unwahr. Das neue Gesetz schützt wertvolle Zeitzeugen der Zuger Baugeschichten so wirksam wie eh und je. Wer zudem eine geschützte Liegenschaft sorgsam pflegt, bekommt in Zukunft sogar noch mehr Beiträge vom Staat: Neu werden statt 30 volle 50 Prozent der Werterhaltungskosten vom Kanton und den Gemeinden mitfinanziert. Ein Segen für Hauseigentümer ohne dickes Portemonnaie.

Schluss macht das neue Denkmalschutzgesetz nur mit der grossflächigen Unterschutzstellung nach dem Giesskannenprinzip. Dadurch steht unterm Strich mehr Geld für die echten Denkmäler zur Verfügung. Deshalb wünsche ich mir am 24. November ein deutliches Ja zu dieser ausgewogenen Vorlage.

Ralph Ryser, Kantonsrat SVP, Unterägeri

In jeder Generation entstehen Gebäude welche keine besonderen, erhaltenswerte Eigenschaften aufweisen. Solche 0815-Bauten brauchen keinen Denkmalschutz. Sie können jederzeit eliminiert werden, ohne dass ihnen jemand nachtrauert. Anderseits entstehen aber auch immer wieder Bauwerke, welche den Zeitgeist darstellen und das Ortsbild prägen. Genau diese Bauten müssen geschützt werden. Darum ist die Definition mit der Altersgrenze: «Objekte die jünger als 70 Jahre alt sind und keine regionale oder nationale Bedeutung haben, können nicht mehr gegen den Willen der Eigentümerschaft unter Schutz gestellt werden» unzulässig. Hier würde man den Spekulanten Tür und Tor öffnen. Dafür hat man ihn wahrscheinlich auch geschaffen. Überall dort wo es rentiert, würden erhaltenswerte Bauwerke ohne Abklärung der Schutzwürdigkeit zerstört. Gebäude gehören zwar dem Eigentümer, aber durch Ihre Erscheinung optisch auch der Allgemeinheit und tragen zur Identität des Ortsbildes und damit zum vermittelten Heimatgefühl für die Bevölkerung bei. Ein solcher Passus mit einer Altersangabe ist absurd und gehört nie und nimmer in ein Denkmalschutzgesetz. Nur schon deswegen stimme ich Nein zum neuen Denkmalschutzgesetz.

Heinz Gross, Zug


Das unbebaute Land wird knapper. Der Ruf nach innerer Verdichtung wird lauter. Der Druck auf bebautes Wohngebiet wird immer stärker.

Wenn wir zumindest Teile unserer kostbaren Baukultur für uns und kommende Generationen bewahren wollen, müssen wir den vom Kantonsrat verwässerten und wirkungslosen Gesetzesentwurf ablehnen. Wir können das besser. Wir haben ein wirkungsvolles, griffiges Denkmalschutzgesetz verdient.

Martin Spillmann, Zug


Am 24. November entscheiden wir an der Urne über das zukünftige Denkmalschutzgesetz. Als Kantonsrätin habe ich bei der Beratung im letzten Jahr diesem Gesetz zugestimmt. Voraus ging ein jahrelanges Hin und Her mit Interpellationen und Motionen betreffend des Denkmalschutzes. Es ist ein gut durchdachtes Gesetz. Wir verlieren deswegen unsere Identität nicht, wie von der Gegnerschaft behauptet. Alle Objekte von regionaler Bedeutung stehen nach wie vor unter Schutz. Mit einem Ja stimmen Sie für klarere Regeln beim Denkmalschutz und für mehr Dialog mit den Hauseigentümern.

Gemeinden und Hauseigentümer werden in Zukunft bei Unterschutzstellungen vom Amt für Denkmalschutz nicht mehr nur «angehört», sondern erhalten erstmals ein echtes Mitspracherecht. Zudem werden bürokratische Hürden abgebaut. Es entsteht Raum für kluge und behutsame Weiterentwicklung historischer Bausubstanz.

Man kann es auch anders ausdrücken. Das neue Zuger Denkmalschutzgesetz setzt auf Konsens, auf Zusammenarbeit, auf massvolle Lösungen. Damit sind wir im Kanton Zug schon immer gut gefahren. Deshalb sage ich am 24. November an der Urne Ja.

Alice Landtwing, alt Kantonsrätin FDP, Zug


Jürg Röthlisberger erwähnt in seinem Leserbrief die Kirche Oberwil. Was er über diese schreibt, entspricht nicht der Wahrheit:

Die Kirche Oberwil wurde bereits vor ca. 25 Jahren unter Schutz gestellt und kann nicht abgerissen werden. Das Unterschutzstellungsverfahren erfolgte damals in guter Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Horat, Amt für Denkmalschutz, auf die Bedürfnisse der Katholischen Kirchgemeinde wurde eingegangen. Leider war dies in den vergangenen Jahren nicht mehr so. Das Amt für Denkmalschutz hatte «diktatorisch» Verfügungen erlassen. Ich machte die gleichen Erfahrungen, wie es Georg Stucki in seinem Leserbrief beschrieb.

Dies ist der Grund, warum wir über eine Revision des Denkmalschutzgesetzes abstimmen. Machen wir wieder eine Verhandlung zwischen Eigentümer und Amt für Denkmalschutz auf Augenhöhe möglich und legen am 24. November ein Ja in die Urne.

Fritz Weber, alt Kirchenrat, Oberwil


Das neue Denkmalschutzgesetz verdient diesen Namen nicht! Es schützt – wie ein Blick auf die Mitglieder der Pro-Komitees zeigt – primär die Interessen der Hauseigentümer und der Bauwirtschaft. Die willkürlich festgelegte Grenze von 70 Jahren, damit überhaupt ein Schutzinteresse bestehen könnte, stellt eine Hürde dar, welche dem Abriss Tür und Tor öffnet – würde der Zytturm mit dem neuen Gesetz heute noch stehen?

Über das Argument, dass das neue Denkmalschutzgesetz die Schaffung von günstigem Wohnraum fördere, kann ich nur lachen. Nicht das aktuell gültige Denkmalschutzgesetz ist am Mangel an günstigem Wohnraum schuld, sondern die verfehlte Steuerpolitik. Mit dieser wurden finanzstarke Neuzuzüger angelockt, was die Bodenpreise explodieren liess. Mitschuld hat auch der Finanzmarkt, welcher die Anleger, insbesondere die Versicherungen und Pensionskassen, vermehrt in den Immobilienmarkt treibt, um mit dem Kauf und der Sanierung von Altbauten gute Renditen zu erzielen.

Ich stimme am 24. November überzeugt Nein zum verschlechterten Denkmalschutzgesetz.

René Windlin, Steinhausen


Heimat und Identität gingen verloren und unser kulturelles Erbe werde zerstört, behaupten die Gegner des neuen Denkmalschutzgesetzes. Von einem Gleichgewicht zwischen den privaten Interessen einer Minderheit und dem öffentlichen Interesse der Bevölkerung könne keine Rede mehr sein.

Beides ist Unsinn. Erstens ist schon heute jedes fünfte Gebäude mit Baujahr 1975 und älter entweder geschützt oder schützenswert, d.h. mit teilweise erheblichen Auflagen versehen.

Es ist bezeichnend, dass diese gewaltige Dimension der bereits bestehenden Unterschutzstellung von den Gegnern in keiner Weise angesprochen wird.

Und was, zweitens, das mangelnde Gleichgewicht zwischen privaten und öffentlichen Interessen angeht: Gerade das geltende Gesetz ist ein ganz krasses Beispiel einer totalen Missachtung von berechtigten privaten Eigentümerinteressen.

Die Direktion des Inneren kann nämlich aufgrund der geltenden Rechtslage ein Objekt ohne jede Mitsprachemöglichkeit des Eigentümers als schützenswert klassifizieren. Er musste früher sogar froh sein, wenn er von der Einleitung eines Verfahrens überhaupt Kenntnis erhielt. Nur so war es möglich, wie in den letzten Jahren passiert, mit dem Rasenmäher durch die Gemeinden zu fahren – mit dem Effekt, dass nun eben jedes fünfte Gebäude mit Baujahr 1975 und älter «eingefangen» ist.

Die Verwaltung hat jeweils argumentiert, dass die Klassifizierung «schützenswert» keine unmittelbaren Folgen nach sich ziehe.

Das stimmt jedoch nur bedingt: Jeder Besitzer eines schützenswerten Gebäudes ist nämlich verpflichtet, noch vor Einreichung eines materiell noch so kleinen Baugesuchs neben allen anderen Bewilligungsverfahren zusätzliche Abklärungen bei der Denkmalpflege vornehmen zu lassen.

Dass dies zu Kosten, zu Terminverzögerungen und zu zusätzlicher Bürokratie führt, liegt auf der Hand. Faktisch handelt es sich um einen rein auf Verwaltungsebene getroffenen systematischen Eingriff in die Eigentumsfreiheit von Liegenschaftsbesitzern und eine programmierte Aufblähung staatlicher Bürokratie.

Das alte Denkmalschutzgesetz atmet den Geist «Guter Staat, böser Bürger», ist unliberal und gehört revidiert.

Unterstützen Sie die revidierte Fassung und stimmen Ja.

Ulrich Bollmann, Oberwil

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