Leserbrief

Lesermeinungen zum Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur kantonalen Abstimmung vom 24. November über das «Gesetz über Denkmalpflege, Archäologie und Kulturgüterschutz (Denkmalschutzgesetz)»

Drucken
Teilen

Die Befürworter des neuen Denkmalschutzgesetzes werben auf ihren Abstimmungsplakaten für ein Ja zum Denkmalschutz mit dem Slogan «Schützen, was schützenswert ist». Auf den Plakaten ist der Zytturm in der Zuger Altstadt abgebildet.

Die Befürworter geben damit klar zu erkennen, welche Objekte für sie schützenswert sind, nämlich der Zuger Zytturm und allenfalls weitere bekannte Wahrzeichen. Geht es nach dem Willen der Befürworter, so sind viele der landschaftsprägenden alten Zuger Bauernhäuser nicht mehr schützenswert, weil sie die verschärften Anforderungen im neuen Denkmalschutzgesetz an eine Unterschutzstellung nicht mehr erfüllen. Das Gleiche gilt auch für die bauhistorisch wertvollen Gebäude in den Ortszentren der Gemeinden.

Wird das neue Denkmalschutzgesetz angenommen, so ist die Gefahr gross, dass traditionelle Gaststätten wie das Restaurant Brandenberg, das Restaurant Freimann oder das Restaurant Bären, alle in Zug, nicht mehr geschützt werden können oder aus dem Schutz entlassen werden müssen. Die Liste von solchen Beispielen – nicht nur von Gaststätten, sondern auch von anderen ortsbildprägenden und historisch bedeutenden Bauten – könnte beliebig fortgesetzt werden. Wer sich in den Zuger Dörfern umschaut, erkennt sofort, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten viele wertvolle Altbauten verschwunden sind und modernen, stillosen Renditebauten Platz machen mussten.

Ein bekanntes Beispiel, dem die Stadtzuger Bevölkerung seit Jahren nachtrauert, ist das Hotel/Restaurant Hirschen in der Altstadt von Zug, das in den 50er-Jahren abgebrochen und durch das Haus Zentrum ersetzt wurde. Das Haus Zentrum ist für viele Zugerinnen und Zuger ein Schandfleck in der Altstadt. Die Zuger Korporation plant nun, mit grossem finanziellem Aufwand das Haus Zentrum abzubrechen und durch einen altstadtgerechten Neubau zu ersetzen. Auch mit teuren Rekonstruktionen können einmalige historische Bauten nicht wiederhergestellt werden. Mit dem neuen Denkmalschutzgesetz würde der Baudruck auf die Altbauten noch grösser, als er es heute schon ist. Wer eine solche Entwicklung verhindern will, muss das neue Denkmalschutzgesetz ablehnen.

Wie bei vielen Gesetzen, so ist auch beim neuen Denkmalschutzgesetz nicht alles schlecht. Die Möglichkeit zur vertraglichen Unterschutzstellung von Gebäuden sowie die höheren Beiträge an die Restaurierung von geschützten Denkmälern sind gute Ansätze. Die Nachteile im neuen Gesetz überwiegen jedoch deutlich, vor allem die erhöhten Anforderungen an die Unterschutzstellung von Gebäuden sowie die Alterslimite von 70 Jahren für den Schutz von Gebäuden. Diese Alterslimite wurde im neuen Gesetz willkürlich festgelegt mit der Folge, dass bei einer Annahme des Denkmalschutzgesetzes Gebäude einer ganzen Zeitperiode, der Nachkriegsarchitektur, nur noch ausnahmsweise geschützt werden könnten. Ein Gesetz, das eine solche Fehlentwicklung zulässt und zudem grosse Rechtsunsicherheiten schafft, muss abgelehnt werden. Deshalb Nein zum neuen Denkmalschutzgesetz.

Paul Baumgartner, Baujurist, Hünenberg


Im Bommerhüttli kehrt wieder Leben ein. Alte Häuser bergen Geschichten – Geschichten machen das Leben so reich. Im erwähnten Bommerhüttli im Hürital lebte das «Bommerhüttli-Anni». Jede Woche hat sie pünktlich wie die Eisenbahn mit dem Kinderwagen von Haus zu Haus ihre Eier ausgetragen. Aus dieser Frau wurde ein Original, welches alle Leute in Unterägeri kannten. Als Erinnerung an dieses Original benennt sich seit über 30 Jahren eine Frauengruppe der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft mit dem Namen dieses Originals: eben das «Bomerhüttli-Ysebäänli».

Schön, dass nun die Korporation Unterägeri hinten im Hürital das leer stehende «Bommerhüttli» renoviert und ihm so wieder Leben einhaucht. Es sollen dort zwei lebenswerte Wohnungen entstehen. Das Haus ist in nahezu ursprünglichem Zustand erhalten. Das Haus ist ein sogenannter «Vielzweckbau» in dem Wohnteil und Wirtschaftsteil unter einem Dach liegen. Dieser Bautyp ist im Kanton Zug eher ein seltener Vertreter. Im Teil der ehemaligen Scheune kann nun ebenfalls eine Wohnung eingebaut werden. Dies ist bei denkmalgeschützten Häusern möglich.

Schön, dass damit die Geschichte des Bommerhüttli-Anni in den Gemäuern ihres Hauses weiterlebt und Menschen dort in diesem geschützten Haus leben können. Ich möchte der Korporation Unterägeri für die Umsetzung ihrer Pläne Dank und Anerkennung aussprechen.

Vielleicht werden bei der Einweihung Ende 2020 noch mehr Geschichten vom Bommerhüttli-Anni bekannt. Geschichten machen das Leben so reich! Damit solche Geschichten um alte Häuser nicht sterben, ist es unsere Pflicht, die wenigen Schutzobjekte zu erhalten.

Darum stimme ich Nein zum missratenen Denkmalschutzgesetz.

Andreas Bossard, alt Stadtrat, Präsident Archäologischer Verein Zug, Oberwil


Mit dem neuen Denkmalschutzgesetz (Dmsg) können wir ja sagen, damit alle mehr mitbestimmen können. Das neue Gesetz sieht vor, dass die Eigentümer und Gemeinden von Beginn an, bereits bei der Inventarisierung, Stellung nehmen können. Ja sie haben richtig gelesen. Das neue Gesetz heisst nicht, dass die geschützten Häuser abgeschafft werden. Nein wir können in Zukunft mitgestalten. Ich glaube, wir alle schätzen unsere alten Häuser, die Geschichten erzählen. Und das wird bestimmt auch weiterhin noch so sein. In Zukunft muss es möglich sein, dass der Eigentümer und die Gemeinden alte schützenswerte Häuser besser nutzen können.

Heute gibt es genug alte geschützte Häuser, die darum nicht richtig genutzt werden oder sogar leer stehen. Das Ziel muss doch sein, dass alle Gebäude, geschützt oder nicht, den heutigen Standards, Normen und Bedürfnissen entsprechend umgebaut werden können. Alle schreien nach verdichten, Häuser dämmen und nicht mehr Land verbauen. Also müssen wir uns auch darum bemühen, dass wirklich alle Häuser benutzt werden. Und wenn die geschützten Häuser bewohnt sind, dann bleiben sie uns auch erhalten. Das geht nun mit dem neuen Dmsg.

Ja es stimmt, heute sind 2,2 Prozent der Häuser im Kanton Zug geschützt. Aber bitte vergessen Sie die Objekte nicht, welche im Inventar sind. Wenn von den rund 1600 inventarisierten Gebäude nur zwei Drittel geschützt werden, dann sind es über 6 Prozent. Der Schnitt in der Schweiz ist bei 3,5 Prozent. Sie denken vielleicht, es werden nicht alle Häuser im Inventar geschützt. Aber dann frage ich sie, wieso sind dann diese im Inventar? Das neue Gesetz bringt den Denkmalschutz auf normale Wege. Darum habe ich Ja gestimmt.

Patrick Iten, Kantonsrat CVP, Oberägeri


Das neue Denkmalschutzgesetz wird die Unterschutzstellung von schützenswerten Gebäuden drastisch reduzieren. Im Kanton Zug sind schon jetzt nur 2,2 Prozent der Gebäude unter Schutz, schweizweit sind es 3,5 Prozent. Gemäss Änderungen im neuen Gesetz werden die Paragrafen 12 und 13 (die Denkmalkommission) aufgehoben. Die Kommission, bestehend aus 7 Mitgliedern, aus Fachleuten aus diversen Branchen, kann sich mehr Gehör verschaffen als irgendeine Behörde. Sie hat sich bis jetzt bewährt und den verantwortlichen Behörden immer gute Vorschläge unterbreitet.

Das Mindestalter von 70 Jahren im neuen Gesetz ist überflüssig und muss aufgehoben werden. Es gibt im Kanton Zug einige Bauten, die weniger als 70 Jahre alt sind aber bereits aus gutem Grunde geschützt sind, wie zumBeispiel die Kirche Bruder Klaus in Oberwil oder die Alpenblick-Überbauung mit mehreren Hochhäusern. Jede Wohnung hat Sicht auf den See und in die Berge. Das war mit ein Grund für die Unterschutzstellung. Der Kantonsrat hat mit dem neuen Gesetz Tür und Tor für gewisse Kreise geöffnet, um Altbauten vermehrt zu entfernen. Aus diesem Grund lehne ich das neue Gesetz ab und lege ein Nein in die Urne.

Urs Rickli Hünenberg See


Die Unterschutzstellung eines Gebäudes als Denkmal war schon immer komplex. Durch die geplante Gesetzesänderung soll es noch komplexer werden. Als Kriterien für die Unterschutzstellung waren schon bislang der wissenschaftliche, der kulturelle und der heimatkundliche Wert zu prüfen. War eines dieser Kriterien in sehr hohem Masse erfüllt, war die Unterschutzstellung grundsätzlich zu verfügen.

Neu sollen zwei dieser Kriterien in äusserst hohem Masse erfüllt sein. Zusammen mit dem geplanten 70-Jahre-Limit stellt diese Erhöhung der Anforderungen an die Unterschutzstellung gesamtschweizerisch ein Unikum dar, d.h. schafft für die Unterschutzstellung Hürden, die es sonst schweizweit nirgends gibt. Ob dies gar gegen übergeordnetes Recht verstossen dürfte, muss an dieser Stelle offenbleiben.

Unverkennbar ist jedenfalls, dass die nach dem geplanten Gesetz geforderte Beurteilung zur Unterschutzstellung von Bauten viel komplexer sein würde als bisher, was den Ruf nach Fachleuten noch lauter werden lässt. Schon nach dem geltenden Recht wurde bei der Prüfung einer Unterschutzstellung nebst dem Fachpersonal der Denkmalschutzbehörde jeweils die kantonale Denkmalschutzkommission beigezogen. Diese ist bzw. war in den Gemeinden und den Fachverbänden bestens verankert und anerkannt. Die erwähnte Beurteilung der Sache durch die Kommission brachte sodann auch für die weiteren beurteilenden Stellen zusätzliche Erkenntnisse. Das im Beschwerdefall zuständige Verwaltungsgericht beispielsweise sah das Objekt dadurch aus einem weiteren Blickwinkel, was seine Urteilsfindung sehr erleichterte. Die Beurteilung der Denkmalschutzkommission führte das Gericht zwar nicht immer zur Bejahung, sondern vereinzelt auch zur Verneinung einer Unterschutzstellung.

Diese Fachkommission soll nun, gleichwohl die Angelegenheit durch die Erhöhung der Anforderungen an die Unterschutzstellung komplexer werden soll, abgeschafft werden? Dies geschieht wohl nach dem Motto: Wird’s komplex, helfen auch Experten nicht weiter. Das kann doch nicht ernsthaft der Wille des Gesetzgebers sein. Das kommt mir vor, wie wenn die Berufsbildungsinstanzen entschieden hätten, die Anforderungen an die Berufs- bzw. Lehrabschlussprüfungen zu erhöhen, gleichzeitig aber den jeweils anwesenden externen Experten nicht mehr beizuladen.

Muten wir dem Regierungsrat zu, künftig in vielen oder gar allen Fachbereichen ohne Fachkommissionen zu entscheiden, überfordern wir ihn. Damit ist sicherlich niemandem gedient. Sodann erscheint dies auch unter dem Aspekt der Demokratie als eher fragwürdig, schafft Unzufriedenheit rundum und führt zu unzähligen zusätzlichen Rechtsfällen.

Felix Gysi, Präsident Zuger Heimatschutz, vormals Verwaltungsrichter, Zug