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Leserbrief

Lesermeinungen zur Abstimmung über das neue Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur kantonalen Abstimmung vom 24. November

Wenn ich das neue Denkmalschutzgesetz lese, entsteht bei mir der Eindruck, dass man eigentlich keinen Denkmalschutz mehr will. Voraussetzung dafür, dass ein Gebäude oder eine Anlage unter Denkmalschutz gestellt werden kann, muss neu nicht nur ein sehr hoher, sondern ein äusserst hoher wissenschaftlicher, kultureller oder heimatkundlicher Wert sein, und dann muss dieser erst noch für zwei der drei im Gesetz erwähnten Kriterien zutreffen. Den Wert unserer Kulturlandschaft macht eine vielfältige Textur von historischen Artefakten aus, vom bescheidenen Dörrhäuschen oder Wegkreuz über ländliche und städtische Einzelbauten und Siedlungen bis zu den Spitzenleistungen im profanen und sakralen Bereich. Das Gesetz blendet völlig aus, dass solche Spitzenleistungen nicht isoliert aus dem Nichts entstanden sind, sondern als Höhepunkte einer breiten Bautradition, die ihnen Basis und Voraussetzung war. Wohin solch elitär gefärbter, auf Denkmalbegriffe des 19. Jahrhunderts zurückgreifender Denkmalschutz führt, kann man in unseren Nachbarländern Frankreich und Italien sehen. Die Super-Kunstdenkmäler, die von Staates wegen als «Monument classé» oder «Monumento nazionale» mit Bravour gepflegt werden – oder auch nicht, wenn das Geld fehlt –, stehen isoliert in einer mehr und mehr verschwindenden Kulturlandschaft. Angesichts der nach wie vor anhaltenden Baukonjunktur ist unsere Kulturlandschaft akut gefährdet. Das neue Denkmalschutzgesetz gibt keine Handhabe, diese Gefährdung zu begrenzen, weit weniger als das bisherige. Und dass es auch noch Veränderungen an Baudenkmälern erleichtern soll, steht echtem Denkmalschutz völlig entgegen. Denkmalschutz ist kein Veränderungsverbot, aber er hat dafür zu sorgen, dass bei notwendigen Veränderungen der Denkmalwert eines Baudenkmals möglichst unbeeinträchtigt bleibt. Deshalb Nein zum revidierten Denkmalschutzgesetz.

Josef Grünenfelder, Cham


Der Historische Verein des Kantons Zug hat zusammen mit dem Archäologischen Verein des Kantons Zug, dem Zuger Heimatschutz und dem Bauforum Zug das Referendum gegen das revidierte kantonale Denkmalschutzgesetz ergriffen. Warum lehnen wir die revidierte Fassung ab? Eine zentrale Aufgabe des Historischen Vereins ist gemäss Statuten «die Förderung des Verständnisses für historische Zusammenhänge im Kanton Zug». Um geschichtliche Entwicklungen aufzuzeigen, sind bauhistorische Denkmäler von zentraler Bedeutung: Sie sind nicht nur der Schlüssel, um historische Prozesse in unserem Kanton bewusst zu machen, ihr Bestand ist auch für die unverwechselbare Identität unseres Kantons unverzichtbar. Nach ausführlicher Analyse des geplanten Denkmalschutzgesetzes sind wir der Ansicht, dass die darin festgelegten kumulativen Definitionen der Schutzwürdigkeit von Objekten zu streng formuliert sind. Wir befürchten, dass eine Unterschutzstellung damit fast nicht mehr möglich wäre, das heisst eigentlich gar nicht mehr von einem «Denkmalschutzgesetz», das die baulichen Zeitzeugen schützt, gesprochen werden kann. Und wenn die Denkmalkommission, für die der Historische Verein gerne jahrelang eine Fachperson stellte, aufgelöst wird, fehlt auch die Empfehlung durch ein unabhängiges, aus Fachpersonen verschiedener Disziplinen zusammengesetztes Gremium. Gerade der Kanton Zug, in dem mit 2,2 Prozent des Gebäudebestands im schweizweiten Vergleich unterdurchschnittlich wenige Objekte unter Schutz stehen, braucht ein starkes Denkmalschutzgesetz. Unser Kanton ist seit Jahren raschen Veränderungen ausgesetzt. So ist etwa die Zuger Bevölkerung allein im vergangenen Jahr um gut 1400 Personen auf fast 127000 Personen gewachsen. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass auch viel gebaut wird und dadurch der Druck auf die bauhistorischen Denkmäler besonders gross ist. Ein starkes Denkmalschutzgesetz ist daher wichtig. Aus diesem Grund empfehlen wir, am 24. November ein Nein zum kantonalen Denkmalschutzgesetz in die Urne zu legen.

Silvan Abicht, Vorstandsmitglied Historischer Verein des Kantons Zug, Zug


Stellen Sie sich vor, Sie besuchen ein Speiserestaurant. Mit grosser Vorfreude bestellen Sie ein schönes Menu und zur Krönung einen feinen Wein aus dem Burgund. Beim Auftragen der gut duftenden Suppe entdecken Sie, dass auf dem Gedeck das Besteck und ein Trinkglas fehlen, stattdessen sind da ein Sackmesser und ein Plastikbecher. Auf Ihre Nachfrage hin antwortet der immer sehr freundliche Kellner, ab heute gäbe es laut dem neuen Bewirtungsgesetz nur noch ein Sackmesser als Esswerkzeug und den Meursault Premier Cru Les Caillerets trinke man ab jetzt im Plastikbecher. Zudem stünden bei weiteren Fragen bewährte Rechtsanwälte zur Verfügung. Eine unglaubliche Geschichte, aber ganz ähnlich wird die Arbeit der Denkmalpflege bei der Annahme des neuen Denkmalschutzgesetzes in Zukunft aussehen. Die heute gültigen Arbeitswerkzeuge des Amtes werden abgeschafft und durch zahnlose Ersatzmassnahmen ersetzt. Die gesellschaftlich wertvolle Facharbeit wird unter dem Deckmantel «mehr Freiheit für Eigentümer» massiv eingeschränkt. Das Gott sei dank nur erfundene Speiserestaurant trägt übrigens den sinnigen Namen «Zu den fröhlichen Advokaten». Der Name kommt nicht von ungefähr, denn diese Berufsgattung wird in Zukunft vermehrt über denkmalpflegerische Fragen entscheiden müssen und das Maximum für ihre Mandanten erstreiten. Es ist zu befürchten, dass Geld und die Juristerei schlussendlich über dem Sachverstand stehen werden. Wollen wir das wirklich? Ein klares Nein zum neuen Denkmalschutzgesetz!

Toni Hofmann, Zug


Geschätzter Zuger Kantonsrat, mit dem revidierten Denkmalschutzgesetz möchten Sie, dass Bauten, welche jünger als 70 Jahre alt sind, nur noch mit Einwilligung der Eigentümerschaft unter Schutz gestellt werden können. In der offiziellen Abstimmungsbroschüre schreiben Sie dazu: «Die starre Altersgrenze könnte gegen übergeordnetes Recht verstossen. Darüber muss letztlich jedoch ein Gericht entscheiden.» Wie bitte? Dank Ihnen dürfen wir nun also am 24. November darüber abstimmen, ob wir ein potenziell rechtswidriges Gesetz haben möchten? Tolle Leistung!

Raphael Weiss, Mitglied GLP, Unterägeri


Damit ein Objekt unter Denkmalschutz gestellt werden darf, braucht es bereits heute einen «sehr hohen wissenschaftlichen, kulturellen oder heimatkundlichen Wert». Das revidierte Denkmalschutzgesetz verlangt neu einen «äusserst hohen wissenschaftlichen, kulturellen oder heimatkundlichen» Wert. Zudem müssen mindestens zwei dieser Kriterien kumulativ erfüllt sein. Ich denke mal und stelle fest: Es scheint, als ob man sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst kein Objekt mehr unter Schutz stellen zu wollen. Wenn Sie also einen Funken Respekt vor unserem Zuger Kulturgut haben, dann stimmen Sie am 24. November Nein zum neuen Denkmalschutzgesetz.

Stefan Rickli, Cham


Mit seiner Aussage «Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz, damit sich unsere Gewerbebetriebe weiter entwickeln können» hat es Kantonsrat Philip C. Brunner auf den Punkt gebracht: Beim vorliegenden Denkmalschutzgesetz geht es vorwiegend um das Wohlergehen des Gewerbes und nicht um den Schutz unseres gebauten kulturellen Erbes. Es geht nicht um den Schutz der noch vorhandenen Zeitzeugen, sondern darum, den rendite-gesteuerten Interessen der Eigentümer und des Baugewerbes möglichst freie Bahn zu lassen. Dieses neue Gesetz ist kein Schutz-Gesetz, das diesen Namen verdient – es ist ein Eigennutz-Gesetz, ein beschönigendes Deckmäntelchen, von dem sich einige wenige Profit versprechen, während der Mehrheit die gebaute Heimat abhandenkommen wird. Nein zu diesem Gesetz, das öffentliche Interessen und die Bedürfnisse der Mehrheit vernachlässigt.

Urs E. Meier, Architekt, Oberwil

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