Leserbrief
Lesermeinungen zur Abstimmung von Ende November

Zur Konzernverantwortungsinitiative

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Im Auge des Hurrikans: Zug mittendrin, ruhend und ruhig, mit ruhigem Gewissen, mag’s rundum noch so stürmen. Ich sitze im Casino zu Michael Elseners «Fake me happy» und überlege, ob die Lüftung coronagefiltert ist, eventuell mit passender UV-Strahlung. Und– ohne fake, mein Ticket ist mitgesponsert von Glencore, die es trotz vieler Versprechungen seit Jahren nicht fertigbringt, für bessere Filteranlagen in Cerro de Pasco, Peru, zu sorgen. Dort werden die Menschen krank wegen des Schwermetalls in Luft und Wasser. Auch zum «BeZug» im Kunsthaus gehört Glencore, zu den harmonischen Klängen der Sinfonietta, Glencore ist Teil von Zug Sports, das sich für die Förderung von Bewegung und Lebensfreude einsetzt. In meinem Umfeld gibt es einige Kulturveganer, so nenne ich sie, Kulturinteressierte, -engagierte und -schaffende, die sehr bewusst hinschauen, was sie sich einverleiben. Steht Glencore drauf, ist’s gestrichen. Ich verstehe sie und mag dennoch nicht so konsequent sein, die kulturellen Angebote sind einfach zu gut. Wie wäre ich dankbar, wenn Glencore zuerst Geld in die selbstgeschaffenen Umweltkatastrophen stecken würde, wenn unsere Kulturbetriebe Geld erst annehmen, wenn die Sponsorenkonzerne ihre Verantwortlichkeiten in den globalen Wirbelstürmen übernommen haben. Die Missstände bei Glencore sind seit Jahren gut dokumentiert, in Zug geniessen wir ruhig. Augen zu, Ohren zu und nichts sagen, schon gar nicht fragen, nur weitere Gesuche schreiben, die Hand ausstrecken, sich bedanken. Wir brauchen die Unterstützung (?), Geld ist neutral, wir nehmen und machen damit etwas Sinnvolles und fragen nicht, wo es herkommt und was auch noch darin steckt. Mit der Umsetzung der Konzernverantwortungs-Initiative ist mein Gewissen tatsächlich ruhiger. Ich weiss dann, dass die mitgesponserten Freizeitvergnügen weniger Ausbeutung mitbeinhalten. Ohne fake, in echt.

Marianne Aepli, Menzingen


Mit Befremden nehme ich zur Kenntnis, dass sich die Kirche aktiv in die politische Auseinandersetzung der Konzern-Initiative einmischt. Diese Entwicklung stimmt mich äusserst nachdenklich. Politik soll nicht in Kirchen betrieben werden und Gotteshäuser sollen auch nicht als Werbekampagnenträger missbraucht werden. Gerade die Kirchen, welche heute einen immer schwereren Stand haben, sollten sich neutral und vor allem auch ausgewogen verhalten. Die wenigen Kirchgänger, welche die Kirche noch besuchen, gehen ganz sicher nicht in die Kirche, um sich politische Meinungen anzuhören. Wenn man bedenkt, wie viele Steuern die Kirchen von juristischen Personen, also auch von Konzernen, einnehmen, staune ich doch sehr, wie man gegen diese jetzt vorgeht. Offensichtlich geht es den Kirchgemeinden finanziell dermassen gut, dass man ohne Probleme eine breit abgestützte Abstimmungskampagne führen kann. Da muss man sich nicht wundern, wenn die unausweichliche juristische Kirchensteuerabgabe, wie schon in der Vergangenheit, künftig wieder hinterfragt wird. Noch schlimmer finde ich, wenn die von den Bischöfen vorgeschriebenen Predigten Firmennamen erwähnen. Dies kann und darf nicht Aufgabe von Seelsorgern sein. Anscheinend gibt es in diesem Zusammenhang keine Einstimmigkeit unter den Kirchgemeinden. Zum Glück gibt es noch Sonntagsprediger, welche sich dieser Problematik sehr bewusst sind. Priester sollten ihre Messe noch frei gestalten können und nicht vorgedruckte Statements predigen müssen. Ich hoffe doch sehr, dass sich die Kirche in Zukunft wieder auf ihre Kernthemen und Aufgaben konzentriert. Vielleicht müssten sich die Kirchgemeinden einmal intensiv Gedanken darüber machen, warum gewisse Kreise in unserer CVP ganz aktuell das «C» unbedingt loswerden wollen. Ich persönlich bedaure dies sehr und finde es eine schwierige Entwicklung.

Peter Rust, Kantonsrat CVP, Walchwil


Intelligent konzipiert. Das ist die Konzernverantwort­ungs-Initiative. Denn sie fordert zum einen von den Konzernen die Erfüllung einer Sorgfaltspflicht und eine Berichterstattung darüber. Zum anderen räumt sie allen Geschädigten ein Klagerecht in der Schweiz ein. Können sich Konzerne über die Erfüllung ihrer Sorgfaltspflicht ausweisen, so können sie nicht haftbar gemacht werden. Diese Kombination von Sorgfaltspflicht und Klagerecht hat die Wirkung, dass Konzerne interessiert sein werden, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Damit ist anzunehmen, dass, wenn die Initiative gesetzlich umgesetzt sein wird, diese schon wirksam sein kann, auch wenn noch keine Rechtsverfahren eingeleitet worden sind. Die Transparenz wird den Betroffenen und örtlichen Behörden hilfreich sein. Die Initiative und nur die Initiative kann das Ziel der Verhinderung von Umweltzerstörung und Schaffung von mehr menschenrechtskonformen Arbeitsplätzen verwirklichen. Das wäre den Menschen in Ländern wie Peru, Sambia, Kolumbien, Indien, Syrien, Liberia oder Australien wahrlich zu gönnen. Aber funktionieren wird das nur, wenn den Geschädigten ein Klagerecht tatsächlich zusteht. Der Gegenvorschlag zur Initiative genügt deshalb nicht.

Jean-Pierre Prodolliet, Cham

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