Leserbrief

Lesermeinungen zur Beschaffung neuer Kampfflugzeuge

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 27. September

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Ich habe nun viele Binsenweisheiten zu dem Thema gelesen. Fakt ist, dass – sowohl SVP und Co. einerseits und SP/GSOA andererseits – beide Lager nicht die Wahrheit sagen. Letztere argumentieren, ein Billigflugzeug à la Pilatus Porter genügte völlig für Luftpolizeiaufgaben. Die anderen behaupten, solches Gerät käme nicht einmal einem normalen Passagierflugzeug nach. Deshalb bräuchte es Geräte wie die F35 – Stückpreis ca. 80 Millionen Dollar. Man braucht kein grosser Aviatik-Experte zu sein, zu wissen, dass es optimale Alternativen gibt. Ein Beispiel ist die F16D von General Dynamics, ein hochmoderner Abfangjäger, Mach 2 in Meereshöhe, auch als Jagdbomber einsetzbar, durch optimale Wendigkeit bestens geeignet für die Schweizer Topografie, Stückpreis ca. 12 Millionen Dollar. Das Flugzeug ist u.a. in den Diensten der US-Air-Force und der Navy, als auch in der israelischen Luftwaffe.

Christian Mächler, Hünenberg


Am 27. September werden die Stimmberechtigten sich für oder gegen den parlamentarischen Planungsbeschluss über die Anschaffung von neuen Kampfjets entscheiden. Viele bürgerliche Politikerinnen und Politiker sorgen sich über fehlende Sicherheit für die Bevölkerung, wenn nicht 6 Milliarden für neue Kampfflugzeuge bewilligt werden. Im Planungsbeschluss steht (Zitat): «Es geht darum, ob die Schweiz und ihre Bevölkerung auch nach 2030 gegen Angriffe in und aus der Luft geschützt sind. Ohne neue Kampfflugzeuge wäre die Armee nicht mehr fähig, ihre Aufgaben zu erfüllen.» Solche Aussagen sind schlicht und einfach falsch! Bei einem erneuten Nein zu einer Kampfjet-Vorlage würde die Armee ja dann folgerichtig ihre Legitimation verlieren.

Die luftpolizeilichen Aufgaben (inkl. Unterstützung der Zivilluftfahrt) könnten jedoch mit der bestehenden Flugzeugflotte weiterhin erbracht werden. Bei allfälligen kriegerischen Ereignissen in Europa ist ein bewaffneter Einsatz der Kampfjets über der kleinräumigen Schweiz – ohne sehr grossen Schaden für die Bevölkerung – jedoch unrealistisch. Die Jets würden dann zur Sicherheit besser am Boden bleiben.

Ich bin gegen Kampfflugzeuge. Sie sind teuer, laut und bedrohlich, belasten die Umwelt und bringen den Menschen in der Schweiz keine menschenwürdige Sicherheit. In einer freien Gesellschaft ist das Sicherheitsgefühl am grössten, wenn das Gefälle zwischen Arm und Reich nicht allzu gross ist und möglichst alle am Wohlstand teilhaben können. Ein offenes Bildungssystem und gut ausgebaute Sozialwerke sind ebenso wichtig wie diplomatische Beziehungen mit befreundeten Ländern. Aus meiner Sicht ist zudem dringend ein Umdenken bei der heutigen bürgerlichen Wirtschaftspolitik notwendig. Die Schaffung von Arbeitsplätzen z.B. im Sozial- und Umweltbereich oder etwa in der alternativen Energiewirtschaft würde den Grundsätzen der neutralen Schweiz besser entsprechen als das sture Festhalten an Arbeitsplätzen in der Kriegs- und Rüstungsindustrie.

Josef Kaufmann, Rotkreuz