Leserbrief

Lesermeinungen zur Erweiterung der Fensterfabrik Baumgartner

Zur Abstimmung vom 29. November in der Gemeinde Cham

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Vor mehr als drei Jahrzehnten wählte die Fensterfabrik Baumgartner ihren jetzigen Standort und legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte. Wir begrüssen den wirtschaftlichen, sozialen, und gesellschaftlichen Nutzen, der dadurch erzielt wurde, und möchten den Ausbau der Fabrik grundsätzlich unterstützen. Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass bereits die letzte Erweiterung als eine «abschliessende» angekündigt wurde. Wir befürchten, dass die Fabrik – umso mehr mit einer neuen Erweiterung – weiteren Aufschwung erleben wird, und dann nach wenigen Jahren erneut ihre Fläche ausdehnen muss. Wir sind der Meinung, dass Hagendorn zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr geeignet ist, um eine solche Erweiterung zu stemmen, und wünschen uns, dass die Firma stattdessen einen anderen Standort oder einen zweiten Standort in Erwägung zieht.

Kathrin Borner, Anwohnerin, Hagendorn


Anlässlich der Abstimmung von 2003 versicherte man uns, der heutige Bau sei die letzte Erweiterung der Fabrik. Nun legt man dem Stimmvolk erneut ein grosses Erweiterungsprojekt vor. Da sind ein paar Fragen erlaubt: Wen kann man noch beim Wort nehmen? Was wird uns in 10 Jahren aufgetischt? Wie schweizerisch ist die Firma bezogen auf Eigen- und Fremdkapital? Wie viele ausländische Mitarbeitende beschäftigt die Firma in Hagendorn als Wochen- oder Monatsaufenthalter? Reisen diese mit dem ÖV, wenn sie in ihr Heimatland pendeln (ökologischer Aspekt!)? Zahlen diese in der Schweiz auch Steuern? Die europäische «Personenfreizügigkeit» ermöglicht ja allerhand. Demgegenüber leben hierzulande 150000 Erwerbslose von Arbeitslosengeldern (Stand September 2020). Im Weiteren: Wird auch für Private wie mich extra ein allfälliger Bebauungs- sowie Zonenplan angepasst, wenn ich ein Haus «mit hoher gestalterischer Qualität» (Wortlaut Abstimmungsbroschüre) ins Grüne bauen möchte? Und dazu in einem BLN-Schutzgebiet? Und zur Verkehrsbelastung: Eine Erweiterung im vorgesehenen Ausmass wird mit Sicherheit grossen LKW-Mehrverkehr zur Folge haben. Bereits jetzt kann es im Verkehr mit den vielen Lastwagen und Anhängerzügen zu prekären Situationen kommen, weil die Zu- und Wegfahrten via relativ schmale Strassen führen: Weder Dorf-, Flur- noch Frauentalstrasse weisen in den betroffenen Abschnitten Mittellinien auf. Und auf ungeschützten, auch relativ schmalen Trottoirs bewegen sich täglich viele Kinder. Da habe ich schon lange ein mulmiges Gefühl, denn für Fussgänger und Velofahrende ist unsere Dorfstrasse schon gefährlich genug. Und schliesslich würde sich die Bauzeit mit Lärm und Staub jahrelang hinziehen. Prinzipiell sind ja Firmen, welche nicht nur Briefkästen, sondern Arbeitsplätze anbieten, sehr wichtig. Aber aus meiner Sicht gehört ein derart grosses Projekt in eine Industrie- oder Gewerbezone, von welchen es auch in unserer Region etliche gibt.

Ueli Krasser, Hagendorn


Soeben habe ich den Chomer Bären vom November 2020 erhalten und durchgelesen. Aufgefallen ist mir ein ganzseitiges Inserat gegen die Baupläne der Fensterfabrik in Hagendorn mit dem Text: «Cham sagt am 29.11.2020 klar 2 x Nein zur Mega-Fensterfabrik im Grünen». Mich ärgert diese Formulierung erheblich: Ich kann mich nicht erinnern, zu dieser Abstimmung von irgendwem befragt worden zu sein. Woher nehmen also die Verfasser des Inserates das Recht, mich als Einwohnerin von Cham einfach mit einzuschliessen? Ich behalte mir das Recht vor, selber zu entscheiden, wie ich abstimmen will. Hinter dem Plakat stehen mehrere Vereinigungen, die Alternative-die Grünen, Cham und die SP. Nicht Cham. Genauso ärgere ich mich über die Plakate für die Konzernverantwortungsinitiative. Ich frage mich, ob all die Freiwilligen, die diese Plakate aufstellen, wissen, dass die Fotos bearbeitet sind, und zwar in einem Mass, wie es in meinen Augen nicht gestattet sein sollte: Das traurige Mädchen aus Peru, das vor einer Mine steht, steht ursprünglich vor einem Sportplatz. Die Mine, die in das Bild kopiert wurde, ist scheinbar 2012 bereits stillgelegt worden. Ein zweites Bild von indischen Kindern, die angeblich vor einem Maisfeld, das mit Pestiziden besprüht wird, abgelichtet wurden, zeigt indische Kinder vor einem mexikanischen Maisfeld....

Der Leser urteile selber. Alles nachzulesen in einem Artikel der NZZ am Sonntag vom 24. Oktober 2020. Man kann nicht den Gegnern Manipulation vorwerfen und selber dann so handeln. Zudem stört mich erheblich, wenn Kinder für politische Zwecke derart missbraucht werden. Eine solche Kampagne hinterlässt mehr als nur ein Fragezeichen.

Verena Gabriel, Cham


Mit Blick auf die Abstimmung am 29. November über die Änderung des Bebauungsplans Allmend Hagendorn und die Teiländerung des Zonenplans ist darauf hinzuweisen, dass es für die Gemeinde Cham sehr wichtig ist, auch produzierende Betriebe zu beherbergen. Die Firma G. Baumgartner AG bietet rund 300 Arbeitsplätze auch im industriell-gewerblichen Bereich an, was für die Gemeinde, ja für den ganzen Kanton Zug und die umliegenden Regionen eine grosse Bereicherung ist. Dass das Familienunternehmen willens ist, auch in wirtschaftlich ungewissen Zeiten in den Fortbestand des Unternehmens in Hagendorn zu investieren, ist unter jedem Titel zu begrüssen. Bemerkenswert ist schliesslich auch, wie gut die Eingliederung in die Landschaft gelingt.

Jörg Beck, Cham