Lesermeinungen zur geplanten Erweiterung der Fensterfabrik Hagendorn

Zur gemeindlichen Abstimmung vom 29. November

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Pro Natura hat sich bereits vor 20 Jahren gegen die erste Erweiterung der bis dahin gerade noch ins Ortsbild von Hagendorn eingepasste Fensterfabrik gewehrt. Damals grenzte sich das Dorf Hagendorn klar von der Reussebene ab. Nach dem letzten Haus öffnete sich der Blick schlagartig, und reichte bis zu den Waldrändern und dem Ufergehölz der Lorze.

Mit der Erweiterung von 2004 wurde die klare Siedlungsbegrenzung durchbrochen und ein problematisches Präjudiz geschaffen. Nicht nur, was das sichtbare Gebäudevolumen betraf, sondern auch mit der noch viel weiter ausgreifenden Bauzone. Dies müsse so sein, wurde damals erklärt, denn die verpflichtenden ökologischen Ausgleichsmassnahmen müssten auch Teil des Bebauungsplans sein, und das gehe nur in einer «Bauzone». Zur Sicherung der Freihaltung und für ökologische Ausgleichsmassnahmen wurden diese 30000 Quadratmeter mit einer «Schutzzone» überlagert.

Die damals in Aussicht gestellte «endgültig letzte Fabrikerweiterung» ist inzwischen nur noch lästiges Geschwätz von gestern. Der nördliche Teil der «Schutzzone» wird für die nun anstehende Erweiterungsetappe geopfert. Die 120 Meter lange Halle wird nochmals um 80 Meter erweitert. Auf der Frauentalstrasse empfängt einem nach dem Dorf definitiv nicht mehr die weite Reussebene. Praktisch ohne Abstand zur Strasse fährt – oder wandert – man im Schatten einer über 120 Meter langen, eintönigen «grünen Fabrik» entlang. Im Endausbau wird die Gebäudefläche der Fabrik rund 40000 Quadratmeter betragen. Zum Vergleich: Das Einkaufszentrum Zugerland ist halb so gross – man muss sich das mal vorstellen!

Auch diesmal wird die Erweiterung wieder mit ökologischen Ersatzmassnahmen verkauft, teils auf den gleichen Flächen, die schon vor 15 Jahren hätten aufgewertet werden müssen. In Bericht und Plan sieht das ja alles toll aus. Bis die Massnahmen jedoch ihre ökologische Funktion erfüllen, dauert es sehr lange – bei den im Grünbereich G3 verlangten «Grossbäumen» mehrere Jahrzehnte. Ob die gepflanzten Bäume dieses Alter je erreichen, oder dem nächsten Expansionsschritt zum Opfer fallen, wer weiss?

André Guntern, Präsident Pro Natura Zug, Baar


Politik sollte man nicht immer ganz ernst nehmen, denn manchmal kann man auch darüber lachen. Das gilt auch für den momentanen Streit um die Erweiterung der Fensterfabrik Baumgartner in Hagendorn. So werben die Gegner mit dem Chamer Wappentier, dem Bär, der mit einem Jungen vor drei Lastwagen davonrennt. Nur: Der Chamer Bär kann das gar nicht sein, denn der ist ein Männchen, und bei den Bären ziehen bekanntlich nur die Weibchen die Jungen auf. Vermutlich will man den Chamern eine kanadische Bärin aufbinden, denn so riesige Lastwagen findet man eher in Kanada als auf Schweizer Strassen.

Auch der Hinweis eines Gegners, dass jeder verbaute Quadratmeter Land für immer verloren sei, wirkt eher lustig, wenn man bedenkt, dass er von einem ehemaligen Zuger Stadtrat stammt. In Zug wird seit Jahren weit mehr Land verbaut als in Cham.

Nicht ganz ernst nehmen kann ich auch einen Verein, der sich «Mehr Wert Cham» nennt und gegen das Projekt antritt. Denn Mehrwert schafft man meines Erachtens nicht mit Verhindern, sondern mit Arbeit. Schon mit der Verhinderung des Kantonsschulprojekts hat Cham sicher nicht an Wert gewonnen. Nun strebt man offenbar das nächste Eigentor an.

Man sollte sich also keinen Bären aufbinden lassen, sondern in Betracht ziehen, um was es geht: Eine einheimische Firma möchte ihren Betrieb erweitern und braucht dafür eine Anpassung des Zonenplans. Es handelt sich – nach Schliessung von Papierfabrik und Pavatex – um den letzten grösseren Produktionsbetrieb in der Gemeinde Cham. Soll der nun auch noch vertrieben werden? Damit würden weitere handwerkliche Arbeitsplätze verschwinden – genau davon gibt es aber im Kanton Zug immer weniger.

Werner Gattiker, Hünenberg


Die Gegner der Fensterfabrik Baumgartner in Hagendorn haben in den vergangenen Wochen in Leserbriefen verschiedene Argumente angeführt – und wurden von kompetenter Seite noch und noch korrigiert. Das scheint die Neinsager-Gruppe allerdings auch wenige Tage vor der Abstimmung nicht zu hindern, diese Behauptungen, die durch das ewige Wiederholen nicht wahrer werden, zu wiederholen.

Am Schluss siegt die objektive Beurteilung: Es ist ein gutes und wichtiges Projekt für Cham. Es können in schwierigen Zeiten 300 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Und in Bau und Betrieb wird Rücksicht auf die Nachbarn und die Natur genommen. Deshalb zweimal Ja.

Tao Gutekunst, Präsident FDP Cham, Cham


Innovation in all ihren Formen ist für den Wirtschaftsstandort Schweiz von grösster Bedeutung. Es freut mich deshalb sehr, dass Cham mit der Firma G. Baumgartner AG in Hagendorn ein Unternehmen hat, das in seiner Branche – dem Fensterbau – eine führende Stellung einnimmt. Der Familienbetrieb gilt nicht umsonst als modernster Betrieb der Schweiz, wenn nicht sogar Europas. Das Hochleistungsfenster Saphir Integral wurde soeben zum Fenster mit den besten Umweltwerten gekürt. Ich sage Bravo und weiter so!

Dass dieses Unternehmen heute den Mut aufbringt, am hiesigen Standort Millionen in die innovative Weiterentwicklung zu investieren, ist keinesfalls selbstverständlich. Optimale Betriebsabläufe sind für die Produktionskosten in einem hart umkämpften Markt ein entscheidendes Kriterium. Einem Industriebetrieb, der seine Verantwortung wahrnimmt, der das betroffene Umfeld für dieses zukunftsträchtige Projekt schon lange miteinbezogen hat und zudem im Thema Nachhaltigkeit Akzente setzt, dürfen wir keinesfalls Hürden für die Zukunft in den Weg legen. Deshalb stimmen Sie Ja zur Änderung des Bebauungsplans sowie zur Teiländerung des Zonenplans.

Jürg Staub-Wolf, Hagendorn