Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Leserbrief

Lesermeinungen zur Abstimmung über das neue Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur Abstimmung über das neue Denkmalschutzgesetz vom 24. November

Sollen auch in Zukunft willkürlich Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden? Das ist aktuell der Fall und konnte auch problemlos gegen den Willen des Eigentümers sprechen. Am 24. November stimmen wir über das neue Denkmalschutzgesetz ab, welches die Eigentümerschaft neu verstärkt in den Denkmalschutz miteinbezieht. Individuelle Verträge werden ausgehandelt, bei welchen die Anliegen und Interessen von beiden Parteien berücksichtigt werden. Die Kirche St.Jakob in Cham als Beispiel bleibt weiterhin unter Denkmalschutz. Diese ist von regionaler Bedeutung und bei diesen Objekten ändert sich nichts. Man soll sich auf das Wesentliche fokussieren und Objekte schützen, welche wirklich schützenswert sind. Weniger Staatsausgaben sind die Folgen und weniger Hindernisse für renovierungsbedürftige Gebäude. Übrigens: Dies ist auch eine ökologische Angelegenheit, da sie den Zugang zu Fotovoltaikanlagen der Betroffenen wesentlich vereinfacht. Die Jungfreisinnigen Zug unterstützen das Anliegen eines effektiven und modernen Denkmalschutzes und wir sagen Ja am 24. November.

Mariano Giddey, Vorstand Jungfreisinnige Zug, Cham


Das neue Gesetz verdient Zustimmung und verbessert die bisherigen Regelungen in verschiedenen Bereichen: Zunächst stärkt es die Stellung des Grund-, Wohnungs- und Hauseigentümers gegenüber dem Staat. Die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung einer Baute, welche regelmässig zu massiven Beschränkungen der Nutzungsmöglichkeiten zu Lasten der Eigentümerschaft führt, werden verschärft. So werden in Zukunft nur noch denkmalschützerisch äusserst wertvolle Objekte gegen den Willen des Eigentümers unter Denkmalschutz gestellt werden können. Sodann werden Unterschutzstellungen in Zukunft einvernehmlich und vertraglich zwischen der Eigentümerschaft und dem Kanton vereinbart. Das kooperative Modell, bei dem sich Staat und Bürger auf Augenhöhe begegnen, wird neu gegenüber dem bisherigen, autoritativ und hoheitlich-zwingenden Modell eingeführt. Die Mitsprache des privaten Eigentümers wird damit gegenüber dem Staat endlich gestärkt. Angesichts verschiedener Fälle in der Vergangenheit, da die Interessen der Eigentümerschaft von den zuständigen Behörden ohne Rücksicht auf Kosten und Verluste wenig bis gar nicht berücksichtigt worden sind, ist das neue Gesetz ein Fortschritt im eigentlichen Sinn und verdient unsere Zustimmung.

Manuel Brandenberg, Kantonsrat SVP, Zug


Im Kanton Zug gibt es wertvolle Denkmäler wie Altstadt, alte Tobelbrücke, historische Kirchen und so weiter. Dies bleibt so! Jedoch ist der Handlungsbedarf zur Gesetzesrevision gross. Notwendige Sanierungen von historischen Gebäuden werden nicht vollzogen. Mit dem revidierten Denkmalschutzgesetz werden Anpassungen an heutige Wohnformen und Baunormen ermöglicht, wenn gleichzeitig der historische Charakter beibehalten wird. So können bei sanierungsbedürftigen Bauten bessere Lösungen für behindertengerechtes Wohnen, Innenraumkonzepte, Energiestandards und Brandschutz gefunden werden. Deshalb stimme ich Ja am 24. November.

Peter Letter, Kantonsrat FDP, Oberägeri


Wird ein Gesetz revidiert, soll der Freiraum der Bürger wo möglich gross bleiben. Sind Eigentumsrechte der Bürger betroffen, haben Eingriffe des Staates massvoll zu sein. Es soll nicht blind verboten und vorgeschrieben werden, sondern die ausführenden Behörden sollen mit den betroffenen Eigentümern eine gute Lösung finden müssen. In jedem konkreten Fall ist Denken angesagt. Bei einer Unterschutzstellung von Gebäuden sind die Argumente der Behörden und der Grundeigentümer gut gegeneinander abzuwägen. Deshalb Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz, das den Behörden und den Eigentümern einen gewissen Freiraum gibt und das Denken nicht verbietet.

Jost Windlin, Zug


Der willkürliche Versuch der Denkmalpflege Zug unser Bauvorhaben unter Schutz zu stellen, ohne unser Projekt entsprechend zu prüfen, eröffnete uns schlussendlich den Weg dieses Projekt ohne ihr Zutun zu realisieren. Das Ergebnis steht heute an der Hauptstrasse 4 in Oberägeri. Die Mitwirkung der Denkmalschutzkommission sowie der Denkmalpflege ist und war nie notwendig! Wir bedanken uns für die mannigfaltige, positive Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit, welche uns über die gesamte prozessuale Auseinandersetzung von über vier Jahren zu Teil wurde. Erfrischend viele Mails, Anrufe und Briefe erreichten uns mit wohlwollenden Komplimenten zum fertiggestellten dorfbildprägenden Neubau im Dorfkern von Oberägeri. Es ist mehr als offensichtlich, dass das «öffentliche Interesse» dem nutz- und bewohnbaren Wohnraum gilt und nicht einem musealen Ballenberg ohne wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten. Wir unterstützen, als teures und unnötig beübtes Beispiel, die dringende Notwendigkeit eines neuen Denkmalschutzgesetzes. Es geht deutlich wirtschaftlicher und speditiver voran, wenn nicht Arroganz und Selbstbedacht-Sein im Vordergrund stehen, sondern die Bedürfnisse der steuerzahlenden Bürger wieder prioritär sind.

Cyrill Mathis und Erich Meier, Oberägeri


Es braucht ein Nein, damit wir unsere Identität nicht verlieren. Es ist hinlänglich bekannt, dass unser Kanton aufgrund seiner Wirtschaftskraft pro Kopf weitaus am meisten in den nationalen Finanzausgleich zwischen den Kantonen einzahlt. Beim Schutz der Denkmäler hingegen ist Zug im Schweizer Vergleich nur unterdurchschnittlich. 2,2 Prozent des Zuger Gebäudebestands sind geschützt. Schweizweit sind es 3,5 Prozent. Und nun soll mit der Revision des Denkmalschutzgesetzes der Schutz unserer Baukultur weiter geschwächt werden. Das ist doch Unsinn. Es ist ein Angriff auf unsere Identität. Deshalb stimme ich als besorgter Bürger am 24. November Nein.

Martin Hosek, Zug


In alten, geschützten oder schützenswerten Häusern leben oft wenige Leute, weil eine Sanierung nicht finanziert werden kann. Oft sind es grosse Liegenschaften an zentralen, mit ÖV gut erschlossenen Lagen. Indem solche Gebäude nicht optimal ausgenutzt werden, geht viel Wohnraum verloren. Aufgrund der heutigen Praxis muss die alte Substanz erhalten bleiben, Rekonstruktionen werden nicht bewilligt. Das heisst, Häuser dürfen nicht mit dem ursprünglichen Erscheinungsbild modern neu aufgebaut werden. Zeitgemässe Isolation, moderne Heizungen und familienfreundliche Grundrisse werden verhindert. Mit einem deutlichen Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz wird ein klares Signal gegeben, dass Schützenswertes geschützt werden soll, im Übrigen aber bezahlbarer moderner Wohnraum geschaffen werden muss.

Laura Anderrüthi, Präsidentin JCVP Kanton Zug, Walchwil


2006 hat im Denkmalschutzgesetz die Formulierung Eingang gefunden, dass schützenswerte Objekte einen «sehr hohen wissenschaftlichen, kulturellen oder heimatkundlichen Wert» aufweisen müssten. Mit dieser Formulierung ging es darum, die Hürden für eine Unterschutzstellung zu erhöhen. Diese ist nun geltendes Gesetz. Den Denkmalschutzgegnern ist dies offensichtlich nicht genug, sie wollen den Denkmalschutz weiter torpedieren. So soll die Stellung des Objekteigentümers gestärkt werden. So soll ein Eigentümer schon vor der Aufnahme ins Inventar ins Verfahren einbezogen werden. Das heisst: Die Chancen, ein Objekt eines nicht willigen aber politisch einflussreichen Eigentümers ins Inventar aufzunehmen, werden klein sein. Dies umso mehr, als die Fachinstanz Denkmalschutzkommission abgeschafft sein wird. Eine weitere Untergrabung des Denkmalschutzes stellt die Regelung bei baulichen Veränderungen an Schutzobjekten dar. Es gilt wohl weiterhin die Bewilligungspflicht, aber es steht neu in Paragraf 30: «Baudenkmäler können nach den Bedürfnissen des heutigen Lebens und Wohnens für bisherige oder passende neue Zwecke genutzt und unter Berücksichtigung ihres Wertes verändert werden.» Das heisst im Klartext: Ein Eigentümer mit einem guten Anwalt macht mit seinem Objekt, was er will. Was geben uns qualitätsvolle Bauten der Vergangenheit? Sie bringen Schönheiten in unseren Alltag und geben damit Lebensqualität. Mit ihrer Präsenz in unserem Lebensraum sind wir konfrontiert mit Denkweisen und Qualitätsvorstellungen von früher. Dies bedeutet eine Erweiterung unseres Horizonts. Das alles ist aber den Verfassern dieses Gesetzes ein Dorn im Auge. Da sind ausschliesslich wirtschaftlich-technokratisch orientierte Kräfte am Werk, die fordern, dass ihre Vorhaben nicht durch Anliegen von Qualität und Kultur behindert werden dürfen. Dieser barbarischen Gesinnung muss am 24. November mit einem Nein entgegengetreten werden.

Jean-Pierre Prodolliet, Cham

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.