Leserbrief

Lesermeinungen zur kommunalen Abstimmung in Cham

Zur Abstimmung vom 29. November über den Bebauungsplan Allmend Hagendorn: Änderung Bebauungsplan sowie Teiländerung Zonenplan

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Zur Diskussion um die Fensterfabrik Baumgartner in Hagendorn, die heute von der sechsten Generation geführt wird, die Ansicht eines Auswärtigen. Mit dem Rennvelo war ich vor 40 bis 50 Jahren von Menzingen aus viel im Zuger Unterland unterwegs, so auch in Hagendorn. Ich erinnere mich an die vielen schönen Bauernhöfe mit sehr viel Wiesland. In dieser Zeit gab es in Hagendorn nebst den Bauernhöfen die Käserei von Otto Nägeli, vermutlich zwei Restaurants, die Fensterfabrik sowie einige Dutzend Wohnhäuser. Die Gegner des Ausbaus der Fensterfabrik Baumgartner erwähnen immer wieder die Grünfläche, die damit verschwindet. Ich möchte deshalb diese Gegner einmal fragen, wo denn ihre Wohnhäuser stehen. Ja genau, auf einer dieser verschwundenen grünen Wiesen! Sie fühlen sich durch den Ausbau der Fensterfabrik auch in ihrer Ruhe gestört. Dazu ein Gratistipp: In vielen Kantonen sind Bergdörfer vom Aussterben bedroht. Es gibt sogar solche, die den Neuzuzügern eine Prämie bezahlen. Wenn man dorthin umzieht, hat man dann jedoch nicht mehr eine Stadt mit vielen Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Und es hat auch nicht die guten Bus- und Bahnverbindungen, um an den Arbeitsplatz zu kommen. Dafür hat man in einem solchen Bergdorf sehr viel Ruhe.

Tony Amrein, Edlibach


Bereits im Juni 2003 wurden die Bürgerinnen und Bürger von Hagendorn und Cham zu Änderungsplänen der Fensterfabrik Baumgartner AG an die Urne gerufen. Nun sollen die damals beschlossenen «Grenzen» wieder abgerissen und neu definiert werden, entgegen dem Versprechen der damaligen Geschäftsleitung. Die Fensterfabrik Baumgartner AG rechtfertigt das heute vorliegende Innovationsprojekt mit den gleichen Argumenten wie «Modernisieren, in die Zukunft investieren, Standort Hagendorn sichern, konkurrenzfähig bleiben, Arbeitsplätze sichern». Es liegt auf der Hand, dass ein Unternehmen auch die Zukunft planen muss, um auch künftig auf dem Markt bestehen zu können. Hierzu gehört aber auch eine sachliche Abwägung aller vorliegenden positiven und negativen Planungsfaktoren, damit eine situationsgerechte und Erfolg versprechende Lösung konzipiert und realisiert werden kann.

Das vorliegende, «auf den letzten Zentimeter verdichtete» Projekt ist bezüglich der einzigen Standortwahl in Hagendorn zu gross, überdimensioniert und nur mit «neuen Grenzen» sowie viel Toleranz der betroffenen Anwohner möglich. Das Innovationsprojekt wird die Wohn- und Lebensqualität der Hagendorner «Wohnquartiere» westlich der Lorze noch mehr strapazieren! Denn die Fabrikerweiterung löst einen stets wachsenden Mehrverkehr und erhöhte Emissionen aus. Im offiziellen Verkehrsgutachten wird aufgelistet, dass nebst dem täglichen motorisierten Individualverkehr und den fahrplanmässigen Busfahrten bereits heute wegen der Fensterfabrik 36 Lastwagenfahrten (!) täglich die Flur- und Dorfstrasse befahren. Werden es im 2035 zumindest 44 Lastwagenfahrten (plus 22 Prozent) pro Tag sein, so steigt die Zahl in späteren Jahren auf mindestens 58 Lastwagenfahrten (plus 61 Prozent) pro Tag. Hinzu kommt während der sehr langen Bauphasen noch der lärmige Baustellenverkehr. Wussten Sie, dass die Bewohner der betroffenen Wohnquartiere bereits heute keine Wecker brauchen? Pünktlich nach 5 Uhr fahren die ersten beladenen Lastenzüge auf dem Fabrikareal los und wecken die Anwohner aus dem Schlaf.

Schade finde ich, dass die ursprüngliche Planungsabsicht für einen dezentralen Produktionsstandort im Luzerner Rontal nicht vertieft, sondern fallen gelassen wurde. Nicht selten sind Firmen wegen fehlenden Baulands gezwungen, Teile oder die ganze Produktion auszulagern. Mit Hilfe der heute hoch entwickelten IT ist eine dezentrale Lösung eine Alternative. Eine dezentrale Lösung ist auch für das «Innovationsprojekt» sinnvoll. Alle im Fabrikationsprozess involvierten Stellen können profitieren. Es würde keine Verlierer geben! Die Bauherren können die geplante, moderne Fensterfabrik mittels zweier, sich ergänzender Standorte realisieren. Die Arbeitsplätze sowie die Aufträge der Zulieferer-Firmen und Spediteure sind weiterhin gesichert. Die Natur wird in ihren heutigen Grenzen geschützt und die Wohn- und Lebensqualität der betroffenen Wohnquartiere verbessert. Stimmen Sie zweimal Nein, damit mit dem geplanten, nicht standortgerechten Industriebau die bereits strapazierte Wohn- und Lebensqualität der Betroffenen nicht noch mehr verschlechtert wird. Und damit die Fensterfabrik AG Hagendorn eine zweite Chance bekommt, eine dezentrale innovative Lösung zu erarbeiten, welche einerseits die Zukunft des Unternehmens und die Arbeitsplätze sichert und anderseits die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner in den betroffenen Wohnquartieren erträglicher macht.

Urs Gasser, Hagendorn


Diverse mittelgrosse Schweizer Fensterhersteller gingen in jüngster Vergangenheit Konkurs oder stellten ihren Betrieb ein. Andere bekannte Hersteller verlagerten ihre Produktion komplett ins Ausland. Nun will der grösste industrielle Arbeitgeber in Cham sein Fortbestehen mit dem seriös und umsichtig geplanten Innovationsprojekt sichern und an den aktuell zirka 300 Arbeitsplätzen langfristig festhalten. Die Ortsparteien SP und ALG sowie der Verein «Mehr Wert Cham» wollen dieses Projekt verhindern. Ich wage zu behaupten, dass die geplanten Erweiterungen der Firma Baumgartner weit weniger Umwelt-, Verkehrs- und Lärmemissionen verursachen, als wenn im aktuell gültigen Bebauungsplanperimeter neue Firmen und Personen angesiedelt werden müssten. Solche Transformationsvorhaben der Fensterfabrik G. Baumgartner AG und die Bekenntnisse zu Technologie- und Produktionsarbeitsplätzen hier in Cham verdienen von der Bevölkerung zweimal ein Ja. Ein Ja zur Änderung des Bebauungsplans und ein Ja zur Teiländerung des Zonenplans.

Hans Jörg Villiger, Cham


Das Stimmvolk darf am 29. November mitentscheiden, ob die Fensterfabrikation G. Baumgartner AG wachsen kann oder nicht. Das Wachstum wird manchmal fast wie eine Religion behandelt: Von den einen angehimmelt und von den anderen verteufelt. Doch Wachstum ist nicht einfach immer gut oder immer schlecht – es kommt darauf an, wie es vonstattengeht. Meines Erachtens ist sich die G. Baumgartner AG der potenziellen negativen Externalitäten des Wachstums für Anwohner und Umwelt sehr bewusst und hat diese auch im Plan nachsichtig berücksichtigt. Gleichzeitig ist auch zu bedenken: Es bedarf harter Arbeit und Geschick, eine Fensterfabrik im Kanton Zug überhaupt rentabel zu führen bei dem knallharten internationalen Wettbewerb. Der Skaleneffekt kann helfen, dass ein Unternehmen wie die G. Baumgartner AG langfristig noch in der Schweiz produzieren kann. Darum empfehle ich, den Änderungen zuzustimmen.

Tabea Estermann, Co-Präsidentin Junge GLP Zug