lESERBRIEF

Lesermeinungen zur kommunalen Abstimmung in Cham

Zur Abstimmung vom 29.November in Cham über die Erweiterung der Fensterfabrik in Hagendorn

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Ein bekannter Leserbriefschreiber aus Cham behauptet in der «Zuger Zeitung» vom 19.November, der Gemeindepräsident von Cham äussere sich in Leserbriefen für die Änderung des Bebauungsplans Allmend Hagendorn und die Teiländerung des Zonenplans. Das stimmt nicht und ist eine krasse Falschaussage. Richtig ist hingegen, dass sich ehemalige Chamer Exekutivpolitiker für das Innovationsprojekt Gottfried Baumgartner aussprechen, was den Leserbriefschreiber stört. Bezeichnenderweise geht er nicht auf die Argumente dieser Persönlichkeiten ein. Hat das damit zu tun, dass sie seine in einem früheren Leserbrief gemachten Falschaussagen äusserst kompetent, in ruhigen Worten und unmissverständlich widerlegen? Und schliesslich nervt den Schreiber ganz gewaltig, dass der Gewerbeverein sowie die Parteien CVP, FDP, GLP und SVP das Projekt in einer einheitlichen Front unterstützen. Er kann sich nicht vorstellen, dass sie das ohne finanzielle Unterstützung tun und unterstellt dem Gewerbeverein und den Parteien in trumpscher Manier allen Ernstes, sie liessen sich bestechen. Viel tiefer kann das Niveau nicht mehr sinken. Gut neigt sich der Abstimmungskampf dem Ende entgegen.

Josef Huwiler, Cham


In der «Zuger Zeitung» vom 25. November stellt Pro Natura bezüglich der Entwicklung der Fensterfabrik die ökologische Aufwertung in Frage. Bei der ökologischen Aufwertung geht es grundsätzlich darum, eine kleinteilige Vernetzung zwischen dem Wuhrgraben (Allmendbach), den Teichen und Gewässern auf dem Gelände der G. Baumgartner AG sowie der Lorze herzustellen. Diese drei Bereiche sind per se ökologisch wertvoll und eine Vernetzung macht die Ökosysteme robuster und trägt zur Artenvielfalt bei. Im Wuhrgraben als verbindendes Element können sich Kleintiere et cetera bewegen und das in einem Bereich, der nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Wenn diese Fläche vergrössert wird, gibt man einem grösseren Spektrum von Tieren die Möglichkeit für ein Durchgangselement. Der Wuhrgraben soll die bestehenden Teiche der G. Baumgartner AG mit dem Lorzenbereich vernetzen. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission hat in ihrer Stellungnahme im November 2015 unter anderem die Umwandlung eines Streifens nördlich der Frauentalstrasse in eine Feucht- und Streuwiese empfohlen. Diese Fläche kann teilweise, und das ist die erklärte Absicht, auch weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Angedacht ist genau aus diesem Grund eine sogenannte Fromentalwiese, womit eine Win-win-Situation erreicht werden sollte: Das Land kann weiterhin der extensiven landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung gestellt werden, und zwar auf eine Art und Weise, die auch in ökologischer Hinsicht höchst willkommen ist. Fromentalwiesen sind durch eine starke Intensivierung fast vollständig durch artenarmes Wiesland verdrängt worden und gelten in der Schweiz als einer der am stärksten bedrohten Lebensräume. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Firmen wie die G. Baumgartner AG einen ökologischen Ausgleich schaffen und eine Vernetzung dieser zu einem eigentlichen Biotop-Verbund führen würde.

Martin Braun, Biologe, Cham


Am 29.November stimmen wir Bürgerinnen und Bürger von Hagendorn und Cham zu Änderungsplänen der Fensterfabrik Baumgartner AG ab. Macht es Sinn, kurz vor dem Abstimmungstag nochmals meinen Nein-Standpunkt zu wiederholen, bei so viel Pro-Engagement? Wenn aber Frau Wenzin Widmer in ihrem Leserbrief vom 21.November mit unsachlicher, undemokratischer Beschuldigung die betroffene Anwohnerschaft abqualifiziert und andererseits die Gegnerschaft des Innovationsprojektes pauschal für den «Verlust von 300 Arbeitsplätzen» beschuldigt, drängt sich eine Richtigstellung auf. In meinem Leserbrief von Anfang November schreibe ich «…Mit Hilfe der heutigen hoch entwickelten IT ist eine dezentrale Lösung eine lösbare, alternative Lösung. Eine dezentrale Lösung ist auch für das ‹Innovationsprojekt› sinnvoll. Alle im Fabrikationsprozess involvierten Stellen können von dieser Lösung profitieren. Es würde keine Verlierer geben! Die Bauherren können die geplante, moderne Fensterfabrik mittels zweier, sich ergänzender Standorte realisieren. Die Arbeitsplätze sowie die Aufträge der Zulieferer-Firmen und Spediteure sind weiterhin gesichert. Die Natur wird in ihren heutigen Grenzen geschützt und die Wohn- und Lebensqualität der betroffenen Wohnquartiere verbessert.» Keine Rede von Gefährdung oder Verlust von Arbeitsplätzen! Es ist mir auch wichtig, dass zirka 325 Angestellte weiterhin ihren Job ausüben können. Mit der dezentralen 2-Standorte-Lösung werden eher mehr IT-Arbeitsstellen geschaffen, sofern die Firmenleitung selbst keine Rationalisierungsabsichten hat. Auch die Partner-Firmen in der Schöpfungskette werden weiterhin Aufträge erhalten. Im offiziellen Projekt-Gutachten können detaillierte Zahlen entnommen werden, welche für eine Analyse der 2-Standorte-Strategie nützlich sind. Die heutigen zirka 325 Arbeitsplätze lassen sich folgenden Typen zuordnen: 117 Administration, 114 Produktionsarbeitsplätze und 94 Montage-/Servicearbeitsplätze. Bezüglich des Domizils oder Arbeitsweges: Hagendorn 24, Cham 38, übriger Kanton Zug 92, umliegende Kantone (ZH, AG, LU, SZ) 69, übrige Schweiz und Ausland 113. Auf die Nationalitäten will ich nicht eingehen, da diese für eine künftige Lösung unerheblich sind. Auch eine Neu-Projektierung ist in der heutigen unsicheren Zukunft kein Hindernis, sondern eher eine Chance für die Planung künftiger Entwicklungspotenziale. Mit der dezentralen 2-Standorte-Lösung gibt es keine Verlierer. Stimmen Sie zweimal Nein, damit die Fensterfabrik eine zweite Chance bekommt, eine dezentrale Lösung zu erarbeiten, welche die Zukunft des Unternehmens und die Arbeitsplätze sichert und die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner in erträglicher macht.

Urs Gasser, Hagendorn