Leserbrief

Lesermeinungen zur Konzernverantwortungsinitiative

Zur nationalen Abstimmung vom 29. November

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Dass sich ausgerechnet Zuger Firmen gegen die Initiative und deren selbstverständliches Verlangen wehren, finde ich wenig überraschend. Befinden wir uns doch in Zug im Steuerparadies der Schweiz und zweifellos im Sitz von vielen Multis, die eben, verzeihen Sie mir die Wortwahl, Dreck am Stecken haben und sich daher verständlicherweise fürchten. Dass sich alle Firmen Mühe geben, sollen Fehler zu vermeiden, wie in einem Leserbrief behauptet wird, ist für mich eine freche Lüge. Dass Betriebe in der freien Marktwirtschaft die Gewinne zu maximieren suchen, bisweilen mit allen erdenklichen Mitteln, solange man sie nicht belangen kann, weiss jedes Kind und wird regelmässig von mutigen Journalistinnen und Whistleblowern thematisiert, die sich Don-Quijote-mässig gegen die Übermacht von Firmenlobbies auflehnen, wie beispielsweise im Falle von Néstle geschehen (dies wurde von Herrn Risi als Beispiel ins Feld geführt). Dass sich Multis oft aus der Verantwortung freikaufen können, ist ein anderes Thema. Übrigens: Die Behauptung des polemischen Flugblattes, welches in zahlreiche Schweizer Haushalte geflattert ist, dass die KVI 80000 Firmen treffen wird, ist so aus der Luft gegriffen wie die restliche Argumentation. Ich kann nur gebetsmühlenartig wiederholen, was die sorgfältig durchdachte und mit viel Beherztheit aufgegleiste Initiative von Anfang an betont: Es wird nur jene treffen, bei denen es eben nicht reicht auf Selbstverantwortung zu plädieren. Dass eine Schweizer Initiative auf nationaler Ebene nicht gleichzeitig global alle anderen Firmen ebenfalls zur Verantwortung ziehen kann, sollte leider klar sein. Allerdings ist dies kein Argument dagegen, dass es Zeit ist, als eines der wohlhabendsten Länder der Welt endlich mal in Eigenverantwortung einen Schritt in die einzig richtige Richtung zu unternehmen. Und dass die vom Flugblatt zitierten «Entwicklungsländer» etwas dagegen haben könnten, von der Wirtschaft etwas mehr Gerechtigkeit zu erfahren, halte ich ebenfalls für eine hanebüchene Behauptung. Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen, als Schweizer Staat, jetzt, weltweit.

Max Gnant, Schauspieler, Zürich


Nein, wir haben keine perfekte Welt und werden sie wohl auch nie haben. Hand aufs Herz: Nur jemand, der selbst noch nie eine Schaufel in den Händen gehalten hat, glaubt, dass ein Kind in einer Mine Kosten einsparen kann. Es wäre wünschenswert, wenn die Non-Profit-Organisationen (NGO) den Ländern und Menschen vor Ort mehr Hilfe zur Selbsthilfe anbieten würden. Ich wage zu behaupten, dass die Firmen, welche aus der Schweiz arbeiten und weltweit tätig sind, nicht nur hier Arbeitsplätze schaffen und ihren Beitrag leisten, sondern auch in den betreffenden Ländern. Ich bin überzeugt, dass diese internationalen Schweizer Firmen mehr vor Ort leisten für die Arbeitnehmer, für ihre Familien und ihre Umwelt als so manche NGO. Zudem bin ich überzeugt, dass die Schweizer Firmen einen höheren Anspruch an Qualität, Ethik, Verbindlichkeit und Ausbildung aufweisen, als oft lokale Firmen und korrupte Systeme. Es wäre an der Zeit etwas mehr Demut und Dankbarkeit zu zeigen, als revolutionär-politisches Kapital schlagen zu wollen auf Kosten unserer Errungenschaften, unserer Sicherheit und unseres Wohlstands. Misserfolg und Mittellosigkeit ebnen den Weg zur Verantwortungslosigkeit, ähnlich wie die verbitterte politische Meinung, dass der Kapitalismus nur schlecht ist. Damit dieser Gegenvorschlag des Bundes angenommen wird, stimme ich am 29.November klar Nein zur Konzernverantwortungsinitiative.

Niko Trlin, Zug