Leserbrief

Lesermeinungen zur Situation um die Coronakrise

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Restaurants müssen per Notrecht schliessen und bleiben ohne Umsatz auf ihren hohen Fixkosten hängen. Die Löhne werden nur zum Teil über Kurzarbeit finanziert, aber die Miete und Nebenkosten? Die Mietzahlung an den Vermieter muss voll vom staatlich garantierten Darlehen bezahlt werden, das der Mieter wahrscheinlich nie mehr zurückzahlen kann und deshalb irgendwann Konkurs anmelden muss. Die Vermieter reiben sich die Hände, die Miete wird ohne irgendein Risiko eingenommen, bezahlt über staatlich gesicherte Darlehen an den Mieter. Im Regen stehen nur die Restaurantbetreiber. Wo bleibt da die schweizerische Solidarität? So geht es nicht, der Bundesrat muss nachbessern.

Gerhard Musshafen, Risch


Darf man in den heutigen Tagen, daran erinnern, wie viel für Waffen ausgegeben wird (USA im letzten Jahr 649, gefolgt von China mit 250 Milliarden), dass von den weltweit über 2000 Milliardären, allein die Reichsten 62 so viel besitzen wie die ärmere Hälfte auf unserem Globus, dass, wie schon immer, sinnlose Religionskriege geführt werden mit Abermillionen von Toten oder, dass die Zerstörung der Regenwälder, den einstmals grossen Lungen der Erde, von Brasilien über den Kongo bis nach Südostasien unvermindert weitergeht?

Nein und nochmals nein! Denn zuerst gilt es jetzt die weltweite Coronaseuche zu überwinden. Dann wird angeblich so manches anders. Ja alles, denn der Glaube stirbt bekanntlich zuletzt, wird dann gar gut ...

Urs Diethelm, Zug


Ich habe in meinem Leben mich vor allem mit Juristerei, Politik und Journalismus beschäftigt und merke im Moment, dass alle drei Gebiete ein sehr wichtiges Element umfassen: Man arbeitet für das Gesamte und muss die notwendige Distanz zum Einzelfall aufrechterhalten! Die schlechtesten Gesetze sind diejenigen, welche wegen eines Einzelfalles entstehen. Natürlich ist es tragisch, wenn ein Jugendlicher stirbt und natürlich tut es weh, wenn man über einen Mord an einem Kind berichten muss und es belastet, wenn man über einen Sexualverbrecher urteilen muss oder gar einen verteidigen sollte. Es belastet auch, wenn Eltern in einer Scheidung die Kinder gegeneinander ausspielen.

In der Politik muss man die Einzelfälle ausblenden, man macht Gesetze, welche allgemeingültig sei müssen. Hier ist eine professionelle emotionale Distanz gefragt. Zu viel Nähe vernebelt den Sinn. Auch im Journalismus muss man über den Einzelfall stehen und das Gesamte sehen.

Zu viel emotionale Nähe verhindert eine genaue Analyse und ein sauberes Urteil.

Überall hat zu viel emotionale Nähe noch einen anderen Nachteil: Ohne eine gesunde Distanz frisst einen der Beruf auf und man gerät sehr schnell in ein Burn-out. Ein Pflegender, der dies nicht einhält, hält nicht lange durch und geht kaputt.

Das heisst nicht, dass man gefühllos sein muss, man muss aber eine professionelle Distanz bewahren, um sich und sein Umfeld zu schützen und nicht falsche Entscheide zu treffen. Gefühle sind wichtig, aber sie dürfen nicht die Oberhand gewinnen.

Wenn ich analysiere, wie momentan entschieden und kommentiert wird, dann haben Gefühle die Oberhand. Es fehlt an Distanz und saubererer Analyse. Diese ist jedoch in Krisenzeiten notwendig, so weh es tut. Ich wünschte, unser Bundesrat würde endlich weniger emotional dafür mehr professionell agieren. Das wäre seine Aufgabe, auf Gefahr hin, dass man ihm vorwirft, er sei gefühllos. Wer diesen Vorwurf jedoch nicht erträgt, hat weder in der Juristerei noch im Journalismus, geschweige denn in der Politik was zu suchen und auch Pflegende und andere soziale Berufe bedingen diese Distanz. Nur so kann man überleben und richtige Entscheide fällen.

Michel Ebinger. Rotkreuz