LETZIBUZÄLI: Die Zuger Fasnacht steht auf der Kippe

Die Zunft der Letzibuzäli erhält für ihre Fasnacht keinen Zustupf von der Stadt. Jetzt gibts Krisensitzungen.

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Fasnachtsumzug der Letzibuzäli im Jahr 2008. (Bild Bruno A. Arnold/Neue ZZ)

Fasnachtsumzug der Letzibuzäli im Jahr 2008. (Bild Bruno A. Arnold/Neue ZZ)

«Richtige Fasnächtler» sind schon seit dem 11. 11., 11.11 Uhr in den Startlöchern: Es wird an den Instrumenten geübt, es wird gehämmert und gesägt, geschnitten und genäht. Doch in Zug ist die Fasnacht in Gefahr: «Wir wissen momentan noch nicht, ob wir die Fasnacht durchführen», sagt Richard Rüegg, Zeremonius der Zunft der Letzibuzäli (siehe Box). Denn der Antrag für einen finanziellen Zustupf für die kommenden Jahre wurde vom Grossen Gemeinderat der Stadt Zug (GGR) während der Budgetdebatte abgelehnt. Es ist dabei um einen jährlichen Beitrag von 25'000 Franken gegangen.

Nächsten Montag nun wird die Zunft eine nächste Krisensitzung abhalten. «Dann werden wir auch nochmals auf die Stadt zugehen. Vielleicht gibt es ja noch eine Lösung mit einem einmaligen Beitrag oder einer Defizitgarantie», sagt Rüegg. Sicher ist nur, dass der Fasnachtsumzug am Samstag, 13. Februar, stattfinden wird. «Aber wie und ob wir die Lebuzenmeile, die dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt worden ist, wieder auf die Beine stellen, wissen wir noch nicht», sagt Rüegg.

40'000 Franken Defizit
Denn die Zunft habe fest mit dem Beitrag der Stadt gerechnet, ergänzt er. Das Problem seien die festen Verpflichtungen, die die Zunft schon habe eingehen müssen. So seien zum Beispiel für die Lebuzenmeile bereits Musikformationen verpflichtet worden. «Und die bestellten Orangen und Süssigkeiten müssen wir natürlich abnehmen und bezahlen.»

80'000 Franken kosteten der Umzug und die Lebuzenmeile, rechnet Rüegg vor. Die Einnahmen lägen aber inklusive des Plakettenverkaufs und der Einnahmen aus dem Restaurationsbetrieb bei nur gerade 40'000 Franken. «Das Vereinsvermögen ist nach dem Defizit dieses Jahres dramatisch geschmolzen», beschreibt der Inhaber eines Elektrounternehmens die momentane Situation.

Doch wer kommt für diese Fehlbeträge auf? «So komische Unternehmer wie zum Beispiel ein Glaser und ein Elektromensch haben bislang einen Teil der Differenz bezahlt», witzelt der Prinz des Jahres 2003. Der Verkauf der Plaketten habe in den letzten Jahren nachgelassen, und die Zunft habe neu auch eine Kunststoffausführung für 5 Franken herstellen lassen. Der Mitgliederbeitrag für die 200 Fasnachtsbegeisterten betrage 70 Franken. «Damit lässt sich natürlich nicht viel machen» Mit Tombolas, Fahnen und Losen habe bislang ein grosser Anteil der Unkosten generiert werden können, so Rüegg. «Doch diese Aktionen können wir nicht jedes Jahr wiederholen. Wir leisten seit 27 Jahren Fronarbeit. Das kanns ja nicht sein.» Auch von einem markant höheren Beitrag für den Letzibuzäli-Prinzen – in Baar kostet das Amt bedeutend mehr –, will Rüegg nichts wissen. «Unser Prinz muss nicht auf Rosen gebettet sein. Prinz soll auch ein Normalsterblicher werden können, der Freude an der Fasnacht hat.»

«Fasnacht ist für mich Kultur fürs Volk», betont Rüegg. Jeder könne mitmachen – die Fasnacht sei absolut nicht elitär. Und seine Worte will der Fasnachtsfan keinesfalls gegen die anderen – zum Teil kulturellen – Veranstaltungen verstanden wissen. «Ich finde es gut, dass der Märlisunntig 45'000 Franken und die Feuerwehr 75'000 Franken jährlich für ihre Veranstaltungen von der Stadt bekommen. Wir wollen nur gleich behandelt werden.» Er sei der Erste, der einen Beitrag zurückgeben würde, betont Rüegg. Im Moment gehe es vor allem darum, die Lebuzenmeile profitabel zu gestalten, was erfahrungsgemäss eine gewisse Zeit brauche. «Denn mit der Lebuzenmeile wollen wir künftig die Kosten für die ganze Fasnacht einspielen.»

Stadtpräsident schürt Hoffnung 
«Ich kann mir gut vorstellen», macht Stadtpräsident Dolfi Müller den Fasnächtlern Mut, «dass wir einen angemessenen Betrag an die Letzibuzäli-Zunft für das Jahr 2010 sprechen.» Der Stadtrat habe diese Kompetenz. Klar, der Betrag müsse geringer sein als der, welcher vom GGR verworfen worden sei. Eine Idee ist zudem, beispielsweise einen Sammelbetrag für die fünfte Jahreszeit in der Stadt zu sprechen. «Die Fasnacht ist für mich in einem gewissen Sinne Kultur und Tradition zugleich», sagt Müller. «Und für 2011 müssen die Letzibuzäler uns halt ein gescheites Gesuch einreichen.»

Charly Keiser