Leute demonstrieren, weil sie unzufrieden sind

«Präventivhaft für Coronaverschwörer?», Ausgabe vom 20. Mai

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Bin ich da in einem Science-Fiction-Film? Bürger dieses Staates sollen durch Haft mundtot gemacht oder umerzogen werden? Ich dachte, wir hätten Meinungsfreiheit im Grundgesetz. Laut dem obigen Artikel sollen Personen, welche also nicht derselben Ansicht sind wie die Regierung oder der Mainstream, als mögliche Terroristen oder Gefährder eingestuft werden. Der Mensch ist ein Individuum und daraus resultieren unterschiedliche Meinungen. Und was ist schon richtig oder falsch? Wer masst sich an, dies zu beurteilen? Im täglichen Leben akzeptieren wir dauernd andere Positionen, sei dies in der Ehe, in Projekten, bei der Arbeit, in Verbänden, in der Politik et cetera, und finden Kompromisse oder pragmatische Lösungen.

Ist in den letzten Wochen durch Unsicherheit, Unwissen, Machtdemonstration, Repressalien an Andersdenkenden und eingeschränkten/verbotenen Grundrechten nicht schon genug Schaden angerichtet worden? Schon jetzt scheint die Bevölkerung in zwei Lagern zu stehen. Die Shutdown-Massnahmen haben viele Gemeinschaften auseinandergerissen, die Mitglieder ganzer Familien sprechen teilweise nicht mehr miteinander, Freundschaften gingen verloren und Coop hat als Moralapostel sogar Lieferanten gekündigt. Auch die Wirtschaft masst sich nun an, welche Meinungen bestraft oder belohnt werden sollen. So, liebe Parlamentarier, sieht es in der täglichen Realität aus.

Wenn Leute demonstrieren, dann weil sie unzufrieden sind. Weil sie mutig aufstehen und Gehör haben wollen und sogar in Kauf nehmen, sich strafbar zu machen, weil dieses Grundrecht mit dem heutigen Notrecht nicht besteht. Wie sollen sie sich sonst bemerkbar machen? Nicht alle nicken automatisch mit dem Kopf, das ist Teil der Vielfalt der Menschheit. Und wenn ich in den Medien lese, wer da anscheinend tonangebend bei Demonstrationen und bei Social Media ist, dann werde ich wütend, weil alles verzerrt und sensationsgerecht beleuchtet ist. Man sagt, dass es die Ansichten der Rechten und der Linken braucht, damit die Politik dann in der Mitte gemacht wird. Aber mit diesen Plänen haben wir «1984» im Reinformat. Die Elite, wer immer das sein mag, bestimmt, was zu denken und zu tun ist – genau wie in China und anderen Staaten dieser Welt. Und dahin steuern wir mit jeder neuen Freiheitseinschränkung. Es macht mich unsäglich traurig.

Marion Russek-Darphin, Steinhausen