LGBTQ
Gewalt und Hass gegen queere Menschen: Wie gross ist das Problem im Kanton Zug?

Queere Menschen werden bis heute Opfer von Gewalt und Diskriminierung, erst vor 22 Jahren strich man Homosexualität aus dem Verzeichnis für Krankheiten. Handlungsbedarf für mehr Toleranz besteht noch immer – auch im Kanton Zug laut der SP-Fraktion.

Vanessa Varisco Jetzt kommentieren
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Anfeindungen gegen queere Menschen: Homo-, Bi- und Transsexuelle werden bis heute immer wieder Opfer von Gewalt aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Diese Woche, am 17. Mai, wurde deshalb der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie respektive -feindlichkeit begangen. Denn erst am 17. Mai 1990 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten gestrichen.

Diesen Tag nahm die Zuger SP-Fraktion zum Anlass, der Regierung Fragen zur Situation von queeren Menschen im Kanton zu stellen. Sie reichte die Interpellation betreffend «Umgang mit Diskriminierung von und Gewalt gegen sexuell-orientierte und geschlechtliche Minderheiten – Haltung zu zeigen, ist gut. Griffige Massnahmen und ein kantonaler Aktionsplan sind besser» ein.

Das Thema betrifft viele, zeigt sich die Fraktion überzeugt. «Es geht um viele Menschen, die bis heute Diskriminierung, Hass und Gewalt erfahren haben oder verleugnet werden. All das, weil ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht gewissen gesellschaftlichen Vorstellungen und Idealen entsprechen.»

Der Berichterstattung von SRF am 17. Mai konnte entnommen werden, dass die LGBT+-Helpline in der Schweiz allein im Jahr 2021 insgesamt 92 Hass-Übergriffe verzeichnete. Das entspreche im Schnitt zwei Fällen pro Woche, was einer Zunahme von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute. Die SP findet:

«Dagegen gilt es einzustehen, auch in Zug.»

Wie werden Übergriffe erfasst?

Grundsätzlich dreht sich in der Interpellation alles um die übergeordneten Fragen, ob man im Kanton Zug von Diskriminierung und/oder Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer Sexualität weiss, und wie man dem vorbeugen könnte. So will die SP konkret wissen, inwiefern die Regierung und Verwaltung oder private Stellen Kenntnis von Gewaltopfern oder Diskriminierung aufgrund von Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie haben?

Ein weiteres wichtiges Organ gegen solche Gewalt ist die Polizei. Die Interpellanten wollen ausgeführt haben, inwiefern die Zuger Polizei diese Diskriminierung und solche Übergriffe erfasst? Ausserdem:

«Welche Überlegungen liegen der bestehenden Praxis zum Erfassen und Melden zugrunde?»

Die Interpellanten wollen ausserdem wissen, ob bei der Ausarbeitung von Massnahmen gegen Gewalt Expertinnen und Experten oder zivilgesellschaftliche Organisationen einbezogen werden? Wenn es um die zivilgesellschaftlichen Organisationen geht, will die SP ausserdem weiter ausgeführt haben, ob der Regierungsrat jene unterstützt – und wenn ja, mit welchen Mitteln.

Gibt es Defizite in der Opferhilfe?

Um Hass und Gewalt vorzubeugen, können der Erfahrung nach verschiedene Massnahmen ergriffen werden. Sieht der Regierungsrat Defizite zum Beispiel in Bildung und Aufklärung, Beratung und psychologische Betreuung oder Prävention? Oder in Opferhilfe und Antidiskriminierung im Allgemeinen?

Ausserdem stellt sich für die SP-Fraktion die Frage, falls man Defizite erkenne, wie der Regierungsrat diese beheben wolle und die Dringlichkeit werde. Anders gesagt: «Welche Prioritäten setzt er?»

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