Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Liebe Leserinnen und Leser der Zuger Zeitung

In seinem Aus- und Rückblick plädiert Chefredaktor Harry Ziegler für eine gewisse Gelassenheit, was Erwartungen ans neue Jahr und den Umgang mit den verschiedensten Akteuren und Situationen darin betrifft.
Harry Ziegler
Ruhe und Gelassenheit scheint dieser Fischer vor dem Sonnenuntergang auf dem Ägerisee auszustrahlen. (Bild: Leserbild: Claire Henggeler, Oberägeri)

Ruhe und Gelassenheit scheint dieser Fischer vor dem Sonnenuntergang auf dem Ägerisee auszustrahlen. (Bild: Leserbild: Claire Henggeler, Oberägeri)

«Dass bald das neue Jahr beginnt, // Spür ich nicht im Geringsten. // Ich merke nur: Die Zeit verrinnt.» Diese Zeilen des deutschen Schriftstellers und Satirikers Hans Bötticher, besser bekannt als Joachim Ringelnatz, treffen auf das vergehende Jahr 2018 in hohem Masse zu. Mindestens bei mir. Gesamterneuerungswahlen, Hüst und Hott in der kantonalen Steuerpolitik, die ganze Frage der Cyberwährungen, ein Regierungsrat nicht nur im Visier der Justiz, der NFA, Kleinkram, grosse, weltbewegende Auftritte, Terror, Kriege, aber auch Ruhe, Versöhnung, Freude, Feste. Verschiedene grosse, kleine, negative oder erfreuliche Ereignisse bleiben in Erinnerung – und damit als Einziges vom zu Ende gehenden Jahr übrig. Alles andere, und davon gab es vieles, fällt zum Glück der Vergessenheit anheim.

Oder wissen Sie noch genau, welche Erwartungen Sie am 31. Dezember 2017 für das neue Jahr 2018 hatten? Also ich weiss es nicht mehr. Allfällig gefasste Vorsätze – sie sind ja nichts anderes als Erwartungen an sich selber – habe ich wie gewöhnlich nach wenigen Tagen (sportliche sicher noch in der Neujahrsnacht) verdrängt. Ich habe aber am 31. Dezember 2017 sicher nicht erwartet, dass im Oktober 2018 die Linke aus dem Zuger Regierungsrat gewählt wird. Oder, dass sich die NFA-Diskussion im Laufe des Jahres vom Level der allseits herrschenden Hysterie durch einen Kompromiss etwas versachlichen würde. Und ehrlich: Wer denkt denn am Jahresende ausgerechnet an Politik? Die Auswirkungen derselben, ob kantonal oder eidgenössisch, werden die Betroffenen früher oder später im Jahr sowieso zu spüren bekommen.

Nun will ich um Himmels willen nicht falsch verstanden werden. Ich plädiere weder für Gleichgültigkeit noch Fatalismus oder Desinteresse. Eher für eine gewisse Gelassenheit, was Erwartungen ans neue Jahr und den Umgang mit den verschiedensten Akteuren und Situationen darin betrifft.

Erwartungen sind menschlich

Dennoch: Es ist ja nichts als menschlich, hätten wir nicht gewisse Erwartungen, was im neuen Jahr zu geschehen hat. Beispielsweise, dass der EVZ wieder einmal einen nationalen Titel holt. Im Schweizer Cup liegt dieser in Reichweite. Dort steht man im Final. Und betrachtet man die tabellarische Ausgangslage in der laufenden Meisterschaft könnte sogar der Schweizermeistertitel, letzt- und erstmals errungen 1998, drinliegen. Hopp Zug!

Und wenn dann noch ein Innerschweizer am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug den Königstitel heimschwingt, dann dürften wohl die kühnsten sportlichen Erwartungen übertroffen werden. Gelingt dies nicht, sind Fairness und Gelassenheit angesagt. Dafür entschädigt Ende August das gewaltige Fest sicherlich. Und die Zuger Schwingfans mögen den Nordwestschweizern, Bernern oder Bündnern den Titel gewiss gönnen. Die Erwartung, dass 2019 wohl der letzte grosse Auftritt des eidgenössischen Schwingsports in der Stadt Zug stattfindet, ist aufgrund der herrschenden Wachstumsproblematik in der Stadt wahrscheinlich richtig. Bis zur nächsten Möglichkeit, einen solchen Megaevent abzufackeln, dürfte es in der Stadt Zug und der näheren Umgebung keine entsprechend grosse freie Fläche mehr geben.

Beim Postplatz wird wohl das Gericht entscheiden müssen

Kaum zu irgendwie gearteten Erwartungen Anlass dürfte 2019 jedoch der Streit um die Handhabung der Initiative «Ja zu Gewerbe und Läden in der Altstadt!» in der Stadt Zug geben. Der Schwarze Peter in der Frage, ob die Initiative nach der erfolgreichen Abstimmung wegen Unvereinbarkeit mit übergeordnetem Recht nachträglich für ungültig erklärt wird, diese Karte wird wohl das Gericht aus dem Spiel nehmen müssen. Unfähig, weil unwillig dies zu tun, sind sowohl der Stadtrat als auch das städtische Parlament.

Hohe Erwartungen hingegen müssen die Zugerinnen und Zuger aber bezüglich des neu zusammengesetzten Regierungsrats haben. Zum ersten Mal seit über 90 Jahren ist die Linke nicht mehr in diesem Gremium vertreten. Ob das Regieren in einem rein bürgerlichen Regierungsrat einfacher wird, wird sich 2019 weisen. Im Regierungsrat könnten Entscheide einfacher gefasst werden.

Ob diese Entscheide dann im Kantonsparlament ebenso einfach durchgehen, das ist zu bezweifeln. Zwar werden Alternative-die Grünen und die SP nicht gerade in die totale Opposition gehen. Dazu sind die Mehrheiten im Kantonsrat zu klar bürgerlich. Die Linksparteien werden aber sicher genauer hinschauen und (noch) schärfer auf ihre Anliegen hinweisen. Ob das allerdings im bürgerlich dominierten Kantonsrat, der in Finanzfragen oder sozialen Anliegen auf mindestens jeweils einem Ohr taub ist, zu allseits annehmbaren Lösungen führt?

Eine wichtige Führungsrolle kommt der CVP zu

Der zahlenmässig grössten Kantonsratsfraktion, der CVP, kommt eine wichtige Führungsrolle zu. Vor allem, da sie nicht nur im Kantonsparlament über die meisten Mandate verfügt, sondern auch mit einer Vertreterin und zwei Vertretern im siebenköpfigen Regierungsrat sitzt. Dass die Partei diese Führung in Parlament und Regierung für alle Bürgerinnen und Bürger jeglicher politischer Couleur wahrnimmt, diese Erwartung darf die Zuger Bevölkerung haben. Und da die Partei zwar die meisten Parlamentsmandate hat, jedoch nicht über eine Mehrheit verfügt, wird sie in den kommenden vier Jahren immer nach Partnern suchen müssen. Nur, dass sie diesmal nicht die Mehrheitsbeschafferin ist, sondern als stärkste Fraktion eine Mehrheit beschaffen muss.

Es wäre illusorisch zu glauben, dass 2019 nicht noch weitere Themen auftauchen, die wir jetzt zum Jahreswechsel gar nicht auf dem Radar haben. Aber das macht ja auch immer wieder den Reiz eines neuen Jahres aus – dieser Start ins Ungewisse.

Nun, geschätzte Leserinnen und Leser, sind Sie dran. Was erwarten Sie vom kommenden Jahr? Ich persönlich habe eine einzige Erwartung an Sie – halten Sie uns als Zeitungsleserin und -leser weiterhin die Treue. Das motiviert uns täglich, den mal erfolgreichen, mal weniger erfolgreichen Versuch zu wagen, uns an Ihren Erwartungen messen zu lassen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns 2019 wieder in schöner Regelmässigkeit begegnen – persönlich oder über unsere Zeitung.

Fürs kommende Jahr wünsche ich Ihnen im Namen der ganzen Redaktion der Zuger Zeitung, Gesundheit, Glück, Erfolg, Liebe und Ruhe und ganz besonders eine gute Portion Gelassenheit.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.