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Lieder der Heimat – brillant vorgetragen

Die Luzerner Weltklasse-Sopranistin begeisterte am Sonntag im Theater Casino Zug mit Liedern aus der Heimat.
Haymo Empl
Die Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann im Casino Zug. Bild: Maria Schmid (3. November 2019)

Die Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann im Casino Zug. Bild: Maria Schmid (3. November 2019)

Am Sonntag wurde das Publikum von alten Schweizerliedern aus der Romantik umgehauen. Anders kann es kaum formuliert werden, denn die stimmliche Präsenz und die damit verbundenen Superlative vom Programm «Lieder der Heimat» machten sprachlos.

Regula Mühlemann wurde 1986 in Adligenswil geboren und hat in Luzern studiert. Für internationales Aufsehen sorgte sie erstmals als Ännchen in Jens Neuberts Kinoversion von Webers «Freischütz». Seither ist sie auf vielen grossen Bühnen gefragt und wer sie live erleben darf, weiss auch weshalb. Das junge Talent versteht es, das Publikum nicht nur als singender Superlativ zu beeindrucken, sondern Regula Mühlemann trifft mit ihrem Charme, Ausdruck und ihrer Stimme direkt ins Herz. Am Sonntag konnte sich die Audienz im vollen Festsaal des Theater Casino bei «Lieder der Heimat» überzeugen.

Musikalisches Heidi

Alleine dieser Titel impliziert, dass das musikalische Thema sich um die Romantik dreht und bei genauerem Hinsehen auf das Programmheft wird dieser Eindruck bestätigt. Regula Mühlemann spricht mit ihrer Wahl genau diese Epoche im 19. Jahrhundert an. Das typische Bild dazu: Blumenwiese mit jungem Mann als Wanderer auf einem Felsen. Für das musikalisch romantisierte Bild der Natur steht exemplarisch Franz Schuberts «Der Hirt auf dem Felsen» oder das von Regula Mühlmann vorgetragene «Im Frühling» (D. 882). «Still sitz’ ich an des Hügels Hang/der Himmel ist so klar/das Lüftchen spielt im grünen Tal» sagt eigentlich alles. Vorgetragen von Regula Mühlemann an diesem dunklen Sonntagabend, lässt sich nachvollziehen, warum die «Romantik» derart beliebt war und ist.

Dass das Programm «Lieder der Heimat» so attraktiv war, ist – natürlich – der jungen Sängerin und ihrer Stimme zu verdanken. Aber auch, weil sie klug programmiert hatte. Regula Mühlemann dazu: «Für mich ist Franz Schubert und das damit verbundene Bild der Romantik so quasi das musikalische Heidi und galt daher als gesetzt». Danach habe die eigentliche Arbeit begonnen: Regula Mühlemann hatte sich erkundigt, was es denn für helvetische Komponisten gab und gibt, die romantische Lieder komponiert haben. «Es sind massiv mehr, als wir gedacht hatten», erklärte sie am Sonntag dem Publikum. «Bestimmt ein Meter an fertigen Kompositionen, Noten und Partituren». Dennoch fehlen bekanntlich ein Zuger Bach oder ein Zürcher Schubert. Auch hier gibt es eine einfache Erklärung, die Regula Mühlemann und Team im ausführlichen Programmheft wiedergeben: «Die Schweizer Komponisten mit Ausstrahlung fehlen, weil es hier keine stilprägende Zentren gab, wie wir sie von Frankreich oder Italien an Fürstenhöfen oder in Grossstädten kennen».

Helvetisches Liedgut

Nach Franz Schubert und der darauffolgenden Einführung von Regula Mühlemann dann die erste rein helvetische Komposition. «Noch sind die Tage der Rosen» aus «Vier Lieder» op. 24 von Wilhelm Baumgartner (1820-1867). Die Komposition war geradezu genial für ihre Stimme. Sie ist als Sängerin geerdet, ihre Stimme aber bereits weit abseits davon. Ein absoluter Genuss in breitem Spektrum mit einem Schalk, der bestehen bleiben wird.

Später dann Othmar Schoeck. Ein Urschwyzer! Er verpflichtete sich bis zu seinem Tod 1957 der Romantik und sein Nachlass ist eine wahre Perle; seine Kompositionen sind bedeutend und werden leider viel zu selten aufgeführt. Geboren in Brunnen und stilistisch in geradezu grandioser Weise der deutsch-österreichischen Spätromantik» verpflichtet hätte er sicher unglaubliche Freude gehabt, wenn er jemals die Gelegenheit gehabt hätte «In der Fremde» in der Rezitation von Regula Mühlemann zu hören.

Die junge Künstlerin schaffte es am ganzen Konzertabend das Publikum auf faszinierende, unaufdringliche Weise in Bann zu ziehen. Es war nicht nur ihre Stimme, sondern die Freude an der Musik. Ein Funke, der innerhalb weniger Minuten zu einem Feuer wurde und mit stimmlicher Brillanz den ganzen Saal entzündete.

Jugendlicher Charme mit aussergewöhnlichem Talent in Kombination mit einem Programm Schweizer Kunstmusik: Das schreit nach mehr. Nicht nur beim Publikum, welches am Sonntag anwesend war, sondern nach den grossen Bühnen der Welt. Regula Mühlemann wird bald wirklich überall zu hören sein, bei diesem stimmlichen Strahlen ist das so gut wie sicher.

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