Lindencham
Der «Rosengarten» soll seinen ganz besonderen Charme unter neuer Führung behalten

Die Gemeinde Cham sucht nach einem neuen Pächter für ihr Lokal, ausserdem hat sie eine Sanierung geplant. Damit setzt sie sich einer kniffligen Herausforderung aus.

Raphael Biermayr
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Für dieses Lokal ist das ein Qualitätsmerkmal: Der «Rosengarten» in Lindencham taucht – von Google abgesehen – auf keinem der einschlägigen Bewertungsportale auf. Das braucht er auch nicht. Wer ihn kennt, weiss, was er an ihm hat. Er ist eine Beiz im besten Sinne, mit viel Holz und wenig Überraschungen, mit einer hohen Büezerdichte und tiefen Tischen, mit Qualm und einem rau-ehrlichen Charme und freitags Fisch als Menu 1. Und er darf sich des vermutlich zackigsten Mittagsservice weit und breit rühmen. Suppe, Salat, Hauptgang und Kaffee sind in 20 Minuten aufgetischt. Wer langsam isst, sieht schon mal mehrere Gänge zusammen vor sich stehen.

Das Restaurant Rosengarten und die nebenstehende Scheune gehören seit 2009 der Gemeinde Cham.

Das Restaurant Rosengarten und die nebenstehende Scheune gehören seit 2009 der Gemeinde Cham.

Bild: Matthias Jurt (Lindencham, 20. Januar 2021)

Diese Zeilen müssen in der Vergangenheitsform stehen. Nicht nur wegen der pandemiebedingten Restaurantschliessung. Sondern weil das Schicksal plötzlich zugeschlagen hat. Denn das Pächterpaar Benz wollte erst Ende Juni 2021, nach 25 Jahren im «Rosengarten», in Pension gehen. Doch im Dezember starb Kari Benz. Deshalb ist die Gemeinde Cham, der das Gebäude an der Sinserstrasse 100 gehört, schon jetzt auf der Suche nach einem neuen Pächter. Das ist dem Amtsblatt zu entnehmen.

Im Inserat steht, dass das Lokal nach Art der Vorgänger weitergeführt werden soll. Das heisst:

«Der neue Pächter sollte die Tradition der gutbürgerlichen Küche fortsetzen.»

Das erklärt Basil Stocker, der Projektleiter Hochbau/Liegenschaften der Gemeinde. Er sagt auch, dass der Charme des Restaurants beibehalten werden solle. Dennoch stünden Umbauarbeiten bevor. «Wir wollen den Gastraum und das Säli sanieren und heller machen.» Das klingt nach einem Widerspruch zum Ziel, das Ambiente nicht zu verändern. «Das Ziel ist eine Auffrischung, aber der ‹Rosengarten› soll eine Beiz bleiben», führt Basil Stocker aus.

Seit weit über 100 Jahren wird gekegelt

Auch die legendenumrankte Kegelbahn, die sich als Besonderheit in einem eigenen Gebäude nebenan befindet, solle erhalten bleiben. Das Onlinelexikon chamapedia.ch weist nach, dass hier bereits in den 1890er-Jahren «Kegel geschoben» wurden, wie es damals in einem Zeitungsinserat hiess.

Aussergewöhnlich: Die Kegelbahn befindet sich in einem separaten Gebäude (im Vordergrund).

Aussergewöhnlich: Die Kegelbahn befindet sich in einem separaten Gebäude (im Vordergrund).

Bild: Matthias Jurt (Lindencham, 20. Januar 2021)

Gestaffelte Miete ist ein Thema

Weil seit längerem bekannt gewesen war, dass in diesem Jahr ein Pächterwechsel bevorsteht, habe man laut Stocker schon vor der Ausschreibung im Amtsblatt zwei Bewerbungen erhalten. Seither ist – nach Stand am 19. Januar – eine weitere hinzugekommen. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 28. Februar. Danach wird der Gemeinderat die Person bestimmen, die ab 1. Juli oder nach Vereinbarung den «Rosengarten» neueröffnen wird.

Die neue Pächterin oder der neue Pächter soll Erfahrung in der Gastronomie vorweisen können, dürfe aber gemäss Basil Stocker auch jüngeren Alters sein. Er sagt, ohne Zahlen zu nennen:

«Wir versuchen, über einen attraktiven Mietzins einen grossen Kreis von Interessenten anzusprechen.»

Der Zins werde zwar weiterhin umsatzunabhängig sein, doch man erwäge eine Staffelung, um den Einstieg zu erleichtern.

Einnahmen für die Gemeinde

Das rustikale Restaurant, das längere Zeit auch von Mitgliedern der im Kanton Zug bekannten Gastrofamilie Ruckli geführt wurde, gehört der Gemeinde Cham seit dem Jahr 2009. Zum Kauf bewogen haben sie nicht zuletzt die ehemaligen Hotelzimmer über dem Lokal. Darin finden sich heute nämlich eine Sozialwohnung für Familien sowie vier Zimmer und ein Gemeinschaftsraum für in Not geratene Einzelpersonen.

Ausserdem gehört zum Gelände eine Scheune, die zu einem Teil vermietet wird. So erzielt die Gemeinde laufend Einnahmen und bewahrt im Gegenzug eine der letzten Beizen auf ihrem Gebiet vor dem Ende.

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