LINDENCHAM: Schachwelt schaut auf Cham

Heute beginnt im Hotel Swissever das Wimbledon-Turnier der Schachspieler. Schon bei der Auslosung geht es ernst zu und her.

Marco Morosoli
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Starten heute um 14 Uhr zum Renova Group Grand Prix: Alexander Morozevich (von links), Fabiano Caruana, Rustam Kasimdzhanov und Sergey Karjakin. (Bild Werner Schelbert)

Starten heute um 14 Uhr zum Renova Group Grand Prix: Alexander Morozevich (von links), Fabiano Caruana, Rustam Kasimdzhanov und Sergey Karjakin. (Bild Werner Schelbert)

«Es ist das beste Turnier, welches je in der Schweiz stattgefunden hat. Das ist einmalig», sagt Werner Rupp. Und er muss es wissen. Er ist Präsident des Innerschweizer Schachverbandes und betreibt zudem mit seinem Bruder Roland ein Schachmuseum in Kriens. Auch Willi Dürig, Präsident des Schachklubs Zug, schwelgt: «Es ist fast so, wie wenn Wimbledon in der Schweiz stattfinden würde.» Dabei ist, was den Tennisspielern der heilige Rasen im Londoner Vorort ist, in Lindencham wesentlich billiger zu haben: ein Brett mit 64 Feldern und 16 schwarzen und ebenso vielen weissen Figuren. Deshalb war es auch möglich, das ursprünglich in Lissabon geplante Turnier in kürzester Zeit nach Cham zu zügeln (wir berichteten). Der russische Unternehmer Viktor Vekselberg und seine Renova-Group machten den Ortswechsel möglich.

Das Treffen der Besten

Und es sind die Besten gekommen. Teimor Radjabov (Aserbaidschan), Sergey Kajakin (Russland), Fabiano Caruana (Italien) und Veselin Topalov (Bulgarien) mögen den meisten Schweizern zwar nichts sagen. In der internationalen Schachszene sind die vier und ihre acht Kollegen bestens bekannt. Sie kämpfen ab heute 14 Uhr im Hotel Swissever in Cham am Renova Group Grand Prix um Punkte. Jeder ihrer Züge wird auf allen fünf Erdteilen genau beobachtet, weiss Werner Rupp zu berichten. Kaum sei ein solches Turnier eröffnet, werde in Schachforen jeder Zug der Besten der Besten in diesem ältesten Brettspiel der Welt genau untersucht und analysiert.

Die Schachspieler selber reisen immerfort über die sieben Weltmeere. Der 21-jährige Fabiano Caruana ist ein solcher Kosmopolit. Der zweitjüngste Spieler am Turnier ist in den USA geboren, startet für Italien und hat während längerer Zeit in Lugano gelebt. Jetzt bezeichnet die Nummer sieben der aktuellen Schachweltrangliste den Ort, wo er gerade spielt, als seine Bleibe. Bis am 1. Mai ist dies demnach Cham.

Tourismuswerbung für Zug

Urs Raschle, Geschäftsführer von Zug Tourismus, findet es deshalb toll, dass jetzt durch die weltbesten Schachspieler der Name, den er vermarkten hilft, überallhin getragen wird. Passend dazu steckten die Nummern bei der Auslosung der ersten Paarungen gestern in einem Modell des Zuger Zytturms, welches alle zwölf Spieler ausgehändigt erhalten. Und die Breitenwirkung des Schachturniers für den Platz Zug ist dabei durchaus nicht zu unterschätzen: Mögen sich lokal nicht so viele für diesen Kampf der Titanen in der Provinz interessieren, global hat er durchaus grossen Stellenwert. Zum Beispiel sei, so sagt Schachjournalist Werner Rupp, in Armenien Schach ein Schulfach. Und auch in vielen vorderasiatischen Staaten ist Schach wichtiger als Fussball.

In Cham werden die zwölf Spieler bis am 1. Mai gegen jeden der Konkurrenten einmal spielen. Unter ihnen befinden sich die ehemaligen Weltmeister Ruslan Ponomariov (Ukraine) und Veselin Topalov (Bulgarien). Für den Südosteuropäer ist das Turnier eine willkommene Gelegenheit, sich wieder ans Brett zu gewöhnen. Topalov: «Ich habe seit November kein Turnier mehr bestritten und auch nicht mehr so oft trainiert.» Nimmt alles den gewohnten Gang, «sitze ich pro Tag rund fünf Stunden am Brett», so der Bulgare.

Im ersten Spiel wird er gegen Anish Giri spielen. Der 19-Jährige ist der jüngste Spieler am Weltklasseturnier im Ennetsee. Es trifft dabei also Erfahrung auf Jugend. Topalov will unbedingt gewinnen. Doch die anderen haben wohl das gleiche Ziel. Es gibt schliesslich 300 000 Franken zu verteilen.