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LITERATUR: Der Zuger Architekt Josef Stöckli und sein Werk

Der Chamer Josef Stöckli rekapituliert sein schaffensreiches Leben in Buchform – tiefgründig und sehr persönlich. Deshalb verzichtet er ganz bewusst auf die «Sprache der Architekten».
Andreas Faessler
Josef Stöcklis Leben und Werk ist in Buchform erschienen. Der «Laubenhof» im Hintergrund gehört zu seinen grossen Bauprojekten im Kanton Zug. (Bild: Maria Schmid (Zug, 21. November 2017))

Josef Stöcklis Leben und Werk ist in Buchform erschienen. Der «Laubenhof» im Hintergrund gehört zu seinen grossen Bauprojekten im Kanton Zug. (Bild: Maria Schmid (Zug, 21. November 2017))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Mit Architektur lassen sich besonders gut sichtbare Zeichen setzen. Nicht selten wird das Erscheinungsbild einer Stadt oder einer ganzen Region von ein paar wenigen kreativen Köpfen nachhaltig geprägt. Der Chamer Architekt Josef Stöckli gehört zu den einflussreichen Exponenten des Kantons Zug. Ihm sind besonders wegweisende und nachhaltige städtebauliche Würfe zu verdanken.

Von den nahezu 40 Bauprojekten allein im Kanton Zug sind insbesondere die Hochhaussiedlung Alpenblick in Cham anzuführen sowie die Zentrumsüberbauung ebenda mitsamt Lorzensaal. Die Waldmannhalle in Baar oder der «Laubenhof» in der Stadt Zug sind weitere Beispiele prominenter Schöpfungen des schaffenskräftigen Chamers, dessen Werk vom Kunsthistoriker Josef Grünenfelder als «einfache, schlüssige Architektur, die Nützlichkeit, Beständigkeit und anmutige Gestalt in Einklang bringt», gewürdigt worden ist.

«Architekturschau der besonderen Art»

Jetzt blickt der pensionierte Chamer auf sein Lebenswerk zurück – in Buchform. «Josef Stöckli – Werkgeschichte eines Architekten» ist jedoch weit mehr als eine herkömmliche Monografie. Es ist – so nennt es der für das Vorwort und Lektorat verantwortlich zeichnende Zuger Historiker und Autor Heinz Greter – eine «Architekturschau der besonderen Art». Der Fokus ist nicht einzig auf die Baute des Urhebers gerichtet, sondern die autobiografische Komponente erhält ebenso viel Gewicht, indem Stöckli als erzählende Person in Erscheinung tritt und aus der Ich-Perspektive sein Leben und Wirken betrachtet. «Ich verzichte dabei bewusst auf die ‹Sprache der Architekten›», sagt er. Damit will er die breite Leserschaft abholen. Das gelingt ihm hervorragend: In lockerer Erzählweise lässt Josef Stöckli den Leser an seinem abwechslungsreichen Leben teilhaben, reichert den Text mit zahlreichen Anekdoten, reizenden Begebenheiten und Gedanken aus seinem tiefsten Inneren an, was der Autobiografie eine besonders persönliche Note verleiht.

Stöckli gibt dem Leser im Verlauf der Lektüre Antworten auf zentrale Fragen, die aus seiner Sicht zu komplex sind, um sie in ein, zwei Sätzen abzuhandeln. Etwa die Frage nach «guter Architektur». Dies sei stark persönlich gefärbt, meint Stöckli hierauf. «Architektur folgt gewissen Regeln und Traditionen und ist ebenso abhängig von Bewegungen und Strömungen. Wichtig sind gute Proportionen, Materialien und Detaillierungen.» Der Chamer vermittelt im Buch seine Idee von guter Architektur subtil, aber nachvollziehbar.

Prägende Englandjahre

Einen Hauptabschnitt im Buch widmet Josef Stöckli seinem jahrelangen Aufenthalt in England, der ihn und sein Schaffen stark geprägt hat. Der Zuger erhielt nach seinem Studium in London die Gelegenheit zur Mitarbeit im Büro vom bedeutenden schottischen Architekten Basil Spence (1907–1976). Eines dessen berühmtesten Werke war der Neubau der von Kriegsbomben zerstörten Kathedrale zu Coventry. Spence übertrug Josef Stöckli die Verantwortung für die Bauausführung des hochambitiösen Projektes – eine grosse Ehre für den jungen Architekten aus Cham. «Die Jahre bei Sir Basil Spence waren sehr bedeutend für mich», betont Stöckli, der den gesamten intensiven Entwicklungsprozess des Kathedralenneubaus mitgemacht und auch mitgeprägt hat.

Ohnehin hat ihn die englische Bauweise beeinflusst. Dank seinem «ästhetischen Empfinden für Landschaften, Gebäude und städtebauliche Qualitäten» (Zitat Heinz Greter) erkannte Stöckli den hohen Standard der Architektur Englands, was sich in einigen seiner Bauten in der Schweiz latent niederschlägt. Etwa in den Sichtbacksteinfassaden der Siedlung Alpenblick, Stöcklis erstes Grossprojekt nach seiner Rückkehr nach Zug, welches über die Landesgrenzen hinaus grosse Beachtung fand. Oder in der feinen Klinkerverkleidung des «Laubenhofes» schimmert ebenfalls die Idee englischer Gebäudefassaden der Arts-and-Crafts-Bewegung durch. «Ich schätze natürliche Materialien, und die sollten auch erkennbar sein an einem Bauwerk», findet Josef Stöckli.

Freier Kopf für viele Erinnerungen

Vor fünf Jahren schloss der Architekt sein Lebenswerk im fortgeschrittenen Alter ab: mit dem Terrassenhaus-Cluster am Schillerrain in Brunnen. Danach fand er schliesslich genug Zeit, sein Buchprojekt anzugehen. «Das Erinnerungsvermögen ist grösser und besser, wenn der Kopf frei ist», meint Stöckli. Und dieses erweist sich als sehr ausgeprägt, beachtet man die detaillierten Schilderungen von Stationen in seinem Leben, die zuweilen Jahrzehnte zurückliegen.

Auf rund 280 Seiten gelingt dem pensionierten Architekten eine formschöne kompakte und dennoch ausführliche Autobiografie und Werkschau in einem – ausgewogen in Bild und Text mit viel Tiefgang.

Hinweis

«Josef Stöckli – Werkgeschichte eines Architekten». In den örtlichen Buchhandlungen oder direkt beim Verlag Victor Hotz, Steinhausen.

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