LITERATUR: Johannes Mario Simmel ist gestorben

Der Bestsellerautor Johannes Mario Simmel ist am Neujahrstag gestorben, im Alter von knapp 85 Jahren. Er wohnte zuletzt in Zug.

Drucken
Teilen
Johannes Mario Simmel im März 2008 in seiner Wohnung in Zug. Bild Eveline Bachmann/Neue ZZ

Johannes Mario Simmel im März 2008 in seiner Wohnung in Zug. Bild Eveline Bachmann/Neue ZZ

Der Schriftsteller Johannes Mario Simmel ist tot. Der Romanautor starb am Neujahrstag im Alter von 84 Jahren in einer Privatklinik in Luzern, wie die Stadt Zug am Freitagabend auf Anfrage mitteilte. Simmel soll demnach auch in Zug beerdigt werden. Die Todesursache war zunächst unklar.

Simmel veröffentlichte alle zwei bis drei Jahre einen Roman und war ein bekannter Bestsellerautor. Seine Bücher erschienen in 35 Ländern in einer Gesamtauflage von mehr als 70 Millionen. Auch die Literaturkritik versöhnte sich in seinen letzten Lebensjahren mit dem Österreicher, dem oft der Vorwurf der Trivialliteratur gemacht wurde.

Rechtsstreit mit Haider
Die Nazi-Zeit und der Rechtsextremismus waren zentrale Themen in den Büchern Simmels, dessen Familie väterlicherseits fast vollständig dem Holocaust zum Opfer fiel. Bis zuletzt engagierte er sich gegen Rassenhass und Ausländerfeindlichkeit. Viel Aufsehen erregte 1996 ein Rechtsstreit mit dem österreichischen Politiker Jörg Haider, dem er «skrupellose und mörderische Hetze» gegen Ausländer vorwarf.

Sein Romandebüt hatte der am 7. April 1924 in Wien geborene Autor 1949 mit «Mich wundert, dass ich so fröhlich bin». Simmel arbeitete damals als Dolmetscher der US-Militärregierung in Österreich.

Sozialismus befürwortet
Der schriftstellerische Durchbruch kam 1960 - in zweierlei Hinsicht: Sein Roman «Es muss nicht immer Kaviar sein» wurde weltweit ein Bestseller. Zugleich machte er sich als Autor des Bühnenstücks «Der Schulfreund» einen Namen. Der Erfolg machte ihn finanziell unabhängig.

Simmel machte nie ein Hehl daraus, dass er politisch links stand und ein sozialistisches Gesellschaftssystem befürworten würde - wobei er sich ausdrücklich vom DDR-System distanzierte. Seine Hoffnung auf eine gerechte, eine soziale Welt habe sich nicht erfüllt, sagte er einmal. Die Utopie habe er aber immer noch.

Simmel lebte früher in Monte Carlo, gab dieses Domizil aber 1983 auf und zog nach Zug in der Schweiz. Seine Freizeit verbrachte er mit Schach, Katzen, Lesen, Musik, Schwimmen und Reisen.

ap