Lorze beinahe verstopft

Der Hang über der Lorze ist weiter abgesackt und verschliesst nun langsam den Fluss. Jetzt sind auch Zivilschützer in Allenwinden stationiert.

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Angehörige des Zivilschutzes beobachten den Hang Tag und Nacht. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Angehörige des Zivilschutzes beobachten den Hang Tag und Nacht. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Deutlich sind seit Donnerstag im Lorzentobel die Veränderungen zu sehen: Der Geröll- und Schlammberg, verursacht durch einen Erdrutsch zwischen dem Schmittli und den Lorzentobelbrücken, ist gewachsen. Mittlerweile reichen zwei Schlammzungen schon fast bis ans andere Ufer des Flusses. Die Lorze wird durch das Material aus dem Hang langsam aber sicher verstopft.

Bisher hatte man versucht, den Schlamm mit dem Wasser wegzuspülen. Doch diese Taktik greift nicht mehr. «Wir haben deshalb nun die Wasserzufuhr vom Ägerisee zurückdrehen lassen», erklärt Max Uebelhart, Chef des Gemeindlichen Führungsstabs Baar. Einerseits, damit sich hinter den Geröllzungen möglichst lang kein Stausee bildet, andererseits, weil die starken Schlammausspülungen den Jungfischen in der Lorze schaden. Den Fluss völlig trockenzulegen, ist unmöglich. Allein schon wegen der diversen Zuflüsse von unterhalb des Ägerisees.

Im Sechs-Stunden-Takt

Fast im Minutentakt bröckeln Steine und Felsen den Abhang hinunter. «Wir sind während 24 Stunden im Einsatz und beobachten den Hang», erklärt Michael Henzi, Einsatzleiter der Zivilschutzorganisation Kanton Zug. In Schichten wechseln sich Teams à fünf Mitarbeiter ab, alle sechs Stunden. «Es wird ziemlich kalt nachts», sagt Henzi. Ausser der Beobachtung des Hangs haben die Zivilschützer noch eine zweite zentrale Aufgabe: Sie sorgen dafür, dass sich niemand dem Schadenplatz nähert.

Seit gestern sind auch Zivilschützer in Allenwinden stationiert, wo der Erdrutsch seinen Ursprung hat. Auf einer Länge von 120 Metern ist dort ein Stück Wiesland mitsamt Bäumen um mittlerweile rund acht Meter (am Donnerstag waren es etwa fünf) abgesackt. Nachdem die Medien darüber berichtet hatten, wollten sich Schaulustige die Abrissstelle trotz Absperrung aus der Nähe ansehen. «Das ist sehr gefährlich», warnt Max Uebelhart.

Pferde merkten es zuerst

Auf den Erdrutsch aufmerksam war einerseits am Dienstag ein Passant geworden, der im Lorzentobel unterwegs war. Andererseits habe ein Bauer auf der anderen Seite des Tals am Wochenende von Allenwinden her seltsame Geräusche und ein heftiges Schneegestöber wahrgenommen und daraufhin den Landbesitzer alarmiert. Die Pferde, die auf dem betroffenen Bauernhof zu Hause sind, waren aber wohl die Ersten, die etwas spürten: «Am Sonntagmorgen wollten sie, wie der Bauer uns sagte, unter keinen Umständen auf die Weide», erklärt Rolf Longhi, Abteilungsleiter Sicherheit/Werkdienst der Gemeinde Baar.

Regelmässige Informationen

Derzeit sind die Geologen nach wie vor mit den Untersuchungen des Hangs beschäftigt. Andreas Hotz, Baarer Gemeindepräsident, hofft, dass sie am Montag klare Aussagen machen können, was am Hang zu tun ist. «Es ist eine ernsthafte Situation, die es seriös zu beobachten gilt», sagt er. «Unsere Einsatzleute arbeiten zuverlässig, das Monitoring ist sichergestellt. Die Baarer Bevölkerung muss keine Angst haben, dass eine Bedrohung insbesondere von Leib und Leben besteht.»

Der Gemeindepräsident hat selber noch keinen Augenschein vor Ort genommen, er werde aber regelmässig von Karl Betschart, dem zuständigen Gemeinderat, informiert, der auch an den gestrigen Begehungen wieder mit dabei war. «Ich werde selber stündlich bedient mit den Informationen über die Veränderungen», erklärt Betschart.

Hilfe beim Abpumpen
 

Solange die Lorze nicht ganz zugeht und sich hinter dem Schutt kein Stausee bildet, bleibt es beim Beobachten. «Mehr kann man nicht tun», sagt Uebelhart. Im Falle einer Stauung des Lorzenwassers würden umgehend neben der Feuerwehr Baar weitere Feuerwehren alarmiert und ausserdem beim Bund militärische Unterstützung angefordert. Beide Institutionen sind informiert. Sie würden das Wasser mit grossem Gerät abpumpen. Sonst droht Baar eine Flutwelle.

«Wir wurden über das Ereignis informiert und haben den Schadensplatz rekognosziert», bestätigt Daniel Jauch, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Zug (FFZ). Auf Pikett sei man deshalb aber nicht.
 Im Alarmfall würde die FFZ mit rund 30 bis 40 Mann ins Lorzentobel vorrücken und dort mit einer sogenannten Hydrosubpumpe das Wasser absaugen und umleiten. «Das ist die einzige Pumpe im Kanton Zug dieser Grösse. Sie schafft 6800 Liter pro Minute.» Weiter kämen mehrere Typ-4-Pumpen zum Einsatz, die 4000 Liter pro Minute transportieren können. Auch die Feuerwehren Risch und Neuheim würden mit ihren Pumpen anrücken. «Eine behalten wir aber zur Sicherheit in Reserve, im Falle eines Brandes», so Jauch.

Andrée Stössel