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Kolumne

Lust und Frust an Wahlwerbung

Derzeit flattern wieder zig Wahlflyer in die Haushalte. Was den Einen nützt, stört Andere, finden Marco Morosoli und Andreas Faessler, Redaktoren der «Zuger Zeitung».
Marco Morosoli.

Marco Morosoli.

Der 20. Oktober rückt näher. Wir dürfen den National- und den Ständerat wählen. Kürzlich habe ich wieder das grosse Couvert mit den verschiedenen Wahlflyern in meinem Briefkasten vorgefunden. Eine geballte Ladung von Köpfen, die mich alle inständig bitten, Sie doch zu wählen. Ich lege die Zettel nebeneinander auf den Tisch. Diese Auswahl – ein Blick alleine reicht nicht.

Was auffällt: Die Frauen sind viel präsenter als in vergangenen Jahren. Recht so, äh links so auch. Um diesen Überblick zu bekommen, hätte ich schon früh mit dem Sammeln von Wahlaufforderungen beginnen müssen. Auch in Zug heisst es: Wahlkampf ist immer. Dank dem grossen Couvert mit all den gut gekleideten Damen und Herren stelle ich heuer fest: Die Zeiten der Wahlwerbung aus dem heimischen Drucker sind vorbei. Was dem Wähler serviert wird, hat erste Druckklasse. Vor was mich die vielen Drucksachen nicht befreien, ist die Frage: Wer macht bei mir das Rennen? Nur fünf Linien zum Ausfüllen und so viele Wählbare zur Auswahl.

Die ersten Wahlplakate waren bereits im Frühling zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt haben viele überhaupt noch keinen Plan, dass am 20. Oktober Wahlen sind. Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber was ist, wenn keiner da ist?


Andreas Faessler.

Andreas Faessler.

Es ist natürlich richtig und wichtig, dass Politikerinnen und Politiker auf sich aufmerksam machen, wenn sie gewählt werden wollen. Aber an die Wirksamkeit dieser masslosen Plakatiererei, die meinem Eindruck nach in den vergangenen Jahren eklatant zugenommen hat, mag ich nicht so richtig glauben. Allein auf dem Weg von Zug nach Oberägeri grinsen mir dieselben Personen gefühlte 20 Mal entgegen. Am Ende dieses die Landschaft verschandelnden Plakatwaldes bin ich schliesslich so überreizt und genervt, dass mir die Lust, überhaupt jemanden von ihnen zu wählen, richtiggehend vergangen ist – wenigstens für den Moment.

Jedenfalls bewirken die Wahlplakate bei mir genau dasselbe wie Werbespots, die unaufhörlich über die Mattscheibe flimmern: Nach der x-ten Wiederholung kaufe ich das Produkt erst recht nicht.

Wichtiger als ein freundliches Lächeln und irgendein revolutionärer Slogan sind mir für meine Stimmabgabe die allgemeine Haltung der Politikerinnen und Politiker, welche sich mir unter anderem aus bisherigen Verdiensten erschliesst, aus dem allgemeinen Gebaren in der Öffentlichkeit und aus einer dadurch erwachsenden Glaubwürdigkeit. Und nicht zuletzt zählt eine ausgeprägte Grundsympathie.

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