Lustige und traurige Hochzeitsgeschichten – der Chamer Standesbeamte erzählt

Christian Sigrist erzählt am Tag der Liebenden von seinen interessantesten Erlebnissen bei der Arbeit. Unter anderem hat tatsächlich einmal ein Verlobter seine potenzielle Braut versetzt.

Tijana Nikolic
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Der Standesbeamte Christian Sigrist arbeitet seit 2012 für die Gemeinde Cham.

Der Standesbeamte Christian Sigrist arbeitet seit 2012 für die Gemeinde Cham.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 13. Februar 2020)

Heute ist Valentinstag, der Tag der Liebenden. Nebst Blumen- und Pralinéverkäufern haben am heutigen Tag auch Standesbeamte viel zu tun, könnte man meinen. Ganz anders sehe das in Cham aus, sagt Christian Sigrist, der Bereichsleiter Zivilstands- und Bestattungsamt der Gemeinde: «Obwohl Cham, mit durchschnittlich 250 bis 300 Trauungen im Jahr, ein äusserst beliebter Trauungsort ist, schliessen wir am Tag der Liebenden tatsächlich nur äusserst selten Ehen.» In den vergangenen zehn Jahren waren es gerade mal vier Brautpaare.

«Vielleicht werden persönlichere Daten, wie das Datum des Zusammenkommens oder der Verlobung, höher gewichtet», vermutet der 43-jährige Sigrist. Da er im Zivilstandsamt das Leben quasi von der Wiege bis zur Bahre begleitet, sei für ihn jeder Tag besonders. «Mit den vielen Geburten, Namenserklärungen, Kindesanerkennungen, Todesfällen sowie dem Bestattungswesen geht uns die Arbeit auch ohne Hochzeiten nicht aus.»

Internationale Trauungen

Langweilig werden auch die Anekdoten aus dem Arbeitsalltag des Zürchers, der seit 2012 für der Gemeinde Cham arbeitet nicht. Eines der schönsten Ereignisse bei seiner Arbeit als Standesbeamter war, als sich ein australisches Paar, nur aufgrund eines Bildes aus dem Internet in die Chamer Villette am See verliebt hatte und deswegen für die Trauung in die Schweiz kam. «Das Paar hatte keinerlei Bezug zur Schweiz und es war für die beiden die erste Reise ausserhalb Australiens», erinnert sich Christian. Die Eheschliessung fand zwischen Weihnachten und Neujahr statt und es lag ein bisschen Schnee im Villettepark: «Für mich war das eine unvergessliche Trauung.» Diese sogenannten Touristentrauungen seien möglich und bewilligungspflichtig durch die Aufsichtsbehörde. Bei seiner vorherigen Arbeit im Zivilstandswesen im Kanton Zürich habe er bereits Touristen aus England, Japan oder Korea getraut. Eine Zeremonie unter freiem Himmel sei aber gemäss Bundesgesetz nicht erlaubt. «Bei der Wahl der Trauungsorte haben wir vom Gesetz her keinen grossen Spielraum. Wir sind an die dafür vorgesehenen Traulokale wie der Villa Villette, dem Tisch & Bar Restaurant in Holzhäusern und dem Gemeindehaus Mandelhof in Cham gebunden», so Sigrist. Ein Highlight seien die sogenannten «Sommernachtstrauungen» in der Villette, bei denen man sich an fünf Abenden des Jahres im Vollmondschein das Eheversprechen geben kann.

Aber auch an skurrile und für die Beteiligten nicht so schöne Erlebnisse erinnert sich Sigrist:

«Einmal bekam ein Bräutigam kalte Füsse und setzte sich heimlich am Tag der Trauung ins Ausland ab, während die Braut in Weiss mit rund 40 Gästen vor dem Trauzimmer auf ihn wartete.»

Der Rekord von der Trauung bis zur gewünschten Annullierung des Eheversprechens läge bei 14 Stunden. «Ich hatte an einem Abend kurz vor 18 Uhr eine Trauung. Bereits am nächsten Morgen um 8 Uhr stand das Paar wieder in meinem Büro und wollte sie annullieren lassen», erzählt Sigrist, der selber in einer langjährigen Beziehung lebt. Dies könne er natürlich nicht: Eine zivilrechtlich geschlossene Ehe kann nur von einem Richter aufgelöst werden.

«Ich glaube an die Liebe, aber nicht im Sinne einer Hollywood-Projektion. Ich glaube an die tiefe Verbundenheit zwischen zwei Menschen», verrät Sigrist. Die Liebe könne unterschiedlichste Facetten haben. Auch die gleichgeschlechtliche Liebe sei für ihn eine natürliche Sache, die er nicht geringer schätze. «Glücklicherweise gibt es heute die eingetragene Partnerschaft, wodurch gleichgeschlechtliche Paare ihre Liebe auch offiziell eintragen können», so Sigrist. Heute am Valentinstag habe er immerhin zwei Ehevorbereitungsverfahren mit verlobten Paaren. «So wird es auch ohne eigentliche Trauung ein wenig Romantik für mich geben.»

Am 14. Februar um 19.30 Uhr findet in der reformierten Kirche in Zug ein besonderer Valentinstag-Gottesdienst für Paare statt.

Ein Blind Date zum Valentinstag in der Stadt Zug

Speed-Dating erfreut sich auch im Kanton Zug seit einigen Jahren wieder grösserer Beliebtheit. Singles, die am Abend des 14. Februars nicht alleine sein wollen, können sich in der Stadtzuger Altstadthalle zum Livekonzert samt Dating treffen.
Laura Sibold