Das Oberägerer Kinder- und Jugendheim Lutisbach sucht einen neuen Heimleiter

Das Heim «Lutisbach »geriet vor zwei Jahren in die Schlagzeilen. Nun hat der damals heftig kritisierte Leiter die Institution verlassen. Aus gesundheitlichen Gründen, wie es seitens des Stiftungsrates heisst.

Rahel Hug
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Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach bietet Platz für 20 Kinder und Jugendliche.

Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach bietet Platz für 20 Kinder und Jugendliche.

Bild: Matthias Jurt (6.März 2020)

Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach in Oberägeri ist das einzige seiner Art im Kanton Zug. Es bietet 20 Plätze für Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 15 Jahren sowie eine Wohngruppe mit 8 Plätzen für junge Erwachsene ab 16 Jahren an einem separaten Standort.

Im Herbst 2018 geriet das Heim in die Schlagzeilen. Mehrere ehemalige Mitarbeiter richteten schwere Vorwürfe an den damaligen Leiter der Institution. So habe er mehrere Sachspenden für sich selber verwendet, sein Führungsstil wurde kritisiert, und zeitweise war die Personalfluktuation sehr hoch. Die Trägerschaft, der Stiftungsrat der Stiftung Lutisbach, stand damals voll hinter dem Leiter (wir berichteten).

Nachdem im vergangenen Mai der Präsident des Stiftungsrates, Theo Desax, sein Amt abgegeben hat, arbeitet nun auch der Heimleiter nicht mehr im Lutisbach. Die Institution wird ad interim durch einen vormaligen Teamleiter geführt, seit kurzem ist die Stelle öffentlich ausgeschrieben.

«Die Anschuldigungen waren haltlos»

Peter Hügli, Co-Präsident des Stiftungsrates, schreibt auf Anfrage, dass der ehemalige Heimleiter seit Ende März krankgeschrieben sei. Er habe sich zwischenzeitlich für eine berufliche Veränderung entschieden und werde nicht ins Lutisbach zurückkehren. «Aufgrund der Krankheit erfolgt die Trennung in gegenseitigem Einverständnis.» Man wolle die Gesundheit der Mitarbeitenden nicht öffentlich kommentieren. «Der Persönlichkeitsschutz ist uns wichtig.»

Die Frage, ob sein Weggang im Zusammenhang mit den 2018 erhobenen Vorwürfen steht, verneint Hügli. «Die Anschuldigungen waren haltlos», erklärt er. Diese und die öffentliche Diskussion darüber hätten den Heimleiter schwer getroffen. «Als Führungsperson musste er Entscheide treffen, die intern teils auf Widerstand und Kritik stiessen. Das gehört in jeder Führungsposition dazu.» Damit meint Hügli etwa die Transition des Heims von einer kleinen Institution hin zu einem professionellen Sozialbetrieb, die Stärkung des Partnernetzwerkes oder den Aufbau einer Elternfachstelle.

Der Institutionsleiter habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Die Aufsichtsbehörde, das Kantonale Sozialamt, habe man frühzeitig über den gesundheitlichen Ausfall des Heimleiters informiert. Zudem hat der Stiftungsrat organisatorische Veränderungen beschlossen. Die Heimleitung wird künftig von der Leitung Administration und HR unterstützt und entlastet.

Coronasituation war eine Herausforderung

Und wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitenden und bei den Kindern und Jugendlichen nach den personellen Turbulenzen? «Der Ausfall des Heimleiters und die Änderungen haben unsere Mitarbeitenden in den vergangenen fünf Monaten teils sehr gefordert», so Peter Hügli. Aber: «Jeder Neuanfang bietet Chancen.» Die Mitarbeitenden hätten die organisatorischen Veränderungen verständnisvoll aufgenommen. «Der Spirit im Lutisbach ist gut und kooperativ.»

Vom Coronavirus blieb das Kinder- und Jugendheim glücklicherweise bislang verschont. Doch die Situation war eine Herausforderung, wie der Stiftungsratspräsident einräumt. Dies wegen des Homeschooling, weil Risikopersonen im Homeoffice arbeiteten und weil für die Kinder und Jugendlichen neue Verhaltensregeln aufgestellt werden mussten.

Theo Desax, der den Stiftungsrat nach sieben Jahren Amtszeit auf eigenen Wunsch verlassen hat, möchte sich nicht zum Weggang des Heimleiters äussern. Auch die Frage, ob sein Rücktritt damit im Zusammenhang stehe, möchte er nicht beantworten.

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