Lyrische Wortschöpfungen regen auf dem Zugerberg zum Nachdenken an

Stille Reflexion ist gut fürs Gemüt: Der temporäre «Lyrik-Weg» auf dem Zugerberg gibt Spazierenden beste Gelegenheit dazu.

Andreas Faessler
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Niklaus Lenherr montiert die Tafel am Beginn des Lyrik-Weges bei der «Tankfalle» auf dem Zugerberg. (Bild: Andreas Faessler, 18. November 2019)

Niklaus Lenherr montiert die Tafel am Beginn des Lyrik-Weges bei der «Tankfalle» auf dem Zugerberg. (Bild: Andreas Faessler, 18. November 2019)

Carl Spitteler (1845-1924) ist bislang der einzige Schweizer, der je den Literaturnobelpreis erhalten hat – das war 1919, exakt vor einhundert Jahren. Anlässlich dessen hat das Projekt «Literatur mobil» in Zusammenarbeit mit dem Verein «Carl Spitteler – 100 Jahre Literaturnobelpreis 1919-2019» an mehreren Orten hauptsächlich in der Zentralschweiz temporär einen sogenannten «Lyrik-Weg» aufgebaut mit dem Thema «2019 meets 1919».

Ausgehend von 100 Jahre Literaturnobelpreisvergabe an Carl Spitteler wurden Schweizer Autorinnen und Autoren angefragt, sich mit ausgewählten Zitaten von Spittelers Œuvre auseinanderzusetzen und, inspiriert von diesen, eigene lyrische Texte zu erarbeiten. Diese werden in der Folge auf A3-Tafeln gedruckt und entlang einer bestimmten Route aufgestellt.

Literarische Miniaturen von Zugern

Hinter diesem mobilen Kulturprojekt steckt der Luzerner Kulturschaffende Niklaus Lenherr. Am Montag hat er gemeinsam mit seiner «rechten Hand» Balz Ettmüller einen solchen Lyrik-Weg auf dem Zugerberg installiert. Er startet beim Strassen- und Wegknotenpunkt Tankfalle südlich vom Vordergeissboden, wo eine Doppeltafel das Projekt erläutert. Entlang der Strasse zum Hintergeissboden stehen nun insgesamt zehn Tafeln mit Gedichten und kurzen Texten, darunter auch von Zugern wie Max Huwyler, Andreas Iten oder Judith Stadlin und Michael van Orsouw.

«Der Lyrik-Weg ist etwas Stilles, Besinnliches», sagt Niklaus Lenherr. «Die Kurztexte lassen einem viel Raum für Reflexion, sollen zum Nachdenken anregen.» Die literarischen Miniaturen lassen zuweilen bewusst offen, was genau die Verfasser sagen möchten. Sie geben dem Betrachter einen Input, wonach er seine eigenen Interpretationen und Überlegungen weiterspinnen kann – mitten in der Beschaulichkeit der umliegenden Natur, vielleicht fern vom Alltag, wenn der Kopf frei ist.

Das sinnliche Projekt von Literatur mobil erfährt breite Unterstützung von namhaften Stiftungen, Kommissionen, sämtlichen Zentralschweizer Kantonen sowie auch von der Korporation Zug, welche die Installation des Lyrik-Weges auf dem Zugerberg bewilligt und dem Initiant überdies die Gebühren erlassen hat. Niklaus Lenherr freut sich über so viel Sympathie, die seinem «stillen Projekt» entgegengebracht wird. Der Lyrik-Weg auf dem Zugerberg wird bis und mit 15. Dezember bestehen bleiben.