«Made in China» gibt es bei Konrad Stocker nicht

Seit genau 25 Jahren sorgt er für Wald, Kläranlage und Umgebungen der Gemeinde Oberrüti.

Melanie Burgener
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Bei seiner Arbeit in der Gemeinde Oberrüti ist Konrad Stocker jeden Tag draussen unterwegs.

Bei seiner Arbeit in der Gemeinde Oberrüti ist Konrad Stocker jeden Tag draussen unterwegs.

Bild: Melanie Burger

«Jetzt musste ich gerade noch die Schnitzelheizung einfeuern, die Leute beginnen zu frieren», sagt Konrad Stocker lachend, als er im kurzärmeligen Shirt aus seinem Fahrzeug aussteigt. Der bald 50-Jährige ist Regen und kühlere Temperaturen gewohnt. Immerhin ist er schon sein halbes Leben lang jeden Tag draussen in und um Oberrüti unterwegs.

Heute, am 1. Oktober, ist es genau 25 Jahre her, dass Konrad Stocker seine heutige Stelle als Forstwart in Oberrüti angetreten hat. «Damals haben sie hier gerade das neue Forsthaus eingeweiht. Ich habe da sogar noch mitgeholfen und Fronarbeit geleistet», erinnert er sich gut. Gleichzeitig mit ihm habe sich auch der Sohn des damaligen Försters für diese Stelle beworben. «Ich hatte Glück, dass ich hier bereits in der Feuerwehr und mein Vater, der dieses Amt lange Zeit vor mir ausgeübt hat, in der Bürgergemeinde war», erzählt er. «Ausserdem war der damalige Förster im Dorf nicht so beliebt», ergänzt er und grinst.

Konrad Stocker ist zusammen mit seinen fünf Geschwistern in Oberrüti aufgewachsen und hat fast sein ganzes Leben in der Oberfreiämter Gemeinde verbracht. «Ich bin nur einmal für etwa zwei bis drei Jahre aus dem Dorf fortgezogen.» Seine Lehre zum Forstwart hat er in Merenschwand absolviert und anschliessend für ein paar Jahre in Luzern gearbeitet. Heute wohnt Stocker zusammen mit seiner Frau in seinem Elternhaus, «praktisch ganz zuoberst in Oberrüti», wie er beschreibt. Neben dem Haus habe er auch einen grossen Garten und 15 Hochstammbäume zu pflegen. «Das ist mein Hobby. Ich lege mich abends nicht einfach hin und tue nichts.» Und das, obwohl Konrad Stocker eigentlich ein Morgenmensch ist. «Ja, ich mag es, wenn es früh heiter ist. Da bringt man die beste Leistung.» Wenn es am Nachmittag heiss wird, zieht er sich lieber zurück. Entweder in seinen Garten oder nach Cham auf den Zugersee. Dort trainiert er einmal in der Woche im Ruderklub.

Zunächst verbrachte er die meiste Zeit im Wald

In seiner ersten Zeit, nachdem Konrad Stocker 1995 als neuer Forstwart von Oberrüti eingestellt worden war, verbrachte er rund 60 Prozent seiner Arbeitszeit im Wald. In der restlichen Zeit hat er sich um die Umgebung in der Gemeinde gekümmert. Heute sei das genau umgekehrt. Denn neben seinen Tätigkeiten als Forstwart und Bauamtsangestellter ist Stocker seit 24 Jahren auch noch der Klärwärter der Gemeinde. «Man meint immer, das sei eklig. Vielleicht war es das früher auch, aber mit den modernen Maschinen ist das kein Problem mehr», sagt er bescheiden. Nach kurzem Zögern gibt er aber zu: «Es gibt vielleicht schon Momente, in denen wahrscheinlich nicht jeder an einer solchen Maschine eine Schraube wechseln würde.»

Trotzdem gibt es nichts an seiner Arbeit, das Stocker nicht mag. «Ich habe den Vorteil, dass ich in vielen unterschiedlichen Sparten arbeiten kann», sagt er. So findet er auch an seinen unmotivierteren Tagen immer eine Aufgabe, die ihm Spass macht. Er geniesst es, dass er in seinem Beruf so selbstständig sein und dabei seine Herzensangelegenheiten unterstützen kann: Regionalität und Respekt vor der Natur.

Menschenverstand statt CO2-Gesetz

Denn wenn Konrad Stocker eines nicht mag, dann sind das Menschen, die ihren Abfall liegen lassen. Oder alte Häuser, die abgerissen werden, obwohl man sie noch hätte renovieren können. «Da bringt auch ein CO2-Gesetz nichts, da braucht es einfach gesunden Menschenverstand. Ich schaue auch sehr stark darauf, dass ich nichts kaufe, was ‹Made in China› ist.» Auch ein Shirt, das ihm gefalle, schaffe es nicht in seinen Kleiderschrank, wenn es aus Asien komme. «Gestern war ich mit meiner Frau in einem Dekorationsgeschäft. Die verkaufen da Tannenzapfen aus China.» Er schüttelt den Kopf. «Das verstehe ich nicht, wir haben doch hier im Wald genügend davon.»

Mit dieser Überzeugung hat sich Stocker vor ein paar Jahren auch für die Renovation des Bürgerhauses in Oberrüti eingesetzt. «Da gab es früher eine Ölheizung, die wollte man ersetzen», erinnert er sich. Mit seinen Argumenten sei er nicht bei allen gut angekommen. Trotzdem hat sein Anliegen, das Geld in eine gute Isolation und eine Fotovoltaikanlage zu investieren, am Ende gewonnen. «In diesem Haus könnte man auch die vorhandenen Ressourcen nutzen und so die Wohnungen modernisieren. Mal sehen, vielleicht bringe ich das auch noch zu Stande», sagt er und lacht.