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Ina Stankovic: «Als Pastoralassistentin ist man immer ganz nah an den Menschen»

Auch die Kirche bietet aufgeschlossenem Nachwuchs attraktive Möglichkeiten für eine berufliche Laufbahn. Eine junge Pastoralassistentin aus Luzern erzählt, wie sie ihren Platz gefunden hat.
Andreas Faessler
Ina Stankovic hat ihre Berufung gefunden: Seit August 2018 ist die 29-Jährige Luzernerin Pastoralassistentin in der Pfarrei Sursee. (Bild: Dominik Wunderli, 13. November 2018)

Ina Stankovic hat ihre Berufung gefunden: Seit August 2018 ist die 29-Jährige Luzernerin Pastoralassistentin in der Pfarrei Sursee. (Bild: Dominik Wunderli, 13. November 2018)

Eine berufliche Laufbahn in der katholischen Kirche – das mag für viele junge Menschen nicht besonders attraktiv klingen. Die Gründe? Vielleicht haftet dem Bereich etwas Verstaubtes an, oder man pflegt ein zu enges Bild über die vermeintlich stark beschränkten Möglichkeiten, die einem da offenstehen. Mit dem Projekt «Chance Kirchenberufe» wollen Deutschschweizer Landeskirchen und weitere kirchliche Institutionen aufzeigen, dass die Berufs- und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der katholischen Kirche breiter sind, als die Mehrheit der Jungend erfahrungsgemäss annimmt. Mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit sollen mit diesem Projekt proaktiv Nachwuchs-Berufsleute angesprochen werden.

Die Auseinandersetzung mit Lebensfragen

Zentraler Teil der Kampagne sind «nahbare Vorbilder», die gegen aussen als überzeugte Berufsleute der Kirche auftreten – im Internet sowie auch im realen Alltag in der Öffentlichkeit freundlich von Plakaten lächelnd. Eines dieser Gesichter ist Ina Stankovic. Seit vergangenem August ist die Luzernerin als Pastoralassistentin in der Pfarrei Sursee tätig. Dass sie dereinst einen Beruf in der katholischen Kirche ausüben würde, hätte die heute 29-Jährige nicht gedacht, wie sie sagt. Das Philosophiestudium in Bern nach der Matura erwies sich vorerst zwar als richtige Wahl, «aber doch fehlte mir dabei die Auseinandersetzung mit den ganz grossen Fragen des Lebens», sagt Ina Stankovic. Als sie während des Studiums zufällig ihren geschätzten Religionslehrer aus der Zeit am Gymnasium traf, animierte dieser sie in angeregten Gesprächen, allenfalls ein Studium der Theologie in Erwägung zu ziehen, was die gebürtige Bosnierin schliesslich beherzigte – und an der Universität Luzern immatrikulierte. «Das Theologie- und Ethikstudium brachte mich tatsächlich auf vielen Ebenen weiter. So auch die intensive Auseinandersetzung mit dem Glauben und Lebensfragen. Auch wenn ich nie besonders religiös war.»

hst nicht explizit einen kirchlichen Beruf an – lange sei ihr gar nicht erst bewusst gewesen, dass man auch als Frau vollberuflich innerhalb der katholischen Kirche tätig sein könne. Ihr Wunsch war es schlichtweg, nahe bei den Menschen zu sein und sie in allen ihren Lebensphasen zu begleiten. Da kam unerwartet eine Anfrage aus der Pfarrei Sursee, ob Ina Stankovic als Pastoralassistentin eintreten möge. «Das war für mich dann schliesslich der richtige Weg», sagt sie rückblickend. «Es ist kein klar vordefiniertes Amt, sondern jedes ist individuell, die Aufgaben und Zuständigkeiten sind so unterschiedlich wie vielseitig. Und man kann seinen Berufsalltag weitgehend frei gestalten.» In der Pfarrei Sursee fühlte sich Ina Stankovic auf Anhieb wohl, wie sie sagt. Die Gemeinde war ihr insofern bereits vertraut, als sie an der hiesigen Schule zuvor Religionsunterricht erteilt hatte. Die 29-Jährige hebt die Offenheit hervor, mit welcher ihr das Pfarramt begegnet. Da habe es nie Vorurteile gegeben, sagt sie, und man könne auf der ganzen Linie sich selbst sein. «In unserer Pfarrei arbeiten knapp ein Dutzend Menschen, von denen jede und jeder einen ganz unterschiedlichen Hintergrund hat.» Dann meint sie leicht schalkhaft: «Und mir selber sieht man ja auch nicht unbedingt an, dass ich für die katholische Kirche arbeite.» Damit verweist Ina Stankovic unter anderem auf ihre grossflächigen, farbigen Tätowierungen am Arm.

Und selbst für kirchenkritische Fragen bleibt genug Platz, denn obschon die Luzernerin in der Kirche wirkt, teilt sie noch lange nicht alle Ansichten, die innerhalb der katholischen Kirche bestehen. Sei es die teilweise antiquierte Einstellung zur Sexualität oder das Festhaltenwollen an patriarchalischen Strukturen. «Würde es nach mir gehen, so sollten auch Frauen für das Priesteramt zugelassen werden», findet sie, obschon sie selber nicht den Wunsch verspürt, diesem Beruf nachzugehen. «Aber ich kenne Menschen, die darin Erfüllung fänden und deshalb unter dieser Einschränkung leiden.»

Offenheit und Empathie

Die frisch gebackene Pastoralassistentin kann sich in der Stadt am Sempachersee vollumfänglich entfalten. Einerseits schätzt sie an ihrer Arbeit, sich ins liturgische Geschehen einzubringen, Gottesdienste zu gestalten, die Kommunion zu spenden, Predigten zu lesen... «Das Wort Gottes lebendig zu halten, es zu feiern, es in zeitgemässe Wort zu fassen und damit die Menschen zu erreichen – daran liegt mir sehr viel.» Andererseits ist es der bereits angesprochene Aspekt der Teilnahme am Leben der Menschen, welcher der Luzernerin so viel Freude in ihrem Beruf bereitet. «Sei es eine Taufe, eine Erstkommunion oder Firmung, aber auch emotional gegensätzlich geladene Ereignisse wie eine Sterbebegleitung oder eine Bestattung, als Pastoralassistentin – oder Seelsorgerin, wie ich mich grundsätzlich bezeichne – ist man immer ganz nah an den Menschen.» Dafür braucht es viel Offenheit und Empathie. Und selbstverständlich auch Nächstenliebe – «denn das ist ja das zentrale Anliegen des Christentums.» Mit diesem Engagement will Ina Stankovic ihren Beitrag leisten, dass die Kirche nicht stehen bleibt, sondern sich weiterentwickelt und sich ganz an den Menschen orientiert. «Denn aus dieser Motivation schöpfe ich Kraft.»

www.chance-kirchenberufe.ch

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