Kolumne

Weinbeeren: Man liebt sie oder man hasst sie

An den getrockneten Trauben scheiden sich die Geister – nicht nur am Dreikönigstag. Marco Morosoli mag sie und kennt sich bestens aus, Rahel Hug outet sich als Rosinen-Gegnerin.

Drucken
Teilen
Marco Morosoli

Marco Morosoli

Bild: Stefan Kaiser

Ich verstehe meine Redaktionskollegin Hug nicht, dass sie keine Weinbeeren isst. Sie verpasst etwas. Mehr noch: Vielleicht schüttet sie das Kind mit dem Weinbeerenbad aus, denn unter das Weinbeeren-Dach verstauen wir Schweizer gleich drei verschiedene Arten von getrockneten Trauben.

Diesen Unterschied habe ich bis vor wenigen Jahren auch nicht gekannt. Aber alles der Reihe nach: Sultaninen sind hellgelb und entstehen durch Trocknung der kernlosen Weintraubensorte Sultana. Bei den getrockneten dunklen Trauben handelt es sich um Rosinen. Die Trauben verlieren das Wasser, indem sie längere Zeit an der Sonne getrocknet werden. Die Sultaninen durchlaufen hingegen eine Dusche aus Pottasche und Olivenöl und trocknen daraufhin aus. Etwas kleiner sind die Korinthen. Ihren Namen hat die Traubensorte von der griechischen Stadt Korinth. Diese getrockneten Rebfrüchte sind viel kleiner als die bei uns gängigen Sultaninen.

Einige wenden nun ein, dass ich ein Korinthenkacker sei. Das Schweizer Synonym «Tüpflischisser» passt vielleicht besser. Aber belehrend will ich keinesfalls sein. Was ich sagen will: Es gibt bestimmt eine getrocknete Weintraube, die jedem passt. Wetten!


Rahel Hug

Rahel Hug

Bild: Stefan Kaiser

Beim Essen bin ich eigentlich nicht heikel. Ich mag so ziemlich alles. Doch bei Weinbeeren sage ich: nein, danke. Ich oute mich hiermit als Verweigerin der kleinen süssen Trockenfrüchte. Frische Trauben: lecker! Panettone: fein, aber bitte ohne Sultaninen und kandierte Früchte. Studentenfutter: gerne, jedoch nur die Nüsse. Ein marokkanisches Couscous: Hmmm, doch die Rosinen darin – pfui! Bei jedem Gericht, das mir in den Sinn kommt, sind Weinbeeren für meinen Geschmack absolut überflüssig. Da hilft es auch nicht, dass sie reich an Ballaststoffen, Mineralstoffen und Vitaminen sind. Und wie sie jetzt genau heissen, spielt mir eigentlich auch keine Rolle. Ich mag keine der von Kollege Morosoli angesprochenen Sorten.

Zum gestrigen Dreikönigstag habe ich deshalb zwei Alternativen besorgt: Ein Kuchen «Nature», nur mit Mandelblättchen und Hagelzucker garniert, und eine Variante mit Schokostücken. Sehr lecker! Ich bin den Bäckereien dankbar, dass sie auch Backwaren für Rosinen-Gegner anbieten.

Vom «Nature»-Exemplar hat auch Kollege Morosoli ein Stück gekostet – und es hat ihm geschmeckt, wie er mir versichert hat. Glück hatten weder er noch ich: Die Krone durfte ein anderes Redaktionsmitglied aufsetzen.